Stromberg - Der Film (2014)

Stromberg - Der Film (2014)

  1. 124 Minuten

Filmkritik: Büro ist Krieg!

"Ist es Otto?" "Nein!"
"Ist es Otto?" "Nein!" © Praesens Film

Die Capitol-Versicherung feiert ihr 50-jähriges Bestehen. Anlässlich dieses freudigen Ereignisses werden alle Mitarbeiter aus ganz Deutschland für eine Jubiläumsfeier in ein Landhotel eingeladen. So auf jeden Fall die Vorstellung der Chefetage. Doch Bernd Stromberg (Christoph Maria Herbst), Leiter der Schadensregulierung, will mal wieder den Chef raushängen und weigert sich, sich und seine Mitarbeiter für den Event anzumelden. Doch als Stromberg ausgerechnet von einem Bauarbeiter erfährt, dass seine Niederlassung geschlossen und allen Mitarbeitern gekündigt werden soll, überlegt er es sich nochmals anders.

"Who's your Papa?"
"Who's your Papa?" © Praesens Film

Dies tut er aber nicht etwa, um seinen Mitarbeitern einen letzten Spass auf Firmenkosten zu gönnen - die lässt er nämlich im Dunkeln über die bevorstehenden Kündigungen. Nein, Stromberg möchte bei der Feier den hohen Tieren zeigen, was er wirklich draufhat, sodass diese ihn dann für eine gutbezahlte Position im Hauptsitz vorschlagen. Nur dumm, dass sich der Mann mit der Halbglatze über die Jahre auf allen Geschäftsebenen schon einige Feinde gemacht hat und sein Mitarbeiter Ernie (Bjarne I. Mädel) ähnliche Ziele verfolgt. Doch so einfach gibt ein Stromberg nicht auf.

Fünf Staffeln lang schwabulierte Bernd Stromberg, Leiter der Abteilung Schadensregulierung der Capitol-Versicherung, durch die deutsche TV-Landschaft, was dem Sender Pro7 starke Quoten und den Machern viele deutsche Comedypreise bescherte. Doch wie auch die amerikanischen Kollegen trauten sich auch hier die Geldgeber nicht wirklich, diesen Erfolg zu nutzen, um den Sprung vom kleinen Bildschirm auf die grosse Leinwand zu wagen. So waren es letzten Endes die Fans, die dem "Papa" - so nennt sich die Hauptfigur oftmals selbst - mittels Crowdfunding den nötigen finanziellen Zustupf für die grosse Abschiedsshow im Kino gaben. Herausgekommen ist eine Bürosatire, deren Humor und Machart aber nur bedingt für zwei Stunden Spielfilm geeignet sind.

Der Zuschauer nimmt wie in der Serie, welche übrigens überdeutlich dem britischen Comedyhit The Office angelehnt ist, die Position eines Kameramanns ein, der die Geschehnisse einfängt. Die Protagonisten wenden sich auch mal direkt dem Aufnahmegerät zu, um Weisweiten wie "Eine Firma ist wie eine Ehefrau - die fickt dich, wenn du es am wenigsten erwartest" zum Besten zu geben. Diese semidokumentarische Art des Filmens hat jedoch etwas Ermüdendes, da sie keine grossen Sprünge zulässt und bei gewissen Einstellungen auch mal länger verharrt als eigentlich nötig. Ein hohes Tempo gibt Regisseur Arne Feldhusen so definitiv nicht vor.

Mit der Firmenfeier haben die Macher jedoch noch ein gutes Ass im Ärmel - zwei Stunden Büroalltag im Kino wären wirklich zu viel des Guten gewesen. Sind die Bürohengste mal nicht mehr in ihrem Hoheitsgebiet, kommt es zu allerlei komischen Missverständnissen, was meist in Fremdschämszenen endet. Das Highlight ist aber, wenn Stromberg die versammelte Belegschaft mit fiesen Videos und coolem Sound aus dem Koma weckt. Der Song "Lass das mal den Papa machen", welcher übrigens aus der Feder von Stefan Raab stammt, ist schwer hitverdächtig und dürfte zur Abwechslung mal nicht Kopfschütteln, sondern Kopfnicken im Kinosaal auslösen.

Doch die meisten kommen ohnehin wegen der fiesen Sprüche. Die besten haut natürlich die Hauptfigur raus, welche von Christoph Maria Herbst wieder mit Leib und Seele verkörpert wird. Da passiert es, dass Lacher auch mal im Halse stecken bleiben, weil sie so rassistisch oder sexistisch sind. Fans der Serie werden wissen, was sie zu erwarten haben. Nichtkenner werden sich derweil in diesem Universum recht schnell zurechtfinden. Vor allem den Bürolisten werden ein paar Situationen bekannt vorkommen. Darin liegt letztendlich auch der Reiz des Filmes. Selber möchte man sowas nicht erleben, darüber lachen macht aber ungemein Spass.

Fazit: Mit Stromberg - Der Film werden bei einer der erfolgreichsten deutschen TV-Serie der letzten Jahre die Lichter gelöscht. Es ist ein gesamthaft gesehen gelungener Abschluss, dessen steife und unbeholfene Inszenierung zwar zu den Protagonisten passen mag, auf die Dauer aber anstrengend sein kann. Fans von bösem Humor kommen aber definitiv auf ihre Kosten und werden danach entweder dem Format nachtrauern oder es für sich entdecken.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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Kommentare Total: 2

Aglaia7

Ich habe die Serie nie gesehen, liess mich vom Film überraschen. Muss sagen habe schon lange nicht mehr so gelacht! Aber der Humor muss einem hald schon passen...

crs

Filmkritik: Büro ist Krieg!

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