Maps to the Stars (2014)

Maps to the Stars (2014)

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  2. 111 Minuten

Filmkritik: Tote Hunde können nicht bellen

He's got the Look.
He's got the Look. © Pathé Films AG

Die neurotische Schauspielerin Havana Segrand (Julianne Moore) ist in ihren Vierzigern - und damit für Hollywood-Verhältnisse uralt. Jüngere Kolleginnen drohen ihr den Rang abzulaufen. Doch eines Tages bietet sich ihr die Chance, in einer angesagten neuen Produktion mitzuspielen - ausgerechnet den Part, den ihre verstorbene Mutter einst spielte. Diese erscheint ihr nun immer wieder als Vision. Da ist sie umso mehr auf die Unterstützung von Mentalcoach Dr. Stafford Weiss (John Cusack) und ihrer neu eingestellten persönlichen Assistentin Agatha (Mia Wasikowska) angewiesen.

Köpfchen!
Köpfchen! © Pathé Films AG

Was Havana zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiss: Agatha ist die schizophrene Tochter von Weiss. Vor sieben Jahren wurde sie in ein Heim verbannt, nachdem sie das Haus ihrer Familie niedergebrannt und ihren Bruder Benjie (Evan Bird) schwer verletzt hat. Dieser, mittlerweile 13-jährig, ist der umjubelte Star einer Teenieklamotte und wird ebenfalls von Visionen geplagt. Als seine Schwester mit ihm wieder in Kontakt tritt, gelangt ein gut gehütetes Geheimnis ihrer Eltern an die Oberfläche.

David Cronenbergs Film ist ein wenig wie die Katze, die sich selbst in den Schwanz beisst: Zwar tut er so, als ob er die Hollywood-Klischees aufs Korn nehmen würde, ist aber letztlich selbst ein Abklatsch seiner selbst. Als Satire auf die Hollywood-Glitzerwelt gibt der Film abgesehen von ein paar guten Gags zu wenig her. Ein reichlich unausgegorenes Stück Kino, wenn auch ganz unterhaltsam.

Das Gute zuerst: Maps to the stars ist süffig inszeniert und bietet einige Lacher; insbesondere die Parodie auf das Hollywood-Leben bringt den einen oder anderen gelungenen Gag. Der Film von David Cronenberg möchte allerdings wohl eine Satire sein, ist aber höchstens eine sarkastische Selbstbespiegelung in Form eines abstrusen Gruselfilmes. Als Zutaten werden unter anderem in den Topf geworfen: Geschwister, die heiraten und Kinder zeugen; tote Mütter und kranke Mädchen, die als Geist erscheinen und zu Mord und Totschlag anstiften; oder schizophrene Mädchen, die Häuser anzünden. Fast wie im richtigen Leben halt.

Hauptattraktion in der an Stars nicht armen Produktion ist sicherlich Julianne Moore, welche die schauspielende Psychotante Havana Segrand herrlich überspannt gibt. John Cusack hingegen schaltet in der Rolle als durchgeknallter Spiritualcoach auf Autopilot, während Teenieidol Robert Pattinson in einer reichlich überflüssigen Rolle als Chauffeur buchstäblich durch den Film cruist. Am ehesten noch darf Evan Bird als Entdeckung gefeiert werden in der Rolle des Neo-Teeniestars, dem der Erfolg etwas zu schnell in den Kopf gestiegen ist. Mia Wasikowska schliesslich konkurriert mit Cronenberg-Regular Sarah Gadon um den Preis der bizarrsten Rolle des Films.

Frohlocken dürften jedenfalls die Fans von David Cronenbergs frühen Filmen wie beispielsweise Videodrome: Waren seine beiden letzten Filme Cosmopolis und A Dangerous Method vergleichsweise konventionell, enthält Maps to the Stars wieder einen höheren Anteil der Weirdness aus seinen früheren Filmen. Allerdings, und das ist das grosse Problem des Filmes, scheint dieser seltsame Mix aus Gruselfilm, Thriller und Satire immer nur Selbstzweck zu sein, Cronenberg klopft sich hier sozusagen selbst auf die Schulter. Nach dem Motto: Schaut her, was für ein schräger Typ ich bin. Und das wirkt dann auf Dauer doch ein ganz klein wenig eitel.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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Kommentare Total: 2

woc

Ich finde es immer wieder unbeschreiblich cool, wie Cronenberg es schafft, aus all der Weirdness heraus seine Filme derart hypnotisch fabrizieren. Das ist mir schon Cosmopolis aufgefallen, der von vielen Seiten zerrissen wurde. Deshalb hat mich auch das Review zu Maps To The Stars nicht sonderlich überrascht 😄. Ich muss gestehen, dass ich ohne grosses Vorwissen in den Film gegangen bin. Und wow: So herrlich schräg und giftig hatte ich Cronenberg schon lange (eigentlich seit Crash) nicht mehr gesehen. All die Klischees, all die Weirdness, die ambivalenten oder teilweise plakativ hohlen Charaktere - all dies packt der Kanadier perfekt in Maps To The Stars rein. Ich habe mich göttlich amüsiert und keine Sekunde gelangweilt. Cronenberg ist für mich nie ein Garant für Qualität gewesen aber ich muss sagen, seine "neue" Art, Filme ans Publikum zu bringen, fasziniert mich. Ich fühle mich in das Jahr zurückversetzt, als ich Videodrome oder Crash zum ersten Mal gesehen habe. 😎

ebe

Filmkritik: Tote Hunde können nicht bellen

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