I Saw the Light (2015)

I Saw the Light (2015)

  1. , ,
  2. 123 Minuten

Filmkritik: When Ray Got on up and Walked the Line. Hard.

40th Toronto International Film Festival

Hank (Tom Hiddleston) ist 23, frisch verheiratet mit der hübschen Audrey (Elizabeth Olsen) und startet gerade so richtig durch als Country-&-Western-Singer/Songwriter. Doch während seine Band Hit um Hit produziert, kommt es immer mehr zum Konflikt zwischen der freigeistigen und energischen Audrey und seiner kontrollierenden Mutter, die bisher seine Musikkarriere managte. Auch Hanks Band hat Mühe mit Audrey, die selber musikalische Ambitionen hat und als Back-up-Sängerin heftig kritisiert wird. Sie stellt Hank so vor ein Dilemma: Steht er zu seiner Frau oder seiner Band?

Er beginnt schliesslich, ohne Audrey auf Tour zu gehen, wo er immer mehr den Gefallen an Frauen und Alkohol findet. Über die nächsten Jahre verschlechtert sich seine Gesundheit stetig. Nach jahrelangen Rückenproblemen wird er mit Spina bifida diagnostiziert. Er verfällt auch immer mehr dem Alkohol, und seine Frauengeschichten bringen seine Ehe zu Audrey zum Kriseln. Ob Hank seine Frau wieder für sich gewinnen kann?

I Saw the Light ist ein langweiliges Standard-Biopic, das zwar nach dem altbekannten Erfolgsschema von anderen Musikerporträts wie zum Beispiel Ray oder Walk The Line operiert, dieses aber leider blass und unoriginell umsetzt. Es vermag dem Zuschauer das Genie von Hank Williams nicht zu übermitteln. Zum Schluss weiss man mehr über seine Alkohol- und Eheprobleme Bescheid als über seinen Einfluss auf die Country-&-Western-Szene.

Mit I Saw The Light hat Regisseur Marc Abraham ein langweiliges Musikerporträt mit blassen Figuren erschaffen, welches das, was eigentlich die treibende Kraft des Filmes sein sollte - die Musik - stiefmütterlich aus dem Rampenlicht stösst und dafür Platz macht für eine Extraportion belangloses Ehegezanke und Alkoholmissbrauch.

Dabei geht der Film nach dem altbekannten Biopic-Schema vor: Ein talentierter junger Mensch versucht sich in der Musikbranche (oft wegen oder trotz eines Kindheitstraumas). Schon bald hat er erste Erfolge, heiratet sehr jung, beginnt (meist auf Tour) mit Suchtmitteln und Frauen zu experimentieren. Das führt zur Ehekrise oder sogar Scheidung und oft zu einer erneuten Heirat. Mit steigender Bekanntheit bahnen sich oft Probleme mit der Band an, die das Ego des Bandleaders nicht mehr ertragen können. Diese Elemente findet man auch in gelungenen Biopics wie Ray oder Walk The Line und weniger gelungenen wie Get On Up. Aber im Gegensatz zu I Saw The Light weisen obengenannte Werke immer auch eine charismatische, komplexe Hauptperson auf, mit der man mitfiebert und die einen klaren Bezug zur Musikszene hat, die sie mitgestaltet hat - was auch der Grund ist, weshalb man ihre Lebensgeschichte überhaupt verfilmte.

Der Film hat einen schwachen Trumpf: Tom Hiddleston. Der wandelbare Schauspieler tut hier sein Bestes, Hank Williams etwas Leben einzuhauchen, scheitert aber kläglich an einer völlig uncharismatischen Figur, der flachen Story und dem faden Drehbuch. Das können auch seine beeindruckenden Gesangeinlagen nicht wettmachen. Elizabeth Olsen geht es ähnlich. Hanks Ehefrau Audrey ist zwar die sympathischste Figur des Filmes, vermag das aber nie richtig zu vermitteln, weshalb sie immer wieder zu Hank zurückkehrt. Die beiden scheinen null Gefühle füreinander und null Chemie miteinander zu haben. Das eigentliche Problem hier ist, dass sich etwa die Hälfte der Spielzeit um die Liebesgeschichte der beiden dreht - eine Liebesgeschichte, die beim besten Willen nicht emotional mitzureissen vermag.

Daneben wird der Film mit einer Reihe ebenso blasser Nebenrollen ausgeschmückt, die den Film genauso wenig auflockern wie die spärlichen Musikeinlagen. So ist Hanks zweite Ehefrau Billie Jean (Ja. Einmal ist sie tatsächlich vor seiner Türe. Haha.) zwar hübsch anzusehen, verleiht aber der Story weder Pep noch emotionale Tiefe.

Der grösste Kritikpunkt ist aber nach wie vor, dass die Musik, die dem Film als roter Faden hätte dienen können/sollen/müssen, zur Nebensache verkümmert und so weniger wahrgenommen wird als der Score in anderen Spielfilmen. So weiss man zum Schluss, dass Hank unter Alkohol-und Rückenproblemen litt und Frauen gegenüber nicht gerade ein Gentleman war. Sein Einfluss auf die Country-&-Western-Szene bleibt aber gänzlich im Dunkeln.

/ crs

Trailer Englisch, 02:05