The Expanse - Season 1 (2015)

The Expanse - Season 1 (2015 / Serie)

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  3. 60 Minuten

Serien-Review: Game of Thrones in Space

Sieht doch ganz ruhig aus...
Sieht doch ganz ruhig aus... © Studio / Produzent

Wir befinden uns im 23. Jahrhundert. Die Menschen haben das Sonnensystem besiedelt, und über die letzten 300 Jahre haben sich drei verschiedene Gruppierungen im System etabliert: auf den inneren Planeten das serbelnde Imperium der Erde, welches mit aller Kraft versucht, die Oberhand zu bewahren und von der UN kontrolliert wird, sowie die unabhängige Militärmacht auf dem Mars, die vereint dafür kämpft, den roten Planeten zu terraformen. Beide sind jedoch abhängig von den Ressourcen aus dem Asteoridengürtel, der sich in der Mitte des Sonnensystems befindet, wo die sogenannten Belters leben. Über Jahrzehnte haben sich die Spannungen zwischen den Inneren Planeten und dem Belt gesteigert, denn die Belters werden wie Sklaven behandelt und haben kaum Perspektiven, dass sich die Situation bessert.

... doch hinter dieser hellen Fasade...
... doch hinter dieser hellen Fasade... © Studio / Produzent

Ceres ist einer der Monde des Planeten Neptun und auch das Zentrum des Belts. Dort ist die Star Helix Security stationiert, für die auch Detektiv Joe Miller (Thomas Jane) arbeitet. Er ist schon lange in der Region tätig und hat sich so einige schlechte Angewohnheiten angeeignet. Er wird damit beauftragt, Julie Mao (Florence Faivre), die Tochter eines reichen Geschäftsmannes zu finden, welche sich mit einer der vielen rebellischen Belt-Gruppen eingelassen hat.

Während Miller dieser Spur nachgeht, verhört in New York die UN-Verantwortliche Chrisjen Avasarala (Shohreh Aghdashloo) einen gefangenen Belter der Outer Planets Alliance (OPA), der Stealth-Technologie geschmuggelt hat und versucht herauszufinden, woher diese kommt und was er damit will.

... warten Alpträume.
... warten Alpträume. © Studio / Produzent

Zur gleichen Zeit befindet sich der Eisschlepper Canterbury auf seinem Rückweg nach Ceres, als er einen Notruf des Frachters Scopuli erhält. Executive Officer Jim Holden (Steven Strait) erhält den Auftrag, eine Rettungsmission zu starten, und fliegt mit drei anderen los, um das Rätsel zu lösen. Sie finden das Schiff verlassen vor, doch gerade als sie die Rückreise antreten, erscheint ein unbekanntes Schiff, das die Canterbury mit einem Angriff zerstört und Holden gestrandet zurücklässt.

Dieser Angriff startet eine Kettenreaktion, welche das ganze Sonnensystem ins Chaos stürzt, denn selbst wenn alle Ereignisse zuerst völlig zufällig und isoliert erscheinen, sind doch alle miteinander verbunden und sind Teil einer schier unglaublichen Verschwörung...

The Expanse ist keine einfache Serie. Von der ersten Minute an wird man in eine grossartig ausgearbeitete und vielschichtige Welt geworfen, in der man sich erstmals orientieren und zurechtfinden muss. Erst über die Laufzeit werden die vielen Facetten der verschiedenen Rassen, Gruppierungen und Organisationen erkundet, was viele Perspektiven / Grautöne und Motivationen aufzeigt. Dies macht The Expanse zu einem grossartigen Auftakt in eine neue Space-Saga, bei der man selbst nach der ersten Staffel den Eindruck hat, dass man lediglich an der Oberfläche gekratzt hat.

The Expanse basiert auf der Buchserie mit dem gleichen Namen von den Autoren Daniel Abraham und Ty Franck. Das erkennt man auch in der Serie: Wir befinden uns nicht einem vage skizzierten Universum, das während der verschiedenen Episoden zusammengebastelt wird - es ist von der ersten Minute an ein erwachsenes und sehr detailliert ausgearbeitetes Universum, das wir nun erkunden dürfen. Dies ist auch der Grund, warum der Einstieg in die Serie nicht einfach fällt, denn man muss sich nicht nur mit den verschiedenen Handlungsorten vertraut machen, sondern sich auch mit einer neuen Sprache herumschlagen und die verschiedenen Organisationen sowie Gruppierungen kennenlernen.

The Expanse hat ein sehr klassisches Setup und erinnert irgendwie an Dune oder an das, was wir in Total Recall gesehen haben. Die reichen inneren Planeten (Erde / Mars) sind abhängig von dem Randplaneten, wo die Menschen wie Sklaven arbeiten müssen, und bei jedem Aufmucken wird ihnen die Luft und das Wasser abgedreht. Das ist sehr fruchtbarer Boden für Konflikte und Menschen, welche zwischen den Fronten ins Kreuzfeuer geraten. Kommen dann noch militante Organisationen hinzu, wie die Outer Planets Alliance (OPA), welche für die Unabhängigkeit und die Rechte der Minenarbeiter kämpft, hat man einen sehr explosiven Mix, der nur noch einen Zündfunken benötigt.

Von dem grossen Handlungsbogen her bleibt The Expanse eher auf der einfachen Seite - primär dreht es sich um die Aufklärung, was mit der Canterbury geschehen ist - doch dies ist nicht weiter tragisch, denn dieser Hook wird sehr gut genutzt, um das politische System der Erde zu erklären. Detektiv Miller zeigt die Perspektive, wie es den Menschen im Belt wirklich geht, Jim Holden wird zum Spielball von politischen Intrigen und gerät wie Miller zwischen die Fronten der verschiedenen Supermächte. So erhält man verschiedene Perspektiven auf das gleiche Problem, jeder hat seine eigenen Motive - welche in seinen Augen die richtigen sind - und deshalb hat man auch sehr viele Grautöne, was die Serie glaubwürdig macht.

Neben den vielen Grautönen in den Charakteren machen vor allem viele kleine Details die Serie glaubwürdig: Die Auswirkungen der Klimaerwärmung auf der Erde, wie die unterschiedlichen Gravitationen der Planeten verschiedene Kulturen geschaffen haben, und viele kleine Details (Dekontamination / Navigation der Raumschiffe / G-Belastungen etc.) welche sonst dezent ignoriert werden, geben der Serie einen realistischen Touch, den man sonst nur noch selten findet. Schauspielerisch bietet die Serie ausser einigen bekannten Gesichtern wie Thomas Jane oder Shohreh Aghdashloo primär Nobodys, was die Serie äusserst frisch macht; doch einige sind auch eher auf der etwas zu jungen Seite und müssen sich erst noch warmspielen.

/ db