Supercondriaque (2014)

Super-Hypochonder

Supercondriaque (2014) Super-Hypochonder

Oder: Bazillen-Paranoia

Desinfektionsmittel... Sofort!

Desinfektionsmittel... Sofort!

Romain Faubert (Dany Boon) hat panische Angst vor Krankheiten! Der Hypochonder treibt sich selbst in den Wahnsinn, indem er sich in jeder Lebenssituation mit gemeingefährlichen Bazillen konfrontiert sieht. Doch nicht nur Romain allein hat unter seinem Krankheitswahn zu leiden. Seinen Arzt und Freund Dimitri (Kad Merad) besucht er aufgrund seiner Phobie regelmässig. Dimitri hat allmählich die Schnauze voll und sieht nur eine Lösung für den ewigen Single Romain... Er muss eine Frau fürs Leben finden, die ihn von seinem gravierenden Problem ablenkt. Romain trifft sich mit einigen Internetbekanntschaften, doch diese Versuche scheitern kläglich.

Anton Miroslav fürchtet sich vor nichts... Ausser klitzekleinen Bazillen!

Anton Miroslav fürchtet sich vor nichts... Ausser klitzekleinen Bazillen!

Eines Tages nimmt der Arzt ihn mit in ein Lager, in welchem Flüchtlinge aus Tscherkistan verpflegt werden. Durch einen grossen Zufall wird Romain dort mit dem soeben angereisten Revolutionsführer Anton Miroslav (Jean-Yves Berteloot) verwechselt. Ausgerechnet Dimitris Schwester Anne (Alice Pol), für die Miroslav den grössten Helden darstellt, nimmt ihn mit zu sich nach Hause, um ihm Schutz zu gewähren. Weil Romain grossen Gefallen an der hübschen Anne findet, erzählt er ihr nichts von der Verwechslung, sondern spielt weiterhin den Helden und muss dafür die gravierenden Konsequenzen tragen...


Film-Rating

Mit seinem Film Bienvenue chez les Ch'tis hat der französische Regisseur und Schauspieler Dany Boon vor ein paar Jahren einen beachtlichen Grosserfolg gelandet. Die Komödie behandelt auf charmante und humorvolle Weise das soziale Phänomen der Vorurteile, welche zwischen dem Norden und dem Süden Frankreichs vorherrschen.

Leider ist Boons neuster Streich Supercondriaque nicht annähernd so gut wie seine Ch'tis. Als erster Kritikpunkt ist der Aufbau der Handlung zu nennen. Während zu Beginn des Films Romains Phobie deutlich im Zentrum steht und als grosses Problem eingeführt wird, rückt sie in der zweiten Hälfte in den Hintergrund und geht fast vergessen. Stattdessen gewinnt die Verwechslung zwischen Romain und Anton Miroslav an Bedeutung. Dies macht vorerst auch Sinn, da die Beziehung zwischen Romain und Anne darauf aufbaut. Jedoch verstrickt sich die Handlung dadurch in völlig wirre Richtungen und resultiert schliesslich in einem überrissenen actionreichen Finale, welches so gar nicht in den bisherigen Filmverlauf passt.

Auch die schauspielerischen Leistungen lassen zu wünschen übrig. Dany Boon spielt den Hypochonder derart enthusiastisch und übertrieben, dass es teilweise sogar zum Fremdschämen statt zum Lachen anregt. Immer wieder kreischt er wie ein kleines Mädchen und zieht überdimensionale Grimassen. Und auch Kad Merad kann in seiner Rolle nicht wirklich überzeugen. Zwar liefert er ab und an einen amüsanten sarkastischen Spruch, aber seine Ausraster, welche aus Romains Verhalten resultieren, wirken völlig aufgesetzt und unangebracht. Dafür gelingt der hübschen Alice Pol ein sehenswerter Auftritt. Ihre Faszination für den Revolutionsführer Anton Miroslav bringt sie mit ihren Rehaugen und ihrem strahlenden Gesicht stark zum Ausdruck. Und auch Miroslav-Darsteller Berteloot macht in seiner Rolle eine gute Figur. Er wirkt in seinem Auftreten wie ein ruhiger Gegenpol zum ausgeflippten Schauspiel seiner männlichen Pendants und verleiht der ganzen Verwechslungsgeschichte wenigstens ein bisschen Authentizität.

Zu Gute halten muss man Dany Boon, dass die Grundidee seines Films eigentlich sehr innovativ und witzig scheint. Mit der permanenten Angst, die seine Figur ausstrahlt, übt er nicht zuletzt auch Kritik an der Gesellschaft und beweist ein hohes Mass an Selbstironie. Gemäss seinen eigenen Aussagen leidet er im wirklichen Leben tatsächlich an Hypochondrie. Leider geht er aber bei der Umsetzung zu weit und sprengt die Grenzen mit seinem übertriebenen Schauspiel und dem Einbezug des Actiongenres.

Fazit: Dany Boons neues Werk Supercondriaque kann leider nicht an die bisherigen Erfolge des Regisseurs anknüpfen. Trotz einer vielversprechenden Grundidee leidet seine Komödie unter dem Handlungsaufbau, überflüssigen Actionszenen und teilweise zu enthusiastischem Schauspiel der Darsteller. Immerhin bietet das gute Zusammenspiel zwischen Alice Pol und Dany Boon eine charmante Liebesbeziehung, welche einige der missglückten Aspekte wieder wettmacht.


OutNow.CH:

Bewertung: 2.5

 

28.03.2014 / gli

Community:

Bewertung: 3.5 (13 Bewertungen)

 

 

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