Hardcore Henry (2015)

Hardcore Henry (2015)

Hardcore
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  3. 90 Minuten

Filmkritik: Don't stop me now!

40th Toronto International Film Festival
Jetzt geht's den Nasenhaaren an den Kragen.
Jetzt geht's den Nasenhaaren an den Kragen. © Impuls Pictures AG

Als Henry die Augen öffnet, hat er keinen Plan, was genau mit ihm passiert ist. Er befindet sich in einem hellen Raum in einer Badewanne und hängt an USB-Kabeln, die direkt an seinem Körper angeschlossen sind. Ein Teil eines Armes und ein Bein fehlen ihm. Eine hübsche Blondine, die sich mit Estelle (Haley Bennett) vorstellt, bringt Licht ins Dunkel: Henry wurde zu einem Cyborg-Supersoldaten gemacht.

Viel Zeit für Reha bleibt Henry aber nicht. Der böse Akan (Danila Kozlovsky) erscheint auf der Bildfläche und tötet mit Telekinese und extremer Waffengewalt fast alle Anwesenden. Henry gelingt jedoch die Flucht, während Estelle in Akans Gefangenschaft gerät. Nun liegt es am Supersoldaten, sie zu retten. Hilfe erhält er dabei von dem schrägen Wissenschaftler Jimmy (Sharlto Copley), der ihm Zugang zu allerlei Waffen verschafft, die auffällig selten nachgeladen werden müssen. Möge die Jagd beginnen.

Adrenalinrausch gefällig? Der russische Actionfilm Hardcore ist komplett aus der Sicht des Protagonisten erzählt und erhält so in Verbindung mit der fast permanenten Ballerei eine ganz eigene Rasanz, die an eine Achterbahn erinnert. Die Wackelkamera könnte jedoch Übelkeit auslösen, und es empfiehlt sich auch wegen der Brutalität, einen starken Magen zu haben. Hat man den, erlebt man einen der crazyesten Actionfilme ever. Hardcore ist gaga... aber geil!

Holy f***ing shit! Hier kommt ein heftiger Actionfilm-Arschtritt von Produzent Timur Bekmambetov, Regisseur des im Vergleich lächerlich wirkenden Wanted. Hardcore ist eine irre Achterbahnfahrt, bei der man aufgrund der Wackelkamera zwar Augenkrebs bekommen könnte und auch der Griff zur Kotztüte sogar verständlich wäre. Aber gopfertamminamal ist dieses Adrenalin in Filmform geil.

Gedreht ist Hardcore komplett aus der Sicht des Protagonisten. "Point-of-View" (oder kurz: POV) wird das genannt, was sich vor allem bei Shooter-Games einer hohen Beliebtheit erfreut. Die Idee, einen ganzen Film so zu drehen, ist keineswegs neu. So drehte Alexandre Aja mit seinem "Maniac"-Remake schon einen effektiven POV-Schocker, in dem der Zuschauer alles durch die Sicht von Elijah Woods Frauenmörder sah. So unangenehm das auch war, es konnte nicht darauf vorbereiten, was der russische Regisseur Ilya Naishuller hier auf die Welt loslässt. Stellt euch die Rasanz, Schiesswütigkeit und Brutalität eines Shoot' em up vor und multipliziert das mal zehn.

Die Kameraführung ist jedoch sehr gewöhnungsbedürftig. Wer Hardcore im Kino schaut, sollte nicht unbedingt in den vordersten Reihen sitzen. Da könnte es einem schlecht werden. Das Bild wackelt ständig, da der Protagonist die ganze Zeit in Bewegung ist. Er rennt, fährt, schiesst, sticht und fliegt mehrmals durch die Lüfte. So toll die Action zwischendurch auch ist, vieles ist gar nicht wahrzunehmen aufgrund der Reizüberflutung und des Gewackels.

Der Film warnt von den Gewaltexzessen schon im Vorspann - eine James-Bond-Titelsequenz-Hommage mit Rockmusik. Doch da räkeln sich keine Girls. Da werden animierte Mansgöggel in jeder erdenklichen und manchmal auch unerdenklichen Weise umgenietet. Danach wird dies in Realfilmform umgesetzt. Für Zartbesaitete ist dies nichts. Das Ganze ist jedoch so comicartig umgesetzt, dass dem ersten Schrecken schnell mal Gelächter folgt. Etwas lachhaft ist leider auch der Bösewicht mit seinen Telekinesekräften. Da wäre ein weniger verrückter Einfall besser gewesen.

Hardcore ist überdeutlich ein Kind der B-Actionfilme aus den Achtzigern und Neunzigern. Die Männer ballern, was das Zeug hält, während die Frauen leicht bekleidet durch die Szenerie huschen und auch mal zu den Waffen greifen. Da darf natürlich auch ein quasselnder Sidekick nicht fehlen. Den hat das Werk auch nötig, da Protagonist Henry nicht sprechen kann. So taucht immer mal wieder Sharlto Copley in lustigen Verkleidungen auf, um zu erklären, wo, wann und wieso die nächsten Gegner warten. Dass Copleys Figur zudem alle fünf Minuten das Zeitliche segnet, bringt dem Film zusätzliche Lacher. Der Südafrikaner hatte zweifellos Freude an dieser Rolle.

Jetzt steht da so viel über Hardcore geschrieben, dabei sollte man über diesen Film nicht lesen, sondern ihn erleben. Ein komplett durchgeknallter Actionfilm, der sich keine Atempause gönnt, brutal und gleichzeitig witzig ist. Und dann ist sogar auch noch Queen mit "Don't stop me now" auf dem Soundtrack vertreten. Was will man mehr?!

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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Kommentare Total: 2

bloodout

Das sind Filme die Spass machen ,mir zumindest ECHT MOTHERF.........NG Cooler Streifen !!!
Habe ihn in der US -Fassung gesehen und bin Absolut Begeistert ! ! !
Der einzige Wehrmutstropfen ist das sich die Waffen selber Nachladen !
Doch wie immer ,war ich zurückhaltend in meiner Euphorie ,als HARDCORE angekündigt wurde,doch ,da ich ein Fan solcher Filme bin Empfehle ich allen Action Fans UNBEDINGT SCHAUEN ! ! !

crs

Filmkritik: Don't stop me now!

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