Dark Places (2015)

Dark Places (2015)

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Filmkritik: Taschenlampe hilft

"Ich glaube, David Fincher kommt nicht mehr."
"Ich glaube, David Fincher kommt nicht mehr." © Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Libby Day (Sterling Jerins) war acht Jahre alt, als ihre Mutter (Christina Hendricks) und ihre zwei Schwestern brutal ermordet wurden. Für die Tat verurteilt wurde ihr Bruder Ben (Tye Sheridan), der damals auch beschuldigt wurde, vier Mädchen sexuell belästigt zu haben. 28 Jahre später: Libby (Charlize Theron) schlägt sich durch, indem sie sich auf Spenden von Leuten verlässt, die ihr aufgrund der Vorkommnisse in ihrer Vergangenheit Geld schicken. Auch ein Buch über ihr Leben brachte in letzter Zeit etwas Knete ein, doch diese Geldquellen scheinen zu versiegen.

"What a lovely day, i guess...?"
"What a lovely day, i guess...?" © Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Da kommt es gerade Recht, dass der schräge Lyle Wirth (Nicholas Hoult) sie aufsucht und sie gegen Geld als Gast in einen sogenannten "Kill Club" einladen möchte. Die Mitglieder dieses Clubs sind fasziniert von brutalen Verbrechen. Ein Teil von ihnen konzentriert sich auch darauf, Verbrechen neuaufzurollen und die gefällten Urteile zu hinterfragen. Vor allem der Mord an Libbys Familie wirft laut des Kill Clubs viele Fragen auf. Auch wenn sich Libby zuerst dagegen wehrt, willigt sie ein, ihren Bruder (Corey Stoll) im Gefängnis zu treffen und unschöne Erinnerungen hervorzuholen. Ist ihr Bruder etwa unschuldig?

Dark Places, die Verfilmung des Romans von Gillian Flynn (Gone Girl), ist ein lahmer Thriller, der nie richtig in Fahrt kommt, deshalb kaum Spannung aufbaut und am Ende mit der Auflösung enttäuscht. Ein Star-Cast um Charlize Theron müht sich bei einem Film ab, dessen emotionale Tiefschläge selten ernstgenommen werden können und deren Figuren wenig Anlass zum Mitfiebern geben. Eine Gurke.

Ein Film basierend auf einem Roman der gefeierten Gone Girl-Autorin Gillian Flynn, in dem unter anderem Charlize Theron, Chloë Grace Moretz, Christina Hendricks, Nicholas Hoult, Corey Stoll und Tye Sheridan mitspielen? Und so was erscheint bei uns direkt fürs Heimkino? Haben wir es hier etwa mit einer übersehenen Filmperle mit Traum-Cast à la Lucky Number Slevin zu tun, oder ist der Film einfach eine Gurke, die noch stillheimlich veröffentlicht werden musste? Tun wir es dem Film gleich und machen es nicht spannend: Es ist eine Gurke.

Der Franzose Gilles Paquet-Brenner inszenierte Dark Places zum einen als Misery-Porn, zum anderen als lahmen Thriller mit lachhafter Auflösung. Das Unrecht, das der Familie Day hier widerfährt, ist einfach unglaubwürdig und irgendwann des Schlimmen zu viel. Immer wenn man denkt, jetzt hat es die Familie wirklich hart getroffen, setzt der Film jeweils noch einen obendrauf. So darf der nichtsnutzige Vater zuerst die letzten Ersparnisse rauben und 28 Jahre später versuchen, seiner Tocher an die Wäsche zu gehen. So viel Unglück kann irgendwann nicht mehr ernstgenommen werden.

Da der Plot zudem zwischen zwei Zeitebenen hin- und herspringt, stellt sich selten sowas wie Spannung ein. Dem Film fehlt es schlichtweg an Zug und an einer interessanten Figur, der man gerne folgen würde. Therons Libby ist kein besonders sympathischer Charakter und so ist auch ihre Suche nach der Wahrheit alles andere als packend. Auch die Farbpalette, welche Paquet-Brenner und der sonst so überzeugende Kameramann Barry Ackroyd (The Hurt Locker, Captain Phillips) gewählt haben, ist alles andere als anmächelig. Klar, dies muss ein Thriller ja auch nicht unbedingt sein, aber Dark Places ist von den Bildern her so "dreckig", dass einem die Lust vergeht.

Das grösste Ärgernis ist dann jedoch die Auflösung, welche an Konstruiertheit schwer zu überbieten ist. Wenn die Figuren mal das Hirn eingeschaltet oder miteinander geredet hätten, wäre das Ganze ohnehin nicht passiert. So sind bei Dark Places letzten Endes dummen Leuten dumme Sachen widerfahren. Die Antwort, warum dies den Zuschauer kümmern sollte, mag der Film nie zufriedenstellend beantworten.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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