Ex Machina (2015)

Ex Machina (2015)

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  2. 108 Minuten

Filmkritik: Like an ex machine

AVA = Alicia Vikander (is) awesome
AVA = Alicia Vikander (is) awesome

In einer nicht allzu weit entfernten Zukunft: Der junge Programmierer Caleb (Domhnall Gleeson) arbeitet für den Suchmaschinengiganten Blue Book und erhält durch den Gewinn in einem firmeninternen Wettbewerb die Chance, eine Woche mit dem CEO und Gründer von Blue Book, Nathan Garrick (Oscar Isaac), zu verbringen. Ein Privileg, denn nicht mal der Präsident kommt an den abgeschieden lebenden Nathan heran.

Are we human or are we dancer?
Are we human or are we dancer?

So wird Caleb nach einem mehrstündigen Helikopterflug im Nowhere abgesetzt und trifft auf dem Grundstück von Nathan einen lockereren Chef an, welcher aus einem ganz bestimmten Grund einen Mitarbeiter zu sich nach Hause einlud: Caleb soll den sogenannten Turing-Test durchführen. Nathan möchte herausfinden, ob sein entworfener weiblicher Roboter Ava (Alicia Vikander) ein menschliches Denkvermögen entwickelt hat. In Interviewsessions versucht Caleb herauszufinden, ob Ava wirklich Gefühle besitzt oder dies nur vorgibt. Doch als Ava Caleb rät, Nathan zu misstrauen, beginnt ein gefährliches Spiel.

Faszinierend, unheimlich, sexy, intelligent und spannend: Regiedebütant Alex Garland überzeugt mit einem Sci-Fi-Film, der nicht auf Actionelemente, sondern auf Thrill setzt. Diese Rechnung geht auch vollkommen auf, dank dem einen oder anderen Denkanstoss über künstliche Intelligenz und darüber, was es braucht, um menschlich zu sein. Alicia Vikander als weiblicher Roboter ist grossartig, wie auch ihre Co-Stars Domhnall Gleeson und Oscar Isaac. Ein überzeugendes Kammerspiel und einer DER Geheimtipps des Blockbuster-überladenden Kinojahres 2015.

Alex Garland hat sich seit dem Beginn des neuen Milleniums als einer der interessantesten Drehbuchautoren Europas etabliert. Er schrieb unter anderem die Vorlagen zu den Danny-Boyle-Filmen The Beach, 28 Days Later sowie Sunshine und schaffte es sogar, eine höchst unterhaltsame Adaption des Dredd-Comics zu verfassen. In seinem Regiedebüt Ex Machina gibt sich der Londoner nun jedoch weit weniger brachial als noch bei seiner letzten Schreibarbeit. Sein Sci-Fi-Thriller ist ein intelligent geschriebenes und inszeniertes Kammerspiel, welches mehrere Sichtungen braucht, um wirklich alles aufzuschnappen.

Doch dies bedeutet keinesfalls, dass nur Experten und Fans von Isaac Asimov und Philip K. Dick hier ihre Freude haben werden. Jawohl, es wird auch hier etwas philosophiert darüber, was es braucht, um als Mensch durchzugehen, doch dies ist nur eine Schicht. Primär hat Garland einen cleveren Thriller um eine Dreiecksbeziehung konstruiert - nur halt mit einem weiblichen Roboter als Teil dieser Gleichung.

Dieser Roboter wird von Alicia Vikander verkörpert, und die schwedische Schauspielerin ist in dieser Rolle schlichtweg eine Wucht. Ihr so zerbrechlich wirkender Blick lässt uns ganz einfach verstehen, warum der von Domhnall Gleeson gespielte Caleb schnell nicht mehr weiss, wo unten und oben ist und wem er trauen kann. Obwohl ihr Roboter keines besitzt, ist Vikander das Herz des Filmes. Gleeson als junger Programmierer ist ebenso perfekt gecastet wie sein Star Wars: Episode 7-Kumpel Oscar Isaac, den man mit Rauschebart so noch nicht gesehen hat und der beweist, dass er einer der wandelbarsten Schauspieler seiner Generation ist.

Ein weiterer Hauptdarsteller sind die vier Wände, in denen Ex Machina spielt. Nathans Komplex ist wunderschön und klaustrophobisch zugleich, so dass es dem Film auch mühelos gelingt, zwischen Bewunderung und Schrecken zu wechseln. Dieser Wechsel findet alles andere als ruckartig statt, sondern äusserst gemächlich, ohne jedoch an bedrohlicher Atmosphäre einzubüssen. Das Erzähltempo dürfte für das Actionpublikum definitiv zu langsam sein, auch wenn Garland versucht, die Zuschauer mit kleinen Hinweisen zu verwirren und so zu beschäftigen (Stichwort: Narben). Fans von sogenannten Slow-Burning-Thrillern werden aber umso mehr Freude haben, während Sci-Fi-Fans von Blade Runner und Co. den Film nach dem ersten und zweiten Schauen genüsslichst auseinandernehmen und diskutieren können. In einem Kinojahr, in dem vielerorts Androiden vorkommen (Avengers: Age of Ultron, Chappie, Star Wars) ist Ex Machina der heisseste Anwärter auf den Titel des spannendsten und intelligentesten Robofilms 2015.

/ crs

Kommentare Total: 4

philm

Bin voll La freccia blu's Meinung.

dufurkudu

Gutes Thema lausig verfilmt. Unplausibel von A bis Z: der Firmenchef lebt allein auf einem riesigen Areal: wer putzt seine riesige Villa? Wer kocht für ihn? Der nette Programmierer unterschreibt innert Sekunden einen absurden Vertrag, von dem er nicht mal eine Kopie verlangt. Zwei junge Männer verbringen eine Woche in einer Luxusvilla mit zwei sehr schönen Roboterinnen und Sex ist nur ein Fachthema? Jemand fügt sich einen langen tiefen Schnitt zu und die Wunde kommt dann einfach nicht mehr vor: er hat sie ohne Verbandskasten prima verpflegt? Auch sonst: was soll die Gegend für eine Rolle spielen? Der einzige Sturm kommt genau dann auf, wenn die 2 Männer streiten. "Spannende" Musik schaltet sich mitten in einer platten Szene ein, damit man ja merkt, dass noch etwas kommt.
(Zu) einfach gestrickter, sehr auf billige Effekte reduzierter Film.

lafrecciablu

Schauspielerisch auf hohem Niveau, stylish inszeniert. Der Roboter Ava hat mich echt fasziniert, haben sie toll hingekriegt. Inhaltlich nicht ganz so frisch. Man versucht, aktuell zu sein mit Einbeziehung von Online-Aktivitäten und Präferenzen wie z.B. Google (heisst hier dann einfach Blue Book)
Die klaustrophobische Stimmung im abgeschiedenen "Waldhaus" und die Sessions mit Ava schaffen es, die Grundspannung aufrechtzuerhalten. Zeitweise bricht sie zwar etwas ein und die Dialoge (mit dem Big Boss) sind nicht immer so prickelnd, wie sie sollten oder vorzugeben scheinen. Gegen Ende kommt dann Tempo rein und macht einen guten Abschluss. Ein paar Ungereimtheiten trüben leider den Gesamteindruck und hie und da hätte etwas mehr Schwung der Geschichte gutgetan. Mein Fazit: etwas prätentiöser Streifen, der mehr verspricht als er bietet.

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