Shana: The Wolf's Music (2014)

Shana: The Wolf's Music (2014)

Oder: Geigen gegen die Gram

Put your hands up in the air, put your hands up...

Put your hands up in the air, put your hands up...

Seit ihre Mutter vor zwei Jahren gestorben ist, hat sich die 12-jährige Shana (Sunshine O'Donovan) völlig in ihre eigene Welt zurückgezogen. Während ihr Vater (Marcel Shackely) seinen Kummer im Alkohol ertränkt, widmet Shana sich dem Geigenspiel, in dem sie ausserordentlich talentiert ist. Ausserdem schreibt sie liebevolle und traurige Briefe an ihre tote Mutter, die sie allesamt an einem grossen Baum aufhängt. Dieser Ahnenbaum ist ihr "Reich", ihr Rückzugsgebiet, das ihr Trost gibt.

Dä Zukkihund isch au mit vo dä Partie.

Dä Zukkihund isch au mit vo dä Partie.

Weder Shanas Vater noch ihre Kollegen noch ihre Lehrer finden Zugang zum verschlossenen Mädchen. Erst ihre neue Klassenlehrerin (Deliah Dick), die demselben Indianerstamm angehört, vermag ihr Vertrauen zu gewinnen. Ebenfalls eine begnadete Geigenspielerin, erkennt sie Shanas immenses Talent und überzeugt das Mädchen, sich an der Musikschule von Vancouver anzumelden. Doch Shanas unberechenbarer Vater macht ihr einen Strich durch die Rechnung. Sie flüchtet in den Wald, wo sie einem weissen Wolf begegnet und den Geist ihrer Mutter zu erkennen glaubt.


Film-Rating

Wo Federica de Cesco draufsteht, weiss man (oder frau), was drin ist: Jugendliteratur, die meist in fremden Kulturen spielt und mit ihren Protagonistinnen hauptsächlich junge Leserinnen anspricht. Auch wenn die Autorin mittlerweile auch Bücher für Erwachsene schreibt, so haftet der mittlerweile 76-Jährigen doch bis heute das Etikett "Königin der Mädchenliteratur" an. Bereits 2008 hat sich Regisseur Nino Jancuso in seiner Doku mit der Bestsellerautorin befasst. Da ist es nur folgerichtig, dass er nun mit einer de-Cesco-Buchverfilmung nachzieht.

Ihm war es dabei ein Anliegen, die Kultur des Indianderstammes, dem die Protagonistin angehört, adäquat wiederzugeben. Daher greift er nicht etwa auf bekannte Schauspieler zurück, sondern auf echte Angehörige dieses Stammes. Tatsächlich schafft er damit eine Authentizität, die vielen Hollywoodproduktionen abgeht. Er zeichnet ein glaubhaftes und differenziertes Bild und macht sich in einer Szene auch über das Klischeebild lustig, das viele Weisse von den Indianern haben.

Dass es nicht allzu authentisch wird, dafür sorgt dann freilich der esoterisch angehauchte Erzählstrang mit dem Wolf. Dieser ist Weichzeichner-Kino par excellence, das die Zielgruppe problemlos abholen, die übrigen Zuschauer aber eher die Augen rollen lassen dürfte. Das Tier, das dem Film seinen Namen gibt, ist ein Kuschel-Wolf, dessen Gefährlichkeit wohl angedeutet wird, der aber gleichwohl so wild ist wie eine schläfrige Hauskatze. Mamis sollten sich nicht wundern, wenn sich ihre Mädchen nach dem Film einen Wolf als Haustier wünschen.

Ansonsten ist Shana: The Wolf's Music aber ein blitzsauber produzierter und zielgruppengerechter Genrefilm, der sich wenig zuschulden kommen lässt: Die Charaktere sind wohl hart an der Klischeegrenze, aber dennoch sorgfältig ausgearbeitet, und die junge Hauptdarstellerin Sunshine O'Donovan vermag den Film problemlos zu tragen. Ein besonderer Pluspunkt ist schliesslich die Geigenmusik, die mehrmals im Film performt wird. Diese vermag - im Unterschied zu einigen anderen Elementen - auch diejenigen Zuschauer mitzureissen, die dem Teeniealter entwachsen sind. Und die Männer.


OutNow.CH:

Bewertung: 3.5

 

26.01.2014 / ebe

Community:

Bewertung: 4.0 (3 Bewertungen)

 

 

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