American Ultra (2015)

American Ultra (2015)

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  2. 96 Minuten

Filmkritik: The Stoner Identity

Niemand darf an meine TamTams!
Niemand darf an meine TamTams! © Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Der ständig bekiffte Mike (Jesse Eisenberg) arbeitet in einem Minimarkt irgendwo in der amerikanischen Pampa. Er hat mit Phoebe (Kristen Stewart) eine Freundin, die er verehrt und die er am liebsten heiraten möchte. Den Ring hat er schon mal gekauft und wartet jetzt nur noch auf den besten Zeitpunkt. Doch alle Hochzeitspläne werden zur Nebensache, als eine sonnenbrillentragende Frau eines Nachts in Mikes Minimarkt kommt und ihm eine Reihe Wörter aufsagt und danach den Laden wieder verlässt. Was Mike noch nicht weiss: Diese Wörter haben ihn "aktiviert".

"Entschuldigung, kennen sie den Weg zum Set von 'Independence Day 2'?"
"Entschuldigung, kennen sie den Weg zum Set von 'Independence Day 2'?" © Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Denn Mike ist ein von der CIA topausgebildeter Killer. Seine aktivierten Fähigkeiten kann er wenig später unter Beweis stellen, als zwei düstere Gestalten sich an seinem Auto zu schaffen machen. Mit der Hilfe eines Löffels tötet Mike die beiden Männer ohne Probleme. Er dreht daraufhin völlig ab und hat keinen Plan, was mit ihm während den Handgreiflichkeiten passiert ist. Zusammen mit Phoebe versucht er Antworten zu finden, während die CIA unter der Führung von Adrian Yates (Topher Grace) den beiden jede Menge neue Gegner auf den Hals schickt.

American Ultra bleibt leider die ganze Zeit über im Mittelmass stecken. Das Potenzial einer Story über einen Kiffer, der eigentlich ein Agent ist, wird viel zu selten für gute Gags genutzt. Zusätzlich setzen Regisseur Nima Nourizadeh und Drehbuchautor Max Landis zu sehr auf unnötig brutale Gewalt und eine Liebesgeschichte, die zwar schön geschrieben ist, aber dem Film immer wieder den Wind aus den Segeln nimmt.

Nachdem American Ultra in den USA am ersten Wochenende mit enttäuschenden 5.4 Millionen Dollar gestartet war, machte Drehbuchautor Max Landis auf Twitter seinem Ärger Luft. Er echauffierte sich vor allem darüber, dass mit Hitman: Agent 47 und Sinister 2 zwei Sequels vor seinem Film platziert waren, da die Leute keine "Original Ideas" mehr sehen möchten. Landis weist damit auf ein bekanntes Problem der heutigen Filmgängerkultur hin. Dabei klammert er natürlich aus, dass sein American Ultra jetzt auch nicht der Überfilm ist, den man gesehen haben muss.

"Jason Bourne als Kiffer" wäre eine passende Zusammenfassung dieses wilden Genre-Mixes, der Actionfilm, Stoner-Komödie und Lovestory in einem ist. Zu einem zufriedenstellenden Ganzen werden diese Teile aber nie. Immer wieder darf Jesse Eisenbergs Mike über den Heiratsantrag, den er seiner Freundin machen will, nachdenken. Eisenberg ist zwar liebenswert in diesen Szenen, doch der eigentlich rasante Film kommt da zum Stillstand. Geht der Protagonist dann in den "Killer Mode", ist die gezeigte Gewalt dann dermassen übertrieben brutal, dass man am liebsten Abstand von ihm nehmen möchte. Anstatt darüber zu lachen, wie der schlaksige Typ Gegner auseinandernimmt, ist man eher geschockt. Dies ist dann meist auch die Reaktion des Love-Interests des Filmes, gespielt von Kristen Stewart, die als "Hängerin" äusserst gut gefällt.

Auch hatten Landis und Regisseur Nima Nourizadeh offenbar das Gefühl, alles erklären zu müssen. So findet sich der Plot des Öfteren in den Mauern der CIA wieder, wo Topher Graces Bürogummi Scheisse gebaut hat und nun versucht, den Fehler zu korrigieren. Das bringt zwischendurch ein paar Lacher, aber aus dem Mittelmass befördert dies den Film auch nicht.

Einen gewissen Unterhaltungswert hat American Ultra schon, vor allem wenn der dauernd bekiffte Mike versucht, sich einen Reim auf den ganzen Wahnsinn zu machen. Nur wird man hier das Gefühl nicht los, das aus diesem Stoff (höhö) ein besserer Film hätte gemacht werden können.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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