Insurgent (2015)

Insurgent (2015)

Die Bestimmung - Insurgent
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  2. 119 Minuten

Filmkritik: Land of Confusion

Natürlich ist deine Frisur besser als seine!
Natürlich ist deine Frisur besser als seine! © Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Nach ihrem Kampf gegen Erudite befinden sich Tris (Shailene Woodley) und Four (Theo James) sowie Peter (Miles Teller), Tris' Bruder Caleb (Ansel Elgort) und Fours Vater Marcus Eaton (Ray Stevenson) auf der Flucht. Für eine kurze Zeit findet die kleine Gruppe Unterschlupf bei den friedliebenden Amity, die ausserhalb der Stadt Landwirtschaft betreiben. Lange währt die Ruhe aber nicht, denn die Erudite-Anführerin Jeannine Matthews (Kate Winslet) lässt ihre Schergen gnadenlos Jagd auf die Flüchtenden machen. Doch nicht nur auf Tris und Four hat sie es abgesehen: Jeannine lässt nach allen Unbestimmten suchen, da sie deren Fähigkeiten braucht, um eine mysteriöse Box zu öffnen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist sie zu allem bereit.

Run, boy, run!
Run, boy, run! © Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Um herauszufinden, was Jeannine geplant hat, kehren Tris und Four in die Stadt zurück, wo sie nach Verbündeten in anderen Fraktionen suchen. Tris muss viele Gefahren und Aufgaben überstehen, um hinter die Pläne von Erudite zu kommen und die Wahrheit über die Bedeutung der Unbestimmten in ihrer Welt zu erfahren.

Zog sich Tris Priors erstes Kinoabenteuer Divergent noch ziemlich in die Länge, bis endlich etwas Action aufkam, steigt die von Robert Schwentke (RED) inszenierte Fortsetzung gleich mit routinierter Action ein. Doch selbst der Reigen an oscarnominierten Darstellerinnen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Insurgent trotz der mit grosser Kelle angerührten Effektszenen nur mässig begeistern kann. Eine wenig sympathische Heldin wie auch die stets vorhersehbare Handlung machen das Ganze zu einer Auserwähltenstory von der Stange, die wenig Neugier auf die Fortsetzungen weckt.

Nachdem die Welt, das seltsame Kastensystem und die Figuren im ersten Film ausführlich vorgestellt wurden, setzen nun im zweiten Teil schon nach wenigen Filmminuten die ersten Verfolgungsjagden, Schiessereien und Prügelszenen ein, die auch allesamt ganz ordentlich umgesetzt wurden. Die Aneinanderreihung von Actionszenen wird jedoch bald mal repetitiv; spätestens wenn die Protagonisten von einer Fraktion zur anderen ziehen, ohne dass dies grössere Konsequenzen für die Handlung hat, wirkt das Ganze dann auch ziemlich ziellos.

Überhaupt scheint man bei der Umsetzung des Filmes kaum Interesse für die Handlung und die politischen Hintergründe der Ereignisse aufgebracht zu haben. Dies ist umso unverständlicher, da man mit Octavia Spencer (Anführerin der Amity), Naomi Watts (Anführerin der Fraktionslosen) und Kate Winslet gleich drei grosse Schauspielerinnen zur Verfügung gehabt hätte. Dieses Potenzial wird jedoch leider nicht ausgeschöpft. Während Watts ihren grossen Auftritt in den beiden Fortsetzungen haben dürfte und Spencer nur kurz vorkommt, hat man sich in erster Linie auf Winslet konzentriert. Anstatt aus ihr jedoch den kalten Bösewicht herauszukitzeln, muss sich die Oscarpreisträgerin mit einer abstrusen (in der Buchvorlage übrigens nicht enthaltenen) Mysterybox herumschlagen, welche - wer hätte es geahnt - nur von Tris geöffnet werden kann.

Spätestens hier verliert sich der Film in einer ganzen Reihe von wenig innovativen, wenn auch durchaus ansehnlich inszenierten Simulationen, welche die Psyche der Heldin ausleuchten. Man merkt, dass Insurgent gerne eine Art Mindfuck-Film wäre - dies gelingt jedoch nicht einmal im Ansatz, da das Ganze zu einfach gestrickt ist und man auch nie wirklich im Zweifel darüber ist, ob man in einer solchen Simulation ist. So bekommt man das Psychogramm einer ohnehin wenig sympathischen Hauptfigur zu sehen, das schlicht zu wenig Tiefgang bietet. Gerade wenn am Schluss auch noch Bilder gezeigt werden, die an Bibelepen erinnern, hätte man sich gewünscht, dass man die repressive Gesellschaft noch etwas deutlicher auf die Leinwand hätte bannen können.

Als kleiner Lichtblick in der Actionfilmroutine leuchtet übrigens Miles Teller auf. Der Whiplash-Darsteller spielt zwar den Kotzbrocken Peter nur in wenigen Szenen - diese gehören jedoch eindeutig zu den Highlights des Filmes.

Petra Schrackmann [pps]

Petra arbeitet seit 2007 für OutNow und haut auch für Lektorat und Listicles in die Tasten. Als Genrefan verbringt sie ihre Film- und Serienabende lieber mit Zombies, Hobbits oder RVAGs als mit Rom-Coms. Als Leseratte ist sie fasziniert von Comic- und Buchverfilmungen (sogar den schlechten!).

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Kommentare Total: 3

yan

Nur Miles Teller, der tolle Soundtrack und die anständig in Szene gesetzte Action retten Insurgent vom Totalausfall. Gehe mit der Kritik völlig einig.

db

Nach dem ersten Teil war eigentlich schon klar, dass Divergent kaum viel mehr als ein Trittbrettfahrer bei der neuen Teeniewelle ist, denn wäre Hunger Games nicht so erfolgreich gewesen, wäre Divergent auch nicht verfilmt worden.

Der zweite Teil der Saga zeigt deutlich auf, dass das ganze Szenario zu konstruiert und im Film viel zu wenig vertieft und deshalb kaum zugänglich ist. Darum bleibt die Story konfus und man findet kaum in den Film rein, da es schwer ist, sich für eine Seite zu entscheiden, wenn die Motive oder die Hintergründe kaum erklärt werden. Der Gipfel and der ganzen Sache ist zudem, dass plötzlich eine mysteriöse Box geöffnet werden muss ( welche notabene im Buch gar nicht existiert) was die ganze Handlung noch sinnloser macht. Das zeigt auch wieder, dass PG-13 erzählungstechnisch nur Steine in den Weg wirft, denn das öffnen der Box mit Hilfe von Simulationen wurde neu dazu geschrieben, macht null Sinn und wird primär als Krücke verwendet um Foltersequenzen im Buch zu umschiffen. Dafür gibt es einige nette, fürchterlich animierte Actionsequenzen und eine Auflösung welche lange nicht so stimmig ist wie im Buch.

Fazit: Insurgent hustet an allen Ecken und Kanten - eine äusserst schlechte Adaption des Buches, die meisten Schauspieler wurden zu stummen Statisten degradiert und die eigentlichen Hauptdarsteller können den Film mit ihren schleppenden Dialogen kaum tragen. Deshalb bleibt von dem auch nicht viel hängen als eine von vielen Endzeit-Teeny-Streifen, welche auf der Hunger Games Welle mitreiten wollten aber letztendlich nur Material auf mässigem Soap Niveau abgeliefert haben.

pps

Filmkritik: Land of Confusion

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