The Pearl Button - El botón de nácar (2015)

The Pearl Button - El botón de nácar (2015)

Der Perlmuttknopf
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  2. 82 Minuten

Filmkritik: Wasser erzählt eine Geschichte

Mondscheinsonate
Mondscheinsonate © Hugues Namur

Von einem im Quarz gefangenen Tropfen Wasser über weite Einstellungen des Weltalls hin zu wogenden Wellen des Meeres erzählt ein Sprecher aus dem Off (Patricio Guzman) zunächst von der existentiellen Wichtigkeit des Wassers. Anhand einer meterlangen Rolle Pappe, zurechtgeschnitten auf die Form Chiles, wird dem Zuschauer das Land mit seinen geographischen Formen erklärt.

Vom Leben gezeichnet
Vom Leben gezeichnet © Katell Djian

Anhand von Bildern und Gesprächen mit Ureinwohnern der Atacamawüste tief im Süden des Landes wird das Leben der einst ansässigen Wasserstämme erläutert. Nach und nach entwickeln sich weitere Erzählstränge des Films, die an kleinen Auslösern mit Wasserbezug festgemacht werden. Die Ureinwohner waren Wassernomaden, umfuhren mit ihren Kanus die unzähligen Inseln, Felsen und Fjorde. Verblichene Schwarzweiss-Fotografien erzählen die Geschichte dieses Volkes, das Ende des 19 Jahrhunderts von den Kolonisten auf brutalste Weise ausgerottet wurde. Nur zwanzig von einstmals 8'000 Ureinwohnern leben heute noch, drei von ihnen kommen im Film zu Wort.

El botón de nácar ist eine bildgewaltige Dokumentation und ein tiefer Einblick in ein trauriges Stück Geschichte. Mit einnehmender Stimme führt Patricio Guzmán selbst durch seinen Film, und wenn man sich gerade an der schönen Natur erfreut, wechselt der Ton des Films und man wird mit der harten Wahrheit konfrontiert.

Wasser ist Leben und alles um uns herum, die Erde, der Mensch, die Natur, sie bestehen zu grossen Teilen aus Wasser. Wasser beherrscht auch den Bildschirm, in Form fliessender Bäche, als Wassertropfen gefangen in einem mehr als 3000 Jahre alten Block aus Quarz, im Weltall oder im Meer, welches das Heimatland des Regisseurs Patricio Guzmán umgibt.

Die Dokumentation El botón de nácar des Exil-Chilenen ist jedoch mehr als ein blosser Vortrag über Wasser. Guzmán zeigt im ersten Drittel seines Films, wie wichtig Wasser zum Leben ist. Anhand eindrucksvoller Bilder von Wasser in jedem Aggregatszustand, seien es Regentropfen, Schneeflocken, Wassertropfen in Höhlen, Nebelschwaden oder das schlichte Wasser aus dem Hahn, versucht er die Grundlage seines Themas aufzubauen. Wenn das Wasser sprechen könnte, würde es von den vielen Toten erzählen können, die auf dem Meeresgrund liegen.

Patricio Guzmán nimmt sich in diesem wie auch bereits in seinem letztem Film Nostalgia de la Luz der Geschichte seines Landes an. Die verdrängte Geschichte Chiles und die Opfer durch Pinochets Putsch versucht er erneut ans Licht zu bringen. Er fahndet nach den Toten, nach verschwundenen Zeichen und nach Spuren von Leid und Tod. Das Wasser ist ihm dabei ein guter Helfer. Nach wunderschönen Naturaufnahmen beginnt er von der Vernichtung der Wasservölker zu sprechen, zeigt deren Leben und Rituale anhand von Schwarzweiss-Fotos und konnte sogar drei Überlebende der Stämme ausfindig machen. Sie geben in ihrer Sprache Einblicke in ihr früheres Leben.

Wo bleibt nun aber der Bezug zum Titel des Films, wo bleibt der Perlmuttknopf? Dem wird im Verlauf eine traurige Bedeutung zugeschrieben. Die englischen Eroberer köderten einst die Einheimischen mit den glänzenden, wertvoll erscheinenden Knöpfen. Einer der Indios, Jemmy Button, wurde in London zur Schau gestellt. Er wurde mit Knöpfen gekauft. Knöpfe finden sich aber auch in den Tiefen des Meeres, an einer verrosteten Eisenbahnschiene und als ein Zeichen für den Massenmord Pinochets. Über 1000 Leichen wurden einst von Hubschraubern aus über dem Meer abgeworfen, die Knöpfe das letzte Zeichen der Ermordeten. Enorm anschaulich rekonstruiert der Film damit das Verpacken der Leichen.

Julia Stache [jst]

Julia ist seit 2007 Freelancerin bei OutNow und kommt aus Berlin. Seit 2002 ist sie regelmässig bei der Berlinale dabei. In Jane-Austen-Filmen kann sie träumen und mitleiden. Sehr angetan haben es ihr Thriller, Christian Bale und James McAvoy.

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Kommentare Total: 2

Tigrillo

Dieser Film wird leicht unterschätzt. Er ist weniger ein klassischer Dokumentarfilm (über Natur), sondern eine spannende Erzählung über die Verbundenheit der Dinge - Meer, Gewalt, die Geschichte Chiles mit der Ausrottung seiner Indigenen und später der Regimegegner.

jst

Filmkritik: Wasser erzählt eine Geschichte

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Trailer Spanisch, mit deutschen und französischen Untertitel, 01:51