The Salt of the Earth (2014)

The Salt of the Earth (2014)

Das Salz der Erde
  1. ,
  2. , ,
  3. 100 Minuten

Filmkritik: Vom Ökonom zum Kriegsberichterstatter

Sebastião Salgado in Aktion
Sebastião Salgado in Aktion

Eher zufällig entdeckt Sebastião Salgado 1973 die Fotografie, als er mit der Kamera seiner Frau Leila das erste Bild schiesst. Seine neue Leidenschaft verfolgend, gibt er seine Karriere in der Wirtschaft auf, um in die entlegensten Winkel der Welt zu reisen und Menschen in Krisen- und Elendsgebieten zu porträtieren. Die folgenden 40 Jahre seines Lebens widmet Salgado der Fotografie und geht dabei an seine eignen Grenzen.

In der ganzen Welt zuhause
In der ganzen Welt zuhause

Als Wim Wenders in den Achtzigerjahren in einer Galerie in Los Angeles Sebastião Salgados Bild einer blinden Tuareq-Frau entdeckt, beginnt er sich mit dessen Werk auseinanderzusetzen und ist sofort fasziniert. Gemeinsam mit dem Sohn des Fotografen, Juliano Ribeiro Salgado, widmet Wim Wenders dem Mann hinter der Kamera ein Porträt in Form eines Dokumentarfilms.

Wim Wenders' neuer Dokumentarfilm porträtiert einen aussergewöhnlichen Künstler auf berührende Art und Weise. Geschaffen hat er ein respektvolles, intensiv inszeniertes Werk, das in Cannes mit dem Preis in der Sektion "Un certain regard" ausgezeichnet wurde. Durch eine eindrucksvolle und einzigartige Technik bringt Wenders die Geschichten zu den Bildern auf die Leinwand und gewährt dem Publikum einen Einblick in die Welt des Fotografen.

The Salt of the Earth wurde in Cannes mit dem Preis in der Sektion "Un certain regard" ausgezeichnet und nach der Vorführung mit einer zehnminütigen Standing Ovation beehrt. Zurecht, denn Wim Wenders neuster Dokumentarfilm ist ein aussergewöhnliches Werk über einen grossen Künstler.

Noch immer müsse er jedes Mal weinen, wenn er es erblicke, sagt Wenders zu Beginn über jenes Bild der Tuareq-Frau, welches noch heute über seinem Büroschreibtisch hängt und den Ausschlag für den Film gab. Durch Salgados neuestes Projekt "Genesis" als Hommage an den Planeten Erde bot sich für Wim Wenders die Gelegenheit, zusammen mit Salgados Sohn Juliano den Fotografen bei seiner Arbeit zu begleiten. In diesem Zusammenhang wird dem Publikum auch ein zurückhaltender Einblick in die Vater-Sohn-Beziehung gewährt, welche durch die häufigen und langen Reisen des Vaters stark belastet war.

Der Mensch, das Salz der Erde, steht ganz im Zentrum von Salgados Bildern. Er hat es sich zum Ziel gemacht, den Porträtierten ein Stück ihrer Würde zurückzugeben, und kämpft um Menschlichkeit in unmenschlichen Umgebungen. Der Film führt von seinen ersten Projekten chronologisch bis zu seinem Einsatz in Ruanda, wo die traumatischen Erlebnisse ihn vorerst einen Schlussstrich unter seine Arbeit setzen lassen.

Wenders hat die Vermittlung der Geschichten zu den Bildern auf einzigartigem und beeindruckendem Weg umgesetzt. Salgado blickt in einem rundum abgedunkelten Raum auf einen Teleprompter und kommentiert seine Bilder, wobei er von der Kamera gefilmt wird. Dies hat den Effekt, dass sich der Fotograf in seinem Werk spiegelt und sozusagen mit ihm verschmilzt. Nach Aussagen von Sohn Juliano liess diese Technik den Fotografen viele Emotionen noch einmal durchleben, was im Film deutlich zu spüren ist. Nicht selten scheint Salgado mit der Fassung zu ringen, was angesichts der doch happigen Bilder sehr gut nachvollziehbar ist.

Wim Wenders' Film ist ein berührendes Porträt über den Mann hinter den Bildern, welches auf der Leinwand eine ungeheure Wucht entfaltet.

/ mim

Trailer Englisch, mit deutschen und französischen Untertitel, 01:50