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Worlds Apart - Enas Allos Kosmos (2015)

Worlds Apart - Enas Allos Kosmos (2015)

Oder: The Power of Love

Ich spür' dieses Kribbeln im Bauch

Ich spür' dieses Kribbeln im Bauch

Griechenland leidet immer noch wie kein anderes europäisches Land unter den Folgen der Weltwirtschaftskrise von 2008. Immense Kürzungen beim Staatshaushalt, ein niedriges Wirtschaftswachstum und eine hohe Staatsverschuldung haben Einfluss auf Politik und Gesellschaft. Nationalistische Parteien erstarken und eine steigende Selbstmordquote sind zwei Folgen der Krise. Als Aussengrenze der EU ist man zudem überfordert mit der Vielzahl der ankommenden Flüchtlinge.

Mitten in dieser Krise werden drei Geschichten erzählt über die universellste Sprache der Welt, die Liebe. Die Studentin Daphne (Niki Vakali) wird bei einem Überfall vom syrischen Flüchtling Farris (Tawfeek Barhom) gerettet. Der Abteilungsleiter Giorgos (Christoforos Papakaliatis) beginnt eine Affäre mit der schwedischen Businessfrau Elise (Andrea Osvárt). Die Hausfrau Maria (Maria Kavoyianni) lernt im Supermarkt den deutschen Rentner Sebastian (J.K. Simmons) kennen. Über allem steht die Erzählung von Eros und Psyche aus der griechischen Mythologie.


Film-Rating

Worlds Apart ist über weite Strecken ein guter Film. Die drei Episoden sind durch ihr gemeinsames Thema, die Liebe und den Mythos um Eros, sowie über den Erzähler verbunden. Die ernsten Probleme der Flüchtlingskrise gehen in die nicht weniger dramatischen Folgen der wirtschaftlichen Rationalisierung über. Besonders in der zweiten Episode überzeugen die Darsteller. Danach folgt allerdings eine zahnlose Liebeskomödie über alte Menschen. Die strotzt nicht nur voller Klischees, sondern endet mit einem erzählerischen Holzhammer, der die Erzählstruktur nachträglich beeinflusst.


Worlds Apart ist der zweite Spielfilm des griechischen Regisseurs Christoforos Papakaliatis. Neben Regie und Drehbuch übernimmt er auch noch selbst eine der Rollen. Es ist ein Drama, das die Probleme in seinem Land zeigt und zugleich einen Grund zur Hoffnung gibt; eher ein Anfang als eine Lösung der Krise.

In einer Episode bekommt eine Figur ein Buch geschenkt, das den Titel «Second Chance» trägt. Es ist nur ein Beispiel dafür, wie überdeutlich der Film seine Geschichte erzählt. Gleichzeitig spielt er auch mit Vorurteilen und Klischees. Natürlich wird der Deutsche in Athen auf den Zweiten Weltkrieg und Reparationsforderungen angesprochen - nur um dann darauf hinzuweisen, dass die Welt nicht schwarz oder weiss ist und nicht jede Angst begründet.

Sebastian erzählt dem Zuschauer die Geschichte von Eros, dem Gott der begehrlichen Liebe, aus dem Off. Die universelle Sprache der Liebe ist das verbindende Thema der Episoden, in denen kein Partner die Muttersprache des anderen spricht. Dazu sorgen noch die Altersunterschiede der Figuren für eine erzählerische Konstanz, jede Episode ist ein Generationensprung. Leider war diese durchdacht wirkende Struktur nicht genug für Papakaliatis. Man muss es anscheinend auch dem letzten Zuschauer erklären, was er hier sieht. Am Ende wird alles auserzählt, was die offenen Enden der ersten beiden Episoden zunichte macht. Insgesamt ist die dritte Geschichte um Sebastian auch am schwächsten. Dass Maria zu wenig Geld besitzt, um sich im Supermarkt Tomaten zu kaufen, kann kaum mit der existenziellen Dramatik der ersten beiden Episoden mithalten. Der Hollywoodstar J.K. Simmons wird hier für eine romantische Komödie verwendet, die dem klassischen Genreschema folgt.

Der Einsatz der Musik ist gelungen, auch wenn es stellenweise überdramatisch wirkt. Besonders die zweite Episode mit Papakaliatis selbst in der Rolle des depressiven Familienvaters überzeugt. Es wird deutlich gezeigt, welch immenser Druck auf ihm lastet und dass es keinen Platz für Schwäche gibt. Lediglich beim inneren Konflikt von Elise wäre noch Luft nach oben gewesen.

Worlds Apart wirkt wie ein ambitionierter Episodenfilm über die zahlreichen Probleme Griechenlands, ist aber am Ende zu konservativ und mehr Romanze als Drama.


OutNow.CH:

Bewertung: 3.0

 

18.10.2016 / sma

Community:

Bewertung: 4.0 (2 Bewertungen)

 

 

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