Couple in a Hole (2015)

Couple in a Hole (2015)

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  3. 105 Minuten

Filmkritik: Survival of the Sickest

11. Zurich Film Festival 2015
Powernap im Moosbett
Powernap im Moosbett © Studio / Produzent

John (Paul Higgins) und seine Frau Karen (Kate Dickie) haben bei einem Hausbrand nicht nur ihr Hab und Gut, sondern auch ihren einzigen Sohn verloren. Wie zwei Wilde leben sie fortan in einer Höhle im Wald, in der Nähe ihres alten Hauses. Während John durch den Wald streift und nach Nahrung sucht, sitzt Karen schwer traumatisiert in der Höhle und traut sich, wenn überhaupt, nur ein paar Meter aus dem Loch heraus.

Als Karen von einer giftigen Spinne gebissen wird, ist John gezwungen, eine Apotheke in der nahegelegenen Stadt zu besuchen. Er scheut den Kontakt mit anderen Menschen und versucht unentdeckt zu bleiben. Erfolglos. Der Bauer Andre (Jérôme Kircher) erkennt John sofort und bietet ihm an die Medikament zu besorgen. In den nächsten Tagen versucht Andre immer wieder mit John in Kontakt zu treten. Nach und nach wird aus der zufälligen Begegnung eine Freundschaft, die ein grauenhaftes Geheimnis mit sich bringt.

Mit seinem zweiten Werk Couple in a Hole führt uns Regisseur Tom Geens in das seltsame Leben eines traumatisierten Ehepaares, das sich in eine Höhle im Wald zurückgezogen hat. Was sich nach einem tief emotionalem Drama anhört, ist in Tat und Wahrheit mehr eine Art Spielerei. Geens künstlerischer Aspekt ist allgegenwertig und zu oft störend. Seine Darsteller überzeugen zwar, doch sein Mix aus diversen Genre-Elementen ist anstrengend diffus und gegen Ende kaum mehr auszuhalten.

Gleich noch einmal ein innovativer Filmtitel: Couple in a Hole erklärt in erster Linie die Prämisse dieser britisch-belgisch-französischen Koproduktion: ein Ehepaar, das sich in eine Höhle im Wald zurückgezogen hat. Zudem ist der Titel aber auch gleich Ausdruck für die emotionale Lage der beiden Protagonisten. Paul Higgins (Utopia) und Kate Dickie (Game of Thrones) spielen nämlich zwei traumatisierte Eltern, die gerade ihren einzigen Sohn verloren haben und förmlich in einem Loch sitzen. Regisseur Tom Geens, dessen Erstlingswerk Menteur bereits vor sechs Jahren erschien, hat sich für seinen zweiten Spielfilm Zeit gelassen. Mit Higgins und Dickie hat er zudem zwei vor allem aus dem Fernsehen bekannte Gesichter für sein merkwürdiges Drama verpflichten können.

Am ehesten dürfte man Couple in a Hole als Arthouse-Drama bezeichnen, doch auch das ist nur so halbwegs richtig. Geens mischt munter Komik, Horrorelemente und eine Portion Weirdness dazu, und so weiss man als Zuschauer nie genau, was einen erwartet. Dies sorgt einerseits für etwas Anspannung, doch mehrheitlich sucht man nach einem Zugang, der einfach nicht gewährt wird. Trotz ansprechendem Schauspiel der Hauptdarsteller sorgt das titelgebende Paar im Loch für wenig Tiefgang. Während er in bester Slapstickmanier durch den Wald pirscht, um Nahrung zu suchen, und dabei auf einen Dorfbewohner trifft, der ihm aus noch unerklärlichen Gründen unbedingt helfen will, sitzt sie in ihrer Höhle, seufzt, jammert, klagt und weint um ihren verstorbenen Sohn.

Kate Dickie macht ja schon rein äusserlich einen, vorsichtig ausgedrückt, etwas mitgenommenen Eindruck - etwas, das der Schauspielerin in dieser Rolle hätte zugute kommen müssen. Doch die Inszenierung ihres Traumas wirkt geradezu lächerlich. Wie in einem schlechten Exoristenfilm kauert die arme Frau wie besessen in ihrer Höhle, macht unnatürliche Bewegungen und seltsame Geräusche. Als Horrorelement gehen diese "creepy moments" vielleicht in Ordnung, in Couple in a Hole, der selber nicht so genau weiss, ob er er nun lustig, traurig, beängstigend oder einfach weird sein möchte, greift man sich nur ein weiteres Mal an den Kopf.

Tom Geens Traumabewältigung im Wald bekommt gegen Ende zwar etwas Luft und löst die einen oder anderen Emotionen aus, doch die schon fast beleidigende optische Ohrfeige zum Schluss, die irgendwie zu erwarten war, macht aus Couple in a Hole endgültig eine hoffnungslos künstlerisch-ambitionierte, aber missglückte Genre-Achterbahnfahrt.

Yannick Suter [yan]

Yannick arbeitet seit 2010 als Freelancer für OutNow. Sci-Fi-, Horror- und Mindfuck-Filme sind seine Favorites. Wenig anfangen kann er mit Kostümfilmen und allzu prätentiösen Arthouse-Produktionen. Wer aber etwas über äusserst verstörende Filme erfahren möchte, ist bei ihm an der richtigen Adresse.

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