Child 44 (2015)

Child 44 (2015)

Kind 44
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  3. 137 Minuten

Filmkritik: Nichts geschah am hellichten Tag

"Oh Nikita you will never know..."
"Oh Nikita you will never know..."

Er war der Soldat, der 1945 die sowjetische Fahne auf dem Reichstag hisste und dabei fotografisch verewigt wurde - das Foto ging um die Welt. Nun, acht Jahre später, ist Leo Demidov (Tom Hardy) ein staatstreuer und pflichtbewusster Fahnder bei der Geheimpolizei MGB, einer Vorgängerin des KGB. Als das Kind seines damaligen Kriegskameraden umgebracht wird, vertuscht er das Verbrechen im Auftrag seines Vorgesetzten Kuzmin (Vincent Cassel) - denn Mord ist etwas, das es in der Sowjetunion nicht geben darf.

"Ihre neue Mission: Töten Sie James Bond!"
"Ihre neue Mission: Töten Sie James Bond!"

Als jedoch Leo bei der Erfüllung eines Auftrages seinen brutalen Untergebenen Vasili (Joel Kinnaman) niederschlägt, gerät er selbst in die Zwickmühle. Kuzmin fordert von ihm den ultimativen Vertrauensbeweis: Leo soll seine eigene Frau Raisa (Noomi Rapace) denunzieren. Er weigert sich und wird deswegen in die Miliz in eine russische Industriestadt strafversetzt. Dort wird bald schon ein weiterer Junge umgebracht, die Handschrift des Mörders ist unverkennbar dieselbe. Leo macht sich auf eigene Faust an die Ermittlungen und kann den lokalen Befehlshaber General Mikhail Nesterov (Gary Oldman) überzeugen, ihn dabei zu unterstützen. Doch damit macht er sich in Moskau keine Freunde...

Trotz sorgfältiger Inszenierung fehlt dem Sowjetunion-Krimi von Daniel Espinosa der Schmiss. Zu eindimensional sind die Charaktere, zu verzwickt ist die Handlung, zu sentimental der Schluss. Die illustre Darstellerriege versucht sich gegenseitig darin zu überbieten, den glaubwürdigen Russen zu geben, doch letztendlich bleibt Child 44 ein steriles Hochglanz-Produkt; ein Film, der sich nie richtig entschliessen kann, ob er nun politisch relevant sein oder einfach unterhalten will.

Finster dreinblickende Russen sind seit jeher beliebte Film-Bösewichte. In Child 44 gibt's davon eine ganze Menge. Unter diesen bösen Kerlen erinnert sich dann plötzlich einer daran, dass er eigentlich ja ein Guter ist.

Inszeniert ist das alles wunderbar. Stimmige Kostüme und eine düstere Bildsprache lassen die Sowjetunion der Fünfzigerjahre aufleben. Fast möchte man sagen: Hach, die guten alten Zeiten. Wäre da nur nicht das totalitäre Regime, dessen brutale Willkür die Zivilbevölkerung in Angst und Schrecken versetzt. Doch in diesem Film wirken selbst die grässlichsten Schreckenstaten irgendwie ganz stylish. Es ist ein bisschen wie in einem Horrorfilm: Man schaut gerne zu, auch wenn man nicht mit den Protagonisten tauschen möchte.

Diese werden allesamt von Nicht-Russen verkörpert. Neben Briten (Tom Hardy, Gary Oldman), Schweden (Noomi Rapace, Joel Kinnaman), einem Franzosen (Vincent Cassel) und einem Australier (Jason Clarke) darf in einer Mini-Rolle auch die Schweizerin Ursina Lardi mittun. Sie alle machen eine durchaus gute Nase als Russen. Zumindest solange sie nicht reden. Denn ihr gurgelndes Russisch-Englisch senkt den Film auf das Niveau eines Book Thief, der ebenfalls versuchte, mit einem Pseudo-Akzent Authentizität vorzugaukeln und dabei glorios scheiterte.

Immerhin können die Charaktere einigermassen überzeugen. Am stärksten ist der Film von Daniel Espinosa in jenen Szenen, in denen er das komplizierte, von Angst und Misstrauen geprägte Verhältnis der Eheleute Leo und Raisa zeigt. Tom Hardy und Noomi Rapace zeigen hier eine ansprechende Leistung. Etwas flacher fallen da die restlichen Rollen aus. Der von Joel Kinnaman verkörperte Vasili wird gleich am Anfang als von Grund auf schlechter Mensch installiert, und auch Vincent Cassel spielt einen ziemlich eindimensionalen Betongrind. Etwas differenzierter fällt die Rolle von Gary Oldman aus, auch wenn er etwas gar schnell vom herrischen Provinzgeneral zu Leos treuem Sidekick konvertiert.

Vielleicht sollte man einfach die Erwartungen etwas tiefer setzen. Child 44 ist kein Spionagefilm, kein (Kalter-) Kriegsfilm, geschweige denn ein Politthriller. Es ist ein Krimi. Leider wird in diesen Krimi etwas viel Neben- und Subplot gestopft. Raisas Beziehung zu Vasili bleibt genauso schwammig umrissen wie die Motivation des Kindermörders. Wiedermal scheint eine Romanverfilmung (Pate stand das gleichnamige Buch von Tom Rob Smith) den Fehler gemacht zu haben, vor lauter Ambition die Filmhandlung mit Nebenplots zu überfrachten. So ist der Film mit 137 Minuten zwar überlang, dennoch ersaufen die diversen angerissenen Handlungsstränge am Ende im schicksalsschwangeren Gefühlszinnober.

/ ebe

Kommentare Total: 3

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Eher enttäuschend. Der Film hatte wirklich gute Voraussetzungen. Der Cast kann sich sehen lassen, die Atmosphäre ist sehr dicht und die eigentliche Story spannend. Aber ab ca. einer Stunde verliert der Film an Fahrt. Es werden zu viele verschiedene Handlungssträngen erzählt und der eigentliche Hauptplot mit dem Serienkiller gerät in den Hintergrund. Dieser wird zusätzlich noch recht billig aufgelöst.

Mehr als drei Sterne gibt es nicht!

Zeron

Heute in einer Gratis Preview gesehen und leider für langweilig befunden.
Ich habe das Buch nicht gelesen denke/hoffe aber mal das es spannender war.
Hat sich als Drehbuch für alle Beteiligten bestimmt total spannend und intensiv angehört.
Leider hat man den falschen Regisseur mit Job beauftragt.

Die schauspielerische Darstellung war Durchschnitt bis teilweise leicht angestrengt.
Die wenigen Action Sequenzen leider durch Close Ups und permanente Wackelkamera vollkommen unbrauchbar. Wofür gibt es eigentlich Steady Cams?
Richtige Spannung ist nie aufgekommen.Man konnte allerdings vereinzelt die allgegenwärtige Angst der Menschen im herrschenden politischen System verspüren.

Der eigentlich Fall des Serienkillers war irgendwie nur Nebensache und wurde nur unzureichend beleuchtet.Die Entwicklung zur Aufspürung des Täters ging nachher auch viel zu schnell von statten und war auch nicht besonders glaubhaft.

Kann man So. Abends im Free TV gucken wenn der Tatort nicht von Interesse sein sollte.
Zu mehr reicht es leider nicht.

ebe

Filmkritik: Nichts geschah am hellichten Tag

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