La rançon de la gloire (2014)

La rançon de la gloire (2014)

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  3. 110 Minuten

Filmkritik: Alles geht schief

Ohni Znacht is Bett? Wirklich?
Ohni Znacht is Bett? Wirklich? © Studio / Produzent

Vevey, Ende der Siebziger. Als der Belgier Eddy (Benoit Poelvoorde) aus dem Gefängnis entlassen wird, bekommt er beim Algerier Osman (Roschdy Zem) Unterschlupf. Da Osmans Frau Noor (Nadine Labaki) gerade im Krankenhaus liegt, darf Eddie tagsüber auf Osmans schlaue Tochter Samira (Seli Gmach) aufpassen. Trotz Leben am Rande des Existenzminimums ist das Verhältnis herzlich. Eddy gibt Nachhilfeunterricht und lässt Samira seine Bücher lesen. Er besorgt eines Tages sogar einen Fernseher. Darüber erfahren sie vom Tode Charlie Chaplins. Und Eddy hat eine Idee.

Das das drüben ist Frankreich.
Das das drüben ist Frankreich. © Studio / Produzent

Die Kosten für die Operation seiner Frau machen dem unversicherten Osman Sorgen. Deshalb willigt er ein, als ihm Eddy vorschlägt, den Sarg von Charlie Chaplin zu klauen und damit Geld zu erpressen. Eine Million Schweizer Franken soll es sein. Doch Eddy und Osman haben die Rechnung ohne Chaplins Chauffeur Crooker (Peter Coyote) und die Waadtländer Polizei gemacht. Die Lösegeldforderungen aus öffentlichen Telefonzellen werden zum Desaster. Werden die stümperhaften Kleinganoven trotzdem zu ihrem Geld kommen?

Zum Glück hat Charlie Chaplin seinen Lebensabend am Genfer See verbracht. So bekommt die Schweiz quasi zufällig einen "Schweizer Film" geschenkt, ohne dass viele Schweizer vor oder hinter der Kamera agieren müssen. Der französische Regisseur Xavier Beauvois nimmt die wahre Geschichte von der Entführung des Leichnams des grossen Stummfilm-Meisters im Jahre 1978 als Grundlage für eine feinsinnige Komödie, welche ausgelassene Komik, zartbitteres Drama und eine Hommage an Chaplin ordentlich vereint - aber durch den etwas forcierten Genre-Mix nicht alle Publikumsinteressen gleichermassen befriedigen kann.

Mit Roschdy Zem (Hors la loi), Benoît Poelvoorde (Rien à déclarer) und Peter Coyote (Bitter Moon) bewegen sich in La Rançon de la Gloire gestandene Mimen des europäischen und US-Kinos in Schweizer Gefilden. Die Waadt wurde auf Siebzigerjahre getrimmt, und man sieht so viele Telefonzellen, wie man heute wohl in der gesamten Romandie nicht mehr findet. Sie sind wichtig für die Handlung, denn darin müssen die Lösegeldforderungen auf groteske Art immer wieder schiefgehen. Poelvoorde ist als scheiternder Verhandler am Hörer lustiger als im unmotivierten Subplot, wo er zum richtigen Zirkus-Clown wird. Zem ist hingegen der traurige Landstreicher, und somit die zweite Art Charakter, für die Chaplin weltberühmt wurde. Die Hommage an den "Tramp" bekommt das Gütesiegel für den ordentlichen Umgang mit dem Chaplin-Nachlass, indem mit Eugene und Dolores gleich zwei Nachfahren aus seinem grossen Clan im Film mittun.

Regisseur Beauvois, der nach dem doch eher stillen Mönch-Film Des Hommes et des Dieux seine erste Komödie dreht, kann sich natürlich nicht am Chaplin messen. Einerseits imitiert er Stummfilm-Szenarien, andererseits hat er mit dem Score von Altmeister Michel Legrand so bombastische Musik am Start, welche das bescheidene Leben der Protagonisten in gewissen Szenen regelrecht erdrückt. Was lustig sein könnte, wie das schlecht geplante Ausbuddeln und der chaotische Transport eines Sarges, ist es nicht wirklich. Emotionalen Szenen wie der Krankenhaus-Geschichte der Mutter fehlt die Tragik. Die kreative Ausschmückung der Geschichte (in Tat und Wahrheit waren es ein Pole und ein Bulgare, welche den Leichnam stibitzten) misslingt.

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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Trailer Französisch, mit deutschen Untertitel, 01:53