Legend (2015)

Legend (2015)

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  3. 132 Minuten

Filmkritik: Hardy & Hardy

40th Toronto International Film Festival
Es gibt was zu feiern...
Es gibt was zu feiern... © Impuls Pictures AG

London in den Sechzigerjahren: Reggie Kray (Tom Hardy) und sein unberechenbarer Zwillingsbruder Ron (ebenfalls Tom Hardy) haben sich dank ihrer brutalen Unverfrorenheit zu veritablen Unterweltskönigen hochgearbeitet. Sie besitzen diverse Nachtclubs und Spielcasinos im East End und wollen London zum Las Vegas Europas machen. Um dies zu erreichen, schrecken sie weder vor Mord und Totschlag noch vor Allianzen mit amerikanischen Mafiosi zurück.

...darauf trinken wir einen!
...darauf trinken wir einen! © Impuls Pictures AG

Die Geschäfte florieren und der Einfluss der Brüder reicht bis in die hohen politischen Ebenen hinauf. Doch als Reggie die hübsche Frances (Emily Browning) kennenlernt und später auch heiratet, erhält die Beziehung zwischen ihm und Ron erste Brüche. Vor allem der psychopathische Ron wird immer misstrauischer und vermutet hinter jeder Ecke eine Verschwörung. Die Situation eskaliert immer mehr, und das Imperium, das sich die beiden Brüder im Laufe der Jahre aufgebaut haben, droht auseinanderzubrechen.

Willkommen zur Tom-Hardy-Show! Auf der linken Seite haben wir: Tom Hardy als Reggie Kray, einen smarten Gangster mit Sex-Appeal. Auf der rechten Seite haben wir: Tom Hardy als Ron Kray, einen brutalen Psychopathen mit einem losen Mundwerk. Braucht's noch mehr? Eine zusammenhängende Geschichte beispielsweise? Das mag jeder für sich selbst entscheiden. Legend macht wegen des Hauptdarstellers Spass, an vergleichbare Gangster-Epen wie Scarface, Once upon a time in America, GoodFellas oder Casino kommt dieser Film nicht ansatzweise heran.

Die Kray-Zwillinge, deren Biographie der Geschichte von Legend Pate stand, waren Zeitgenossen, denen man lieber nicht allein in der Nacht begegnet: brutal, hinterhältig, rücksichtslos und - zumindest im Fall von Ron - völlig durchgeknallt. Eine explosive Mischung. Explosiv ist auch der Film: Man hat jederzeit das Gefühl, dass es knallen könnte. Auch wenn sich die Gewalt auf wenige Szenen beschränkt, ist sie unterschwellig doch immer vorhanden.

Der mit ausstatterischer Liebe zum Detail und viel swingender Sixties-Musik inszenierte Film von Brian Helgeland verkauft sich als Geschichte vom "Aufstieg und Fall" der beiden Brüder, was allerdings ein wenig Etikettenschwindel ist. Denn er setzt zu einem Zeitpunkt ein, in dem die Brüder bereits einen gehörigen Machtstatus erlangt haben. Dafür fokussiert er stärker auf Reggies Beziehung zu seiner Ehefrau Frances, aus deren Perspektive die Geschichte auch erzählt wird. Ihre Voice-overs bringen denn auch ein ganz klein wenig Struktur in den Film, dem es allgemein an Struktur mangelt.

Denn die abgehackte Handlung ist eines der Hauptprobleme von Legend. Eine Geschichte im eigentlichen Sinne ist nur ansatzweise auszumachen, vielmehr hat der Film - wie so häufig bei Geschichten, die auf wahren Gegebenheiten beruhen - etwas Episodenhaftes, was in diesem Fall aber sehr unbefriedigend ist. Man erfährt nur sehr wenig über Hintergrund und Zusammenhänge und hat Mühe, in die Handlung hineinzufinden. So bleibt der Streifen denn vor allem eines: eine grosse Tom-Hardy-Show.

Natürlich muss man dem Hauptdarsteller ein Kränzchen winden, denn er meistert seine Doppelrolle mit Bravour und hartem Cockney-Akzent. Reggie, der "normalere" der beiden, erinnert in seiner Mischung aus Eleganz und Brutalität ein wenig an Robert De Niros Noodles in Once upon a time in America, während Ron mit der Brille, den dicken Lippen und dem stechenden Glotzen für die makaber-komischen Momente zuständig ist. Allein wegen des doppelten Hardy ist der Film zweifellos doch noch sehenswert, auch wenn er mit seiner Handlungsarmut und der Laufzeit von über zwei Stunden streckenweise ziemlich Geduld erfordert.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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Kommentare Total: 2

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Eine gewisse Erwartung an den Film hatte ich schon. Der Trailer sah cool aus und Tom Hardy wird immer besser. Storytechnisch war es eher mässig. Man sieht weder wie die beiden Zwillinge an die Macht kommen noch wie sie ausführlich hinter Gittern gebracht wurden. Ich persönlich hätte lieber mehr davon gehabt als die ganze Lovestory mit Emily Browning. Dafür hat mir der ganze Style der 60er überzeugt und Tom Hardy in seiner Doppelrolle war sehr überzeugend.

Es hatte ein paar sehr gute Szenen drin, aber wenn man ihn mit anderen Gangsterstreifen vergleicht ist Legend einfach nur Mittelmass.

ebe

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