Das Deckelbad (2015)

Das Deckelbad (2015)

  1. 90 Minuten

Filmkritik: Behördenwillkür leicht gemacht

© Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Aus finanzieller Not reist die österreichische Bergbäuerin Katharina Walser (Simona Specker) zum Servieren ins St. Galler Rheintal. Schon bald muss sie feststellen, dass die Dorfidylle trügerischer Natur ist. Die selbstbewusste junge Frau passt so gar nicht in die Vorstellungen des Dorfes von Anstand, Sitte und Moral. Als Katharina auch noch etwas mit dem verheirateten Wildhüter Tres Karrer (Gian Rupf) anfängt, werden die Ausgrenzungen immer unverblümter.

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Allem Widerstand trotzend, heiraten die beiden und führen zusammen mit ihren Kindern ein zurückgezogenes, ruhiges Leben. Doch als ihr Glück durch ein schicksalhaftes Ereignis jäh gestört wird, sehen die Dorfgemeinde und deren Vorsteher Lukas Gantenbein (Hans-Peter Ulli) ihre Chance gekommen, gegen die störende Familie vorzugehen.

Das Deckelbad - Die Geschichte der Katharina Walser nimmt sich eines wichtigen Themas der Schweizer Geschichte an. Herausgekommen ist ein atmosphärisch dichter Film, mit überzeugend agierenden Schauspielern, den es sich trotz seiner erzählerischen Schwächen lohnt anzuschauen.

Der Film nimmt sich eines dunklen Kapitels der Schweiz an, welches noch immer Aufarbeitung bedarf: Zwischen 1935 und 1981 sind in der Schweiz Tausende Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen geworden. Dass jemand nicht den damaligen Moralvorstellungen genügte, reichte vielen Behörden als Grund zum Eingreifen.

Der Spielfilm vom Ostschweizer Filmemacher Kuno Bont (Königstreffen) ist nicht biographisch, orientiert sich aber an einem authentischen Familienschicksal aus der Ostschweiz. Die Geschehnisse erstrecken sich über einen Zeitraum von rund 25 Jahren und zeigen ein Leben voller Schicksalsschläge, Beamtenwillkür und Leid, aber auch Freude und Liebe. Die Landschaft des St. Galler Rheintals mit seiner rohen Schönheit bildet die ideale Kulisse für die dramatische Geschichte der Katharina Walser. Untermalt durch den stimmungsvollen Soundtrack, der in Zusammenarbeit mit der Klangwelt Toggenburg entstanden ist, vermag der Film eine dichte Atmosphäre aufzubauen.

Die Herausforderung, ein Vierteljahrhundert zu einem rund 90-minütigen Spielfilm zu verdichten, gelingt Kuno Bont nicht immer optimal. Vielfach überhastet wird man durch die kapitelartig erzählte Geschichte gezogen. Die Entwicklung der Nebencharaktere bleibt dabei häufig auf der Strecke. So bleiben etwa Katharinas Kinder eindimensionale Figuren, zu denen der Zuschauer keinerlei Bindung aufbaut. Besonders in eigentlichen Schlüsselszenen - etwa dem Tod ihres ältesten Sohnes - fällt dies negativ auf. Das ist schade, verfügt Das Deckelbad - Die Geschichte der Katharina Walser doch über eine ausgesprochen gute Besetzung. Besonders Simona Specker ist in ihrer ersten Spielfilm-Hauptrolle eine Wucht. Sie vermittelt zugleich eine Stärke und eine Fragilität, welche Katharina Walser zu einer vielschichtigen Figur werden lassen.

Der erste Langzeitspielfilm von Kuno Bont leidet also vor allem unter seinen erzählerischen Schwächen. Dennoch vermag einen der Film über weite Strecken zu packen, was vor allem an der audiovisuellen Präsentation und den ausgezeichnet agierenden Darstellern liegt.

/ bra

Trailer Schweizerdeutsch, 01:01