Une famille à louer (2015)

Une famille à louer (2015)

Familie zu vermieten
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  3. 97 Minuten

Filmkritik: Einmal Familie, bitte. Sofort. Und zum mitnehmen!

Komm zu Sugardaddy!
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Pierre-André (Benoît Poelvoorde), ein Mann in seinen Vierzigern, hat sich im Leben nur einem verschrieben: dem Reichtum. Zeit für das Gründen einer Familie blieb ihm nicht. Einsam und depressiv lebt er in einem grossen Haus, hat einen eigenen Butler und so viel Geld, dass er damit kaum etwas anzufangen weiss. Alles scheint geordnet und geplant zu sein in seinem Leben. Bis er eines Tages eine Berichterstattung im Fernsehen und so das erste Mal Violette (Virginie Efira) sieht: eine arbeitslose, alleinerziehende Mutter zweier Kinder von verschiedenen Vätern, welche im Supermarkt ein Hühnchen stiehlt, um über die Runden zu kommen.

Was für eine glückliche Familie!
Was für eine glückliche Familie!

Ihr Leben läuft alles andere als geordnet ab, Chaos pur (beim Stehlen setzt sie einen Wachmann ausser Gefecht) dominiert ihren Alltag. Als sie schlussendlich auch noch das Sorgerecht für die Kinder zu verlieren droht, gibt es nur noch eine Lösung: Sie muss wohl oder übel auf den seltsamen Wunsch von Pierre-André eingehen, der ihr ihre Schulden übernehmen und ihr ein monatliches Honorar bezahlen, im Gegenzug aber Viloettes Familie inklusive den Kindern Lucie (Pauline Serieys) und Auguste (Calixte Broisin-Doutaz) mieten will.

Eine einfach gestrickte, vorhersehbare Story, basierend auf einer sehr amüsanten Idee, zwei total verschiedene Kosmen zusammenzuführen - dies gelingt auch, gute Unterhaltung ist garantiert. Dass das Ende ziemlich genauso kommt, wie es erwartet werden darf, ist etwas schade, zumindest da hätte man sich etwas Abweichung vom Standardverlauf oder eine Wendung gewünscht. Dennoch: Schauspielerisch top, optisch ein Augenschmaus!

Objektiv gesehen: Welche Ansprüche stellen wir an eine Komödie? Sie muss witzig sein, genau. Und unterhaltsam. Auf gar keinen Fall hingegen langweilig oder zu tiefgründig. Und genau darin liegt oft das Problem: dass viele Komödien aus der grossen Filmschmiede in Amerika entweder nur noch peinlich sind, oder dann zu viel Inhalt transportieren möchten. Streichen wir Filme mit Fäkalhumor und den Witzen unter der Gürtellinie weg, bleiben von den in der neueren Zeit produzierten Komödien nicht mehr viele übrig. Umso schöner ist es, eine solche miterleben zu dürfen.

Dass Frankreich den Charme erfunden haben muss und liebenswerte Komödien hervorbringt, die mit schöner Situationskomik und immer auch einem Funken "Amour" geschmückt sind, dürfte auch ausserhalb der Landesgrenzen von bleu-blanc-rouge bemerkt worden sein. Und genau das gelingt diesem Werk des Regisseurs Jean-Pierre Améries auch auf Anhieb. Es braucht keine langes Einstimmen auf Charaktere und Handlung, sondern geht gleich zur Sache. Die Zuschauer wissen sofort, woran sie sind. Ganze 96 Minuten wird man perfekt unerhalten, zu keinem Zeitpunkt wird Une famille a louer schwerfällig oder langweilig, sondern bleibt stets leicht und erfrischend.

Die Story hätte wohl auf einem Bierdeckel Platz gefunden und ist ziemlich vorhersehbar und konstruiert, was aber niemals zu einem Problem wird, denn alleine schon die Idee, zwei so unterschiedliche Welten zusammenzuführen, die sich in vielen Punkten auf äusserst spektakuläre Weise ergänzen und unterschiedlicher nicht sein könnten, ist grandios. Durch die - zwar stereotypen, aber absolut überspitzten - Charaktere, entsteht eine Wärme und eine Herzlichkeit, die dahinschmelzen lässt. Sofort entwickeln sich Sympathien für beide Seiten: für die total überforderte, chaotische Familienmutter Violette, der - dauerpleite und auf ewigem Männerfang - alles zu entgleiten droht; ebenso für den kurligen Pierre-André (wer heisst denn schon Pierre-André?), der mit all seinem Geld, seiner Einsamkeit und Langeweile nichts mehr anzufangen weiss. Die beiden Charaktere werden denn auch hervorragend gespielt von Virginie Efira und Benoît Poelvoorde. Definitv auch nicht zu vernachlässigen ist die Leistung von Pauline Serieys, welche Violettes kritische Tochter Lucie grossartig darstellt.

Was das Cineasten-Herz aber zum Bersten brigen dürfte, sind die Kamerafahrten ganz zu Beginn, als sich Violette im Einkaufszentrum befindet und man nur ihre Beine und die kunterbunten, vorbeiziehenden Regale sieht. Farben spielen sowieso eine wichtige Rolle, symbolisieren das Grau des Betons von Pierre-Andrés Haus doch die Tristesse in seinem Leben, die knallig bunten Kleider Violettes deren Lebensfreude. Ein poppiger Soundtrack trägt seinen Teil dazu bei.

/ yab

Trailer Französisch, mit deutschen Untertitel, 01:46