Winter's Tale (2014)

Winter's Tale (2014)

  1. , ,
  2. 118 Minuten

Filmkritik: Romeo und Julia für Anfänger

Ice, ice, baby
Ice, ice, baby © 2014 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Der junge Peter Lake (Colin Farrell) ist ein talentierter Einbrecher im New York des frühen 20. Jahrhunderts. Da er es sich mit seinem Vorgesetzten Pearly Soames (Russell Crowe) zünftig verdor­ben hat, muss er allerdings schleunigst aus der Stadt verschwinden. Um das nötige Kleingeld zu be­sorgen, begibt er sich auf einen letzten Raubzug. Als er in die vermeintlich leere Villa des Englän­ders Isaac Penn (William Hurt) einbricht, stösst er auf dessen älteste Tochter Beverly (Jessica Brown Findlay). Den englischen Höflichkeiten entsprechend, lädt diese Peter kurzerhand zum Tee ein. Dabei verlieben sich die zwei auf den ersten Blick ineinander, obwohl Beverly an Schwindsucht lei­det und nicht mehr lange zu leben hat.

Wollen wir nicht Hüte tauschen?
Wollen wir nicht Hüte tauschen? © 2014 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Als Beverly schliesslich zu ihrer Familie aufs Land aufbricht, wird sie von Soames abgefangen, der glaubt, so an Peter heranzukommen. Jedoch kann Peter sie im letzten Augenblick retten und bringt sie sicher zu ihrem Vater. Während die zwei Verliebten ihre kurze gemeinsame Zeit im grossen Landhaus der Penns verbringen, braut sich in der Stadt ein Sturm ganz anderer Art zusammen: Anscheinend ist Beverlys Krankheit nicht der einzige Stein im Weg der jungen Liebe. Ein eifriger Unter­tan Luzifers persönlich möchte auf jeden Fall verhindern, dass Peters Liebe zu Beverly sie unsterb­lich macht...

Gar nicht typisch für Akiva Goldsman hat er mit Winter's Tale die romantische Geschichte von Mark Helprin auf die Leinwand gebracht. Zwar holte er seine alten Bekannten Russell Crowe (Gladiator) und Will Smith (Bad Boys) dazu, doch mit seinen früheren Werken wie I am Legend oder A Beautiful Mind, in denen Goldsman als Autor tätig war, hat Winter's Tale ausser den Herren Crowe und Smith gar nichts gemeinsam.

Doch auch hier zeigt Goldsman, dass er einen guten Riecher hat, was die Schauspieler betrifft. Colin Farrell (In Bruges) gefällt (hoffentlich nicht nur den weiblichen Zuschauern) in der Rolle als leidenschaftlich verliebter Peter Lake sehr und zeigt einmal mehr, wie vielseitig er ist. Doch nicht nur der Ire, sondern auch die Engländerin Jessica Brown Findlay (Downton Abbey) spielt ihren Part äusserst sympathisch. Sie steckt mit der Lebensfreude, welche ihr Charakter Beverly versprüht, nicht nur die Filmfiguren an. Dank der stimmigen Chemie zwischen Farrell und Findlay zweifelt der Zuschauer keine Sekunde an der Liebe zwischen den Protagonisten. Über Russell Crowe muss gar nicht viel gesagt werden. Der beweist ein weiteres Mal, dass er als Bösewicht ebenso genial ist wie in jeder anderen Rolle. An seine Glanzleistung in Les Misérables kommt er allerdings bei weitem nicht heran. Und zu guter Letzt noch eine Bemerkung zu Will Smith: Danke, dass du als Luzifer wenigstens fünf Minuten Witz in die Geschichte gebracht hast!

Apropos Witz: Dieser kommt leider viel zu kurz. Schon klar, die Geschichte gibt an sich nicht viel Lustiges her, aber hier und da eine paar auflockernde Sprüche hätten dem Ganzen etwas Schwere nehmen können. Dafür wurde mit Kitsch nicht gespart. Etwas kitschige Romantik ist ja schön und gut, aber ein Schutzengel in Form eines Pferdes mit rosa glitzernden Flügeln? Also bitte! Ohne die­sen übertriebenen Kitsch hätten wir mit Winter's Tale einen der wenigen Liebesfilme, die die Sehnsucht wecken, seinen eigenen einzig wahren Seelenverwandten zu finden.

Schliesslich ist die ganze zweite Hälfte des Filmes überflüssig. Es scheint, als ob die Filmemacher all ihre Kreativität in die Liebesgeschichte von Peter und Beverly gesteckt und ab der Mitte ihr ganzes Pulver verschossen hätten. Da kann der Schnügel Colin so viele Hundeblicke in die Kamera werfen, wie er will, die letzten 30 bis 60 Minuten sind nur noch langweilig.

Fazit: Winter's Tale ist eine wirklich schöne romantische Liebesgeschichte, der man zwar die vielen kitschigen Ausrutscher verzeiht, aber der leider bereits in der Hälfte die Luft ausgeht. Sollte dem Kinogänger das Geld nicht zu schade sein, sei ihm geraten, nach ungefähr einer Stunde nach Hause zu ge­hen und dort seiner wahren Liebe nachzuträumen.

Diana Rolny [dro]

Diana arbeitet seit 2013 als Freelancerin bei OutNow. Sie liebt Dokumentationen wie «The Life of Brian» und Wanderfilme aus Mittelerde. Zu schwarzhumorigen Komödien geniesst sie gerne einen Martini Dry, bei Sci-Fi einen Pangalactic Gargleblaster und bei sinnfreien Kunstfilmen einen Molotowcocktail.

  1. Artikel
  2. Profil