The End of the Tour (2015)

The End of the Tour (2015)

  1. 106 Minuten

Filmkritik: Ein Interview in Spielfilmlänge

11. Zurich Film Festival 2015
Roadtriiip!
Roadtriiip! © Studio / Produzent

David Lipsky (Jesse Eisenberg) ist Journalist auf Probezeit beim Rolling Stone Magazine. Durch eine Freundin wird er auf den Schriftsteller David Foster Wallace (Jason Segel) und dessen kürzlich erschienenes Werk "Infinte Jest" aufmerksam. Da er von der Lektüre sofort in den Bann gezogen wird, beschliesst Lipsky, eine Story über seine neues Idol zu schreiben. Trotz anfänglicher Vorbehalte gibt der Chefredaktor (Ron Livingston) des Rolling Stone Magazine grünes Licht für den Artikel. Allerdings ist dieser mehr an einer Enthüllungsstory zum angeblichen Heroinkonsum des Autors interessiert als an einem differenzierten Porträt. David Foster Wallace zeigt sich ebenfalls neugierig und stimmt Lipskys Anfrage zu, ihn für die restlichen Tage auf seiner Lesertour begleiten zu dürfen.

Auf der Tour finden die beiden Autoren schnell einen Draht zueinander. Sie verlieren sich immer wieder in tiefgründige Gespräche über verschiedenste Themen. Dabei begegnen sie sich gegenseitig stets mit einer Mischung aus Bewunderung und Neid - ein Umstand, welcher Konfliktpotenzial birgt. Nichtsdestotrotz wird David Lipsky ein Jahr nach dieser Begegnung dieses Gespräch als das beste Gespräch, das er jemals geführt hat, beschreiben.

Das vielschichtige, an einer wahren, fünftägigen Begegnung angelehnte Drama überzeugt auf allen Ebenen. Jesse Eisenberg und Jason Segel spielen stark und lassen den Zuschauer am Innenleben zweier unterschiedlicher Autoren teilhaben. Das etwas schwierige Verhältnis zwischen beiden ermöglicht eine Reflexion über zentrale Fragen der modernen Gesellschaft.

Jason Segel ist den meisten Serienfans vor allem durch How I met your Mother bekannt, in welcher er den sympathischen Marshall verkörpert. In The End of the Tour beweist er, dass er auch abseits von Komödien überzeugen kann. Offensichtlich kommt ihm hier sein im Vergleich zur US-Serie stark verändertes Äusseres zugute. Dadurch kann sich auch der Zuschauer von Segels alter Rolle voll und ganz loslösen. Der Schauspieler überzeugt genauso wie der gewohnt souveräne und immer etwas zwielichtig wirkende Jesse Eisenberg.

Die Story von The End of the Tour, die auf wahren Ereignissen basiert, ist schnell erzählt. Ein Journalist begleitet einen Autor auf einer Lesetour. Die beiden fahren zu einer Lesung und treffen sich zwischendurch mit Julie (Mamie Gummer) und Betsy (Mickey Sumner), zwei alten Freundinnen des Autors. Der Rest der 106 Minuten ist eigentlich ein grosses Interview, verteilt auf fünf Tage. Was auf den ersten Blick langweilig erscheinen mag, entpuppt sich als fesselnde Charakterstudie über die beiden Namensvettern.

Dass der Film über die gesamte Laufzeit keine Längen aufweist, ist den tollen Dialogen, und damit dem Drehbuch von Donald Marguiles zu verdanken, welcher die Aufzeichnungen von David Lipsky optimal zu nutzen weiss. Der vom Theater kommende Drehbuchautor gibt den Protagonisten genügend Raum und Zeit, sich zu entfalten. Die immer nur beobachtende, nie kommentierende Inszenierung lässt viel Raum für eine eigene Auseinandersetzung mit den Themen Ruhm, dem Umgang mit selbigem, Ehrgeiz und den eigenen Zielen. Nur am Ende drückt der Regisseur doch noch ganz sanft auf die Tränendrüse.

/ asc

Kommentare Total: 3

asc

@ El Chupanebrey: Dazu habe ich leider noch keine Infos. Heute Abend um 18.15 wäre allerdings die letzte Vorstellung am ZFF wenn du Zeit hast ;-)

El Chupanebrey

Schweizer Start in Sicht?

asc

Filmkritik: Ein Interview in Spielfilmlänge

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Trailer Englisch, 02:29