The Voices (2014)

The Voices (2014)

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  3. 107 Minuten

Filmkritik: Gutes aus dem Kühlschrank

Er arbeitet gerne mit dem Kopf
Er arbeitet gerne mit dem Kopf © Studio / Produzent

Jerry (Ryan Reynolds) hat einen neuen Job und ist von seinem Chef ins Komitee für die Firmenfeier beordert worden. Dort lernt er die reizende Fiona (Gemma Arterton) kennen und verliebt sich sogleich in sie. Doch Jerry hat ein klitzekleines Problem: Zu Hause warten sein Hund Bosco und seine Katze Mr. Whiskers, und diese sprechen zu ihm. Ok, das heisst, sie sprechen nicht direkt, sondern es handelt sich um Stimmen in seinem Kopf, die er auf seine Haustiere projiziert. Und die Stimmen flüstern ihm allerlei ein. Vor allem die Katze übt mit ihrer zynischen Weltanschauung einen negativen Einfluss auf seine fragile Persönlichkeit aus. Mit Hilfe seiner Psychiaterin (Jacki Weaver) versucht Jerry, seiner schizophrenen Neigungen Herr zu werden.

Miau oder Wau - das ist hier die Frage.
Miau oder Wau - das ist hier die Frage. © Studio / Produzent

Das erste Date mit Fiona verläuft aber dennoch ein wenig anders, als er sich das vorgestellt hat - ein Andenken davon bewahrt er bei sich zu Hause im Kühlschrank auf. Ermuntert von seiner Katze, trifft er sich schliesslich auch auf ein Date mit Fionas niedlicher Bürokollegin Lisa (Anna Kendrick), die schon länger ein Auge auf ihn geworfen hat. Es läuft alles vielversprechend, bis Lisa zu einem Überraschungsbesuch an Jerrys Türglocke klingelt.

Marjane Satrapis Debüt auf Englisch ist ein ziemlich abgefahrener WTF-Film, dessen makabere Szenen sicherlich nicht jedermanns Sache sind. Einige Passagen sind dermassen geschmacklus und makaber, dass man nur ungläubig darüber lachen kann. Toll ist Hauptdarsteller Ryan Reynolds als ganz normaler Wahnsinniger wie Du und Ich. Allerdings wirkt der Film gerade dadurch, dass er so schräg sein will, leider auch ein ganz klein wenig bemüht. Daher ist er leider - Achtung, Kalaueralarm! - nicht immer ganz stimmig.

Um es gleich klarzustellen: Ja, The Voices ist ein Film, in dem sprechende Tiere vorkommen. Und nein, der Film ist definitiv nichts für die lieben Kleinen, denn die sprechenden Tiere sagen Dinge, die man dem Nachwuchs lieber vorenthalten möchte.

Nach den Vorgängern Persepolis und Poulet aux Prunes waren die Erwartungen an die iranisch-französische Regisseurin für ihren ersten englischsprachigen - und starbesetzten - Film schon ziemlich hoch. Und diesen Erwartungen kann der Film leider nur teilweise genügen. Gut, The Voices, den Satrapi wie schon ihren letzten Film La Bande des Jotas ohne ihren früheren Regiepartner Vincent Paronnaud realisiert hat, bietet einige Szenen, die wirklich zum Schreien komisch sind. Zumindest, wenn man ein gewisses Flair für sehr, sehr schwarzen und makaberen Humor mitbringt. Wenn man dies nicht tut, wird man den Film ohnehin von Beginn weg hassen.

Doch auch in ersterem Falle kann er nicht über den grünen Klee gelobt werden. Dazu ist er ein bisschen zu sehr auf "WTF" getrimmt, ein bisschen zu betont geschmacklos-skurrill. Offensichtlich macht es Satrapi Freude, Stars vom Kaliber eines Ryan Reynolds, einer Gemma Arterton oder Anna Kendrick zu verbraten - im wahrsten Sinnne des Wortes. Denn was am Anfang ganz nett und ein bisschen belanglos beginnt, nimmt immer absurdere und blutigere Formen an. In der Hauptrolle glänzt Ryan Reynolds als romantischer Held der etwas anderen Art mit irrem Glitzern in den Augen. Natürlich ist auch er es, der seinen sprechenden Haustieren die Stimme leiht. Vor allem die Katze, die ihm teuflische Gedanken einflüstert, ist herrlich.

So weit, so gut - dennoch ist es irgendwann etwas "too much" des makaberen Treibens. Im letzten Drittel hat die Geschichte ein Niveau erreicht, bei dem man als Zuschauer nur noch den Kopf schüttelt. Noch einmal sei hier ausdrücklich darauf hingewiesen, dass empfindsame Gemüter eher einen Bogen um Satrapis Film machen sollten. Denn diese Horror-Psychokomödie ist definitiv nichts für feinsinnige Geister. Auch Fans von Satrapis erwähnten Vorgängerwerken könnten irritiert auf diesen doch eher seltsamen Film reagieren, ganz zu schweigen von schmachtenden Ryan-Reynolds-Verehrerinnen, die ihr Idol danach möglicherweise nicht mehr mit gleichen Augen sehen. Akzeptiert man aber diese Vorbehalte, ist The Voices zwar leider kein neues Meisterwerk, aber doch ein mörderisch komischer Filmspass.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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