A Walk Among the Tombstones (2014)

A Walk Among the Tombstones (2014)

Ruhet in Frieden - A Walk among the Tombstones
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  2. 114 Minuten

Filmkritik: Gone Girls

"Nie mehr Selfies..."
"Nie mehr Selfies..." © Impuls Pictures AG

Der ehemalige Cop Matthew "Matt" Scudder (Liam Neeson) verdient sein Geld als Privatdetektiv ohne Lizenz. So übernimmt er jeweils Fälle von Leuten, die mit ihren Problemen nicht zur Polizei gehen können. So auch der Drogenschieber Kenny Kristo (Dan Stevens), dessen Frau entführt wurde, worauf er für deren Freilassung 400'000 Dollar bezahlen musste. Er übergab das Geld, bekam seine Liebste jedoch in vielen kleinen Stücken zurück. Scudder soll die Entführer nun finden, damit Kristo diese eigenhändig bestrafen kann.

"Ok, ich zahle ja schon!"
"Ok, ich zahle ja schon!" © Impuls Pictures AG

Scudder beginnt zu ermitteln und findet bei seinen Nachforschungen Verbindungen zu einem Mord an einer Agentin des Drogendezernates DEA. Dies ist auch der Zeitpunkt, als es gefährlich für den Schnüffler wird. Er wird von DEA-Agenten angehalten, und das Milieu, in dem Scudder ermittelt, zeigt immer mehr seine hässliche Seite. Als dann eine weitere Entführung stattfindet, ist es für den Privatdetektiv Zeit, den Entführern endgültig den Kampf anzusagen.

A Walk Among the Tombstones ist ein brutal-düsterer, in der zweiten Halbzeit packender Thriller mit einem starken Liam Neeson in der Hauptrolle. Der Film ist jedoch überdeutlich als erster Teil einer Reihe angelegt, weshalb einiges offen bleibt und einige Figuren hier etwas unnötig erscheinen. Akzeptiert man den Film jedoch als den Start einer Franchise, bietet er trotz ein paar fragwürdigen Regieentscheidungen im Soundtrack-Bereich und im Finale gute Unterhaltung.

Liam Neeson hat sich in den letzten sechs Jahren vom Mann mit den Oscar-Rollen zum Action-Jackson gewandelt. Seit Luc Besson 2008 die Idee hatte, den grossgewachsenen Iren in Taken als Ein-Mann-Armee auf die Entführer seiner Filmtochter loszulassen, ist Neeson fast nur noch in solchen Rollen zu sehen. Die Leute scheinen diese Seite des Schauspielers zu mögen. Verständlich, dass A Walk Among the Tombstones deshalb im Vorfeld mehrheitlich als "der neue Actioner mit Liam Neeson" wahrgenommen wurde. Doch dies stimmt so nicht. Der Film basiert auf der gleichnamigen Novelle von Lawrence Block, dessen Matthew Scudder in 18 Büchern vorkam, und mit dem Hollywood nun da eine neue Reihe starten möchte. Obwohl man dies dem Film zwischendurch anmerkt, ist Regisseur und Drehbuchautor Scott Frank trotzdem ein stimmungsvoller und atmosphärischer Thriller gelungen.

Der erste Leinwandauftritt des Matthew Scudder ist dies jedoch nicht. 1986 gab Jeff Bridges schon mal den Privatdetektiv ohne Lizenz in dem vergessen gegangenen 8 Million Ways to Die. A Walk Among the Tombstones ist somit ein Reboot. Die Figur und sein Umfeld sollen neu etabliert werden. Hierzu kommt der Film aber erst in der Hälfte. Zuvor wird der Fall in die Gänge gebracht, den man interessiert verfolgt, doch man möchte währenddessen etwas mehr über Scudder erfahren. Wer ist dieser Kerl genau? Zu Beginn schauen wir eigentlich einem so typisch gewordenen Neeson-Charakter zu, der unaufhaltsam und ohne Probleme sein Ziel zu erreichen scheint. Spannend ist diese Detektivstory dann nicht wirklich.

Doch dies ändert sich zum Glück, als wir mehr über Scudder erfahren. Einmal mehr erweist sich Neeson als perfekte Wahl für einen gebrochenen Helden, den er schon in The Grey und auch in dem diesjährigen Non-Stop porträtierte. Der Film nimmt dann nach einer weiteren Entführung Tempo auf und ist kurz vor Schluss sogar richtig packend. Obwohl sich Regisseur Frank immer mal wieder im Ton vergreift - wie bei der Musikwahl in einer gewissen Szene oder der Involvierung des 12-Punkte-Programms der Anonymen Alkoholiker während des Finales - bleibt der Film trotzdem in der Spur.

Stören dürfte jedoch einige, dass der Film nicht alle Fragen beantwortet und Figuren einführt, die für den Streifen hier nicht richtig relevant sind. Sinn wird dies wahrscheinlich erst in weiteren Verfilmungen der Scudder-Bücher geben. Ein "Will Return", wie das jeweils bei James Bond im Abspann steht, bleibt zwar aus, aber zu wünschen ist es. Dieser Start ist nämlich gelungen.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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Kommentare Total: 4

woc

Ich finde es toll, dass Liam Neeson hier zwar immer noch hart durchgreift, aber etwas sachlicher. Das macht seinen Charakter viel interessanter. Die Story hat was vom Film Noir - bedächtig schreitet die figurenfokussierte Story voran. Hat mich wirklich positiv überrascht.

Ghost_Dog

Guter FIlm, leider merkt man ihm zeitweise etwas an, dass da mehr wäre zu erzählen, aber das wird dann nicht gemacht. Da es sich um eine potenzielle Reihe handelt, kann man das nachvollziehen. Die Stimmung ist beklemmend und Neeson halt einfach der Hammer.

crs

Filmkritik: Gone Girls

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