Equals (2015)

Equals (2015)

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  2. 101 Minuten

Filmkritik: Ganz in weiss, und doch ein Sch...

72. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica 2014
Jetzt nur nicht kleckern!
Jetzt nur nicht kleckern! © Studio / Produzent

In einer unbestimmten Zukunft ist ein Grossteil der menschlichen Bevölkerung durch den "Grossen Krieg" ausgelöscht worden. Die Verbliebenen leben nun in absolutem Frieden in einer utopischen neuen Welt. Der Grund für diese Harmonie? Gefühle gibt es nicht mehr. So haben weder Zorn noch Mitleid, weder Freude noch Trauer einen Platz in der Gesellschaft. Doch langsam aber sicher entwickeln immer mehr Leute plötzlich Emotionen. Dieses Phänomen wird als SOS ("Switched On Syndrome") bezeichnet und als unheilbare Krankheit definiert. Das einzige Heilmittel ist der Tod.

Maschendrahtzaun
Maschendrahtzaun © Studio / Produzent

Der junge Grafiker Silas (Nicholas Hoult) verspürt eines Tages die ersten Anzeichen von SOS und sucht sofort einen Arzt auf, welcher ihm Medikamente verschreibt, die jedoch nur im Anfangsstadium der Krankheit wirksam sind. Doch als er bemerkt, dass seine hübsche Mitarbeiterin Nia (Kristen Stewart) ebenfalls mit dem Syndrom "befallen" ist, entdecken sie Gefühle füreinander.

Equals sieht zwar schön aus, hat aber inhaltlich nicht mehr zu bieten als ausgelutschte Science-Fiction-Klischees und Melodramatik. Hommage ist eine Sache, Ideenlosigkeit eine andere, und letzteres muss man Drehbuchautor Nathan Parker (Moon) leider vorwerfen. Ein bisschen Equilibrium hier, ein wenig The Island dort, ganz ganz viel THX 1138 obendrauf, und fertig ist die Utopie ab der Stange. Da können sich Darsteller und Regisseur noch so viel Mühe geben, Equals bleibt ein alter Hut. Ein hübscher Hut zwar, aber dennoch ein alter.

Mit Like Crazy schaffte der junge Regisseur Drake Doremus 2011 seinen Durchbruch. Auch sein neues Werk Equals erzählt die Geschichte einer jungen Liebe, die bereit ist, jedes Hindernis zu überwinden. Diesmal spielt die Geschichte in einem Science-Fiction-Setting und ist bei weitem nicht so bewegend. Die zwei Hauptdarsteller geben sich ihre liebe Mühe und haben es auch nicht leicht. Von der Emotionslosigkeit bis zum Nervenzusammenbruch meistern Nicolas Hoult und Kristen Stewart die Herausforderung voller Elan. Schade nur, dass das Skript bei weitem nicht so anspruchsvoll ist, wie es zu sein glaubt.

Das klinische Produktionsdesign und die sphärische Elektromusik kommen ebenfalls aus der Schublade "Alles schon gesehen" respektive "gehört", und von der weissen Apple-Store-Optik könnte man sich nun wirklich einmal endlich distanzieren, auch wenn Kameramann John Guleserian sie spannend in Szene setzt. Die Lichtgestaltung verblüfft zwischendurch sogar mit einer ungewohnten Farbpalette, die das monotone Weiss durchbricht. Ein cooles Konzept, welches man ruhig noch etwas drastischer hätte umsetzen können.

Ansonsten verärgert der Film schon fast, so schamlos plündert er die Geschichte des Sci-Fi-Filmes, ohne ihm etwas Neues hinzuzufügen. Der futuristische Jargon erinnert an Young-Adult-Verfilmungen und ist somit mehr peinlich als originell. Wenn das emotionale Ende dann doch funktioniert, haben wir dies lediglich der Chemie zwischen Stewart und Hoult zu verdanken, die den Film vor dem totalen Absturz bewahren.

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

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