To Mikro Psari (2014)

To Mikro Psari (2014)

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Filmkritik: ... zu Tode geredet

Abgedrückt
Abgedrückt © Falirohouse Productions

Stratos (Vangelis Mourikis) ist ein geschäftiger Mann. Am Tag ist er Auftragskiller, nachts arbeitet er in einer Teigwarenfabrik. Seine Aufträge erhält er von einem Mann (Yannis Anastasakis), den er den "Malermeister" nennt und der ihn gut für die schmutzige Arbeit bezahlt. Das Geld, das Stratos dabei verdient, gibt er Yorgos (Yannis Tsortekis). Dieser arbeitet an einem Plan, um seinen Bruder Leonadis (Alekos Pangalos) aus dem Gefängnis zu holen. Ein Tunnel soll gegraben werden, durch den sie den Kriminellen befreien wollen. Und so ein Tunnelbau ist teuer.

Der Malermeister klärt Stratos auf.
Der Malermeister klärt Stratos auf. © Falirohouse Productions

Stratos kennt Leonadis aus seiner Zeit im Gefängnis. Der Alte hat ihn damals vor einem Angriff einer feindlichen Gang geschützt und ihm damit das Leben gerettet. Seitdem steht Stratos in Leonadis‘ Schuld. Die Erfüllung dieser Schuld ist alles, was ihn nun antreibt. Derweil versucht der Gangsterboss Petropoulos (Yorgos Yannopoulos), den Auftragsmörder für seine eigenen Geschäfte abzuwerben. Stratos lehnt jedoch immer wieder dankend ab. So mordet er weiter, knetet Teig und wartet auf den Tag des grossen Ausbruchs.

To Mikro Psari ist der vierte Spielfilm des gebürtigen Zyprers Yannis Economides. In seinem in Griechenland angesiedelten Film noir steht die persönliche Entwicklung des Protagonisten Stratos im Fokus. Die Zuschauer betreten und verlassen jede Szene gemeinsam mit ihm. Was ausserhalb seiner Wahrnehmung geschieht, ist auch nicht für das Publikum sichtbar. Schauspieler Vangelis Mourikis ausgeprägtes Gesicht - mit weiten Tränensäcken unter den triefbraunen Augen - verleiht der Hauptfigur ihr trübsinniges Erscheinungsbild. Wenn Stratos dasitzt und ins Nichts blickt, füllt das Gefühl von Einsamkeit die Leinwand. Untermalt wird Stratos‘ Reise von vereinzelten elektronischen Gitarrenklängen.

Economides lässt sich viel Zeit für die Einführung in die Welt des Auftragskillers. Die Zuschauer müssen einen langen Atem beweisen, bevor die Story wirklich in Gang kommt. Lange Einstellungen und Gespräche bremsen das Tempo des Films. Jeder Dialog scheint sich endlos in die Länge zu ziehen. Dies liegt auch an der nervigen Eigenart der Charaktere, jeden Satz bis aufs Erbrechen zu wiederholen. Jede Aussage wird repetiert, leicht umformuliert, dann erneut wiederholt. Zuweilen wirkt es, als hätte Economides damit die Zeit füllen wollen, doch bei einer Laufzeit von 137 Minuten ist der Film mehr als lang genug. Auf diese Weise gelingt es To Mikro Psari in der ersten Hälfte nicht, eine Eigendynamik zu entwickeln. Erst in der Mitte des Films gewinnt die Geschichte an Fahrt und nimmt einen neuen, schnellen Rhythmus an. Die Gespräche sind weniger langgezogen und eine Handvoll unerwarteter Wendungen treiben den Film in eine neue Richtung. Diese Entwicklung kommt leider viel zu spät.

Insgesamt ist To Mikro Psari ein hartes Stück Arbeit. Durch die vielen sprachlichen, aber auch bildlichen Wiederholungen wird mit der Geduld der Zuschauer gespielt. Wenn der Film endlich dort ankommt, wo er das Publikum hinführen möchte, hat man mental bereits abgeschaltet.

Swantje Oppermann [swo]

Swantje ist seit 2013 Teil der OutNow-Crew. Zu ihren Lieblingen gehören «Jurassic Park», «When Harry Met Sally» und «Se7en». Bei «Titanic» muss sie noch heute heulen. Das Filmfestival Venedig liebt sie nicht nur wegen der Filme, sondern auch, weil dort der Aperol Spritz in rauen Mengen fliesst.

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