Whiplash (2014)

Whiplash (2014)

  1. 105 Minuten

Filmkritik: Zum Drauf- und Reinschlagen

Sadist at work
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Der junge Schlagzeuger Andrew (Miles Teller) ist Student an der renommierten Schaefer-Musikschule in New York. Dort unterrichtet der ebenso gefürchtete wie hochangesehene Dirigent Terrence Fletcher (J.K. Simmons). Viele wollen in seine Company und von dort aus dann die grossen Orchester dieser Welt erobern. Dies ist auch das Ziel von Andrew, und so verbringt er Stunden in einem kleinen Schulraum, um zu üben, bis die Finger bluten. Eines Abends hört Fletcher ihm beim Spielen zu und nimmt den jungen Mann nach einem Vorspielen in seine Gruppe auf.

Andrew scheint am Ziel seiner Träume zu sein. Doch dieses Gefühl der Zufriedenheit bleibt nicht lange. Fletcher schikaniert am liebsten seine Studenten bis zum Gehtnichtmehr, und auch Andrew muss in den Übungsstunden durch die Hölle gehen. Sein Traum, einer der ganz grossen Musiker zu werden, droht für immer zu platzen. Wird er dem Druck standhalten können oder unter Fletcher vollkommen zerbrechen?

Whiplash ist ein - sorry für das Wortspiel - brillant durchorchestriertes Psychoduell mit zwei sensationell aufspielenden Hauptdarstellern. Regisseur Damien Chazelle trifft fast alle Töne richtig (nochmals sorry) und hat mit seinem Zweitling somit einen mitreissenden Trip geschaffen, der nicht nur für Musikliebhaber aufregend ist.

Whiplash hat im Januar 2014 das Kunststück vollbracht, der Eröffnungsfilm am Sundance zu sein und zehn Tage später den Preis für den besten Film abzuräumen. Das Werk muss also mächtig Eindruck gemacht haben, sodass kein anderer Film ihn von der Spitze der Favoritenliste verdrängen konnte. Nach Ansicht ist auch klar warum. Damien Chazelles Zweitling ist ein emotional aufgeladenes psychologisches, und vor allem spannendes Musikerdrama, welches mehr mit Black Swan gemein hat als mit Drumline.

Macht euch keine Hoffnungen: Hier wird nicht im Geringsten mit einem Lächeln musiziert. Musikmachen wird zur ultimativen Machtdemonstration, und Dirigent Fletcher ist der Diktator, der mit für den Zuschauer manchmal lustigen, oft aber brutalharten Fluchtiraden seine Schüler plattmacht - ganz ähnlich wie R. Lee Ermey in Stanley Kubricks Full Metal Jacket. Eine richtig hassenswerte Figur, welche J.K. Simmons mit einer unglaublichen Energie spielt.

Ihm hinter den Trommeln ausgeliefert ist Miles Teller. Der zukünftige Mr. Fantastic zeigt vor seinem Blockbusterengagement nochmals, was für ein grosses Talent er ist. Teller, welcher 50 Prozent der Trommelarbeit selbst bewerkstelligt hat, reisst mit seinem Spiel völlig mit. Sein Andrew ist ein Getriebener, der nur einen Traum hat und dafür bereit ist, alles zu opfern - Gesundheit und Liebe inklusive. Das erinnert sehr an Natalie Portmans oscargekrönte Hauptrolle in Black Swan. Doch so wild wie bei Aronofsky wird es hier nie. Chazelle hat einen realistischen Ansatz zu den Themen Machtausnutzung und totaler Hingabe gewählt. Wenn man einen Vergleich braucht, könnte man sagen, dass Whiplash etwa das ist, was dabei herauskäme, wenn David Fincher einen Musikfilm drehen würde.

So mitreissend das Ganze ist - vor allem das Finale ist ganz grosses Kino -, gibt es auch Kritikpunkte. So wird Andrews Motivation, "einer der Besten zu sein" zu wenig gut beleuchtet. Bei einem Familienessen wird mal angedeutet, dass Andrew Respekt und Anerkennung sucht. Doch mehr als Andeutungen gibt es da nicht. Das ist vielleicht aber auch gut so. Mit Argumentationen wie "er spielt für seine Mutter", hätte sich Chazelle eh nur lächerlich gemacht. So ist der Fokus letzten Endes vollkommen auf dem Zweikampf zwischen Student und Lehrer, in dem Schweiss, Tränen und sogar Blut fliessen.

/ crs

Kommentare Total: 7

phoexeus

Starkes Duo Miles Teller und J.K. Simmons. Der Schluss ist mir ein bisschen zu mager ausgefallen. Sonst ein durch und durch guter Film.

andycolette

Super perfection bis zur totalen Erschöpfung J.K Simmons wahnsinn sein Wortschatz da muss man schmunzeln!!!!! Genialer Film!!!!!

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Einfach nur begeistert! Am Anfang tief einatmen und dann 105min lang eine fesselnde, intensive und spannnende Story erleben. Dazu erhält man noch eines der besten Psychoduells, die ich bisher in Filmen gesehen habe, zwischen J.K. Simmons und Miles Teller.

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