Yasmine (2014)

Yasmine (2014)

Filmkritik: Karate Kid - the Brunei Edition

Fight! Fight! Fight!
Fight! Fight! Fight! © Studio / Produzent

Die 18-jährige Yasmine (Liyana Yus) fällt aus allen Wolken, als sie erfährt, dass sie nicht dasselbe College besuchen kann wie ihre besten Freunde. Weil sich ihr Vater die teure Schule mit seinem Lohn als Bibliothekar nicht leisten kann, muss sie eine staatliche Schule besuchen, die leider auch viel konservativer ist. Als ihr grosser Schwarm Adi auch noch einer Anderen schöne Augen macht, geht Yasmine in die Offensive: Sie beschliesst, die malaiische Kampfsportart Silat zu erlernen, um Adis Aufmerksamkeit zu gewinnen. Dafür will sie an einem Silatwettkampf teilnehmen und ihre Nebenbuhlerin schlagen.

Allerdings stehen die Zeichen gegen Yasmine, denn das Silat-Team ihrer Schule hat nur zwei weitere Mitglieder: den properen Ali und die übergewichtige Nadia. Ihr Trainer macht auch keinerlei Anstalten, ihnen etwas beizubringen, und Yasmines überführsorglichen Vater Fahri (Reza Rahadian) hält Silat sowieso für viel zu gefährlich. Yasmine hat jedoch der Ehrgeiz gepackt: Mit ihren neuen Freunde Ali und Nadia macht sie sich auf die Suche nach einem echten Silat-Meister - und bald schon ist sie zu allem bereit, um zu gewinnen.

Fast nach Lehrbuch hakt Yasmine die üblichen Punkte eines Sportfilmes ab. Sympathische Darsteller, sehr schöne Bilder und eine gekonnte Balance aus Spannung und Emotionalität machen das Ganze aber sehr wohl sehenswert. Freilich hätte man den Film etwas straffen können; jene Szenen im Mittelteil, in denen Yasmine ihre "böse Phase" durchmacht, wirken beispielsweise etwas gar lang. Gerade weil das dramatische Element gegen Ende aber effektiv umgesetzt wird und nicht ganz so vor Pathos trieft, wie es wohl bei einer US-Produktion geschehen wäre, ist der Film nicht nur für Kampfsportfans einen Blick wert.

Wirklich überraschend ist nur wenig im allerersten Actionfilm aus Brunei. Regisseurin Siti Kamluddin bedient sich üblicher Stilmittel und Handlungselemente, wie man sie international aus Sportfilmen kennt. Dies ist keineswegs als Kritik zu werten: Zwar dürften wohl die wenigsten Zuschauer daran zweifeln, dass das Ganze für die ehrgeizige Protagonistin ein gutes Ende nehmen wird; bei aller Vorhersehbarkeit ist der Film aber durchaus gekonnt inszeniert. In wunderschönen, idyllischen Bildern wird man durch das Sultanat Brunei geführt, die Kampfszenen sind spannend inszeniert, und auch auf emotionaler Ebene weiss Yasmine durchaus zu überzeugen.

Mit den fast durchgehend sehr gut aussehenden Darstellern, der familienfreundlichen Ausrichtung, einer effektvollen musikalischen Untermalung und der gefälligen Mischung aus Action, Teeniekomödie und Familiendrama fühlt man sich nicht selten an amerikanische Produktionen erinnert, die sonntagabends auf dem Disneychannel ausgestrahlt werden. Wo amerikanische Pendants aber wohl auf eine klassische Underdog-Story setzen würden, hat man hier den Mut, eine facettenreiche Hauptfigur auszuarbeiten. Die hübsche Yasmine kann in komödiantischen und emotionalen Szenen überzeugen und macht auch in den Kampfsequenzen eine gute Figur. Jedoch lässt sie auch immer wieder ziemlich unsympathische Charakterzüge aufblitzen. Bei den Darstellern bewies die Regisseurin ein gutes Händchen; Hauptdarstellerin Liyana Yu trägt den Film problemlos auf ihren Schultern und wird durch viele sympathische Mitakteure unterstützt.

Petra Schrackmann [pps]

Petra arbeitet seit 2007 für OutNow und haut auch für Lektorat und Listicles in die Tasten. Als Genrefan verbringt sie ihre Film- und Serienabende lieber mit Zombies, Hobbits oder RVAGs als mit Rom-Coms. Als Leseratte ist sie fasziniert von Comic- und Buchverfilmungen (sogar den schlechten!).

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