The Devil's Candy (2015)

The Devil's Candy (2015)

  1. 90 Minuten

Filmkritik: Highway to Hell

NIFFF 2016
Es ist ein Kreuz mit diesem Kreuz.
Es ist ein Kreuz mit diesem Kreuz. © Studio / Produzent

Der Metal-Fan und Kunstmaler Jesse (Ethan Embry) und seine Frau Astrid (Shiri Appleby) haben sich ein Häuschen in Texas gekauft, wo sie sich mit ihrer Teenie-Tochter Zodey (Kiara Glasco) niederlassen. Einziger kleiner Haken: In dem Häuschen ist vor Kurzem ein älteres Ehepaar verstorben: Sie ist die Treppe runtergestürzt und er hat sich darauf aus Kummer das Leben genommen. Passt schon, denkt sich Jesse, und Astrid findet die Vorstellung dieses gemeinsamen Todes sogar irgendwie romantisch.

Doch eines Nachts kriegt die Jungfamilie Besuch von Ray Smile (Pruitt Taylor Vince), einem verkniffenen, fettleibigen Mann, der behauptet, der Sohn des Ehepaares zu sein, das vorher hier gelebt hat. Jesse weist ihn ab, doch dieser lässt nicht von der Familie ab. Besonders Tochter Zodey scheint es ihm angetan zu haben. Derweilen gibt sich Jesse in der zum Atelier umgebauten Garage seiner Inspiration hin. Dabei fühlt er sich von einer düsteren Kraft ergriffen, die ihn in eine Art Trance versetzt, während er sein Bild auf die Leinwand bringt. Das Resultat ist beängstigend: Es zeigt seine Tochter in Todesangst schreiend, umgeben vom Höllenfeuer...

Wroooooooooooom! Wer harte Gitarrenklänge liebt, hat sicher schon mal Freude an The Devil's Candy. Untermalt von düster wummernden Riffs, baut der Film von Sean Byrne eine unheimliche Atmosphäre und eine knisternde Spannung auf, die sich dann gegen Ende allerdings nicht richtig entladen kann. Dennoch bleibt der Film kurzweilig und ist so sicher einer der lohnenswerteren Horrorfilme dieses Jahres.

Von Heavy Metal zum Okkultismus ist es inhaltlich nur ein Katzensprung. Kein Wunder, nutzen viele Horror-Regisseure den Musikstil zur effektvollen Untermalung ihrer Filme. Sean Byrne, Regisseur von The Loved Ones, geht noch einen Schritt weiter und bevölkert seinen Film mit Anhängern des brachialen Musikstils. Sowohl der Protagonist Jessie, dessen Tochter Zodey als auch der Antagonist Ray frönen gerne den harten Gitarrenklängen. Eine unheilvolle Death-Metal-Melodie dient zudem als Leitthema für die teuflische Kraft, von der die Protagonisten besessen werden.

Diese bedrohliche Atmosphäre ist ausgezeichnet in Szene gesetzt und verleiht dem Film eine düstere, unheimliche Aura. Leider wird daraus dann ein bisschen wenig gemacht. In der zweiten Filmhälfte ist die Handlung zunehmend abgehackt und gipfelt schliesslich in einem etwas lahmen Finale, das man aus zahlreichen Durchschnitts-Horrorfilmen kennt. So wird die am Anfang mit viel Genuss aufgebaute Stimmung und die eigentlich originelle Ausgangslage des Filmes ein wenig leichtfertig verschenkt, während die Gore-Fans möglicherweise ob des relativ sparsam eingesetzten Blutvergiessens ein wenig enttäuscht reagieren werden.

Dennoch kann Byrnes Film immer wieder in Einzelszenen punkten. Das ist auch Pruitt Taylor Vince zu verdanken: Nur schon mit seinem schmierigen Aussehen und seiner gewichtigen Präsenz sorgt der Typ im Trainingsanzug für ein latentes Unwohlsein seitens der Zuschauer immer, wenn er auftaucht. Eine perfekte Auswahl für das personifizierte Unheil, das über die Metal-Familie hereinbricht. Dort wiederum ist es vor allem die Vater-Tochter-Beziehung, die von Ethan Embry und Kiara Glasco glaubhaft wiedergegeben wird und im Mittelteil die dünne Story elegant überdeckt. Aber die Heavy-Metal-Musik hört man schliesslich - mit gewissen Ausnahmen! - auch nicht in erster Linie wegen der intellektuellen Texte.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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