Manglehorn (2014)

Manglehorn (2014)

  1. 97 Minuten

Filmkritik: Der Schlüssel zu seinem Herzen?

Schlüssel nötig?
Schlüssel nötig? © Studio / Produzent

Seitdem der Schlosser Angelo Manglehorn (Al Pacino) vor 40 Jahren seine grosse Liebe Carla verloren hat, fristet er ein Leben in Einsamkeit. Regelmässig schreibt er seiner Verflossenen Briefe, die ungeöffnet zurückkommen. Unwillig, Carla zu vergessen und eine emotionale Bindung zu den Menschen um ihn herum aufzubauen, gleitet Manglehorn durch einen Alltag bestehend aus kleinen Aufträgen, Nachmittagen mit seiner Enkeltochter (Skylar Gasper) und Abenden vor dem Spielautomaten. Selbst die Beziehung zu seiner Katze ist inniger als die zu seinem Sohn (Chris Messina).

Als die Bankangestellte Dawn (Holly Hunter) Interesse an Manglehorn zeigt, weiss der alte Mann nicht, wie er damit umgehen soll. Manglehorn muss sich entscheiden, ob er bis zum Ende seines Lebens einsam bleiben möchte oder sich endlich öffnet.

Regisseur David Gordon Green erzählt mit Manglehorn die Geschichte eines Mannes, der sich selbst emotional ausgrenzt. Al Pacino haucht dem einsamen Schlosser genug Leben ein, um mit ihm mitfühlen zu können, und erstaunt mit seiner subtilen Performance. Auch Holly Hunter und Chris Messina sind die ideale Besetzung für die Rolle der seniblen Bankangestellten sowie dem enttäuschten Sohn. Leider dümpelt die Geschichte jedoch vor sich hin und endet mit einer zu dicken Schicht Symbolik.

2013 begeisterte Regisseur David Gordon Green die OutNow-Crew in Venedig mit seinem Drama Joe. 2014 ist er mit Manglehorn zurück am Lido und hat ein Schwergewicht im Gepäck. Keinen geringeren als Al Pacino konnte er für die Rolle des einsamen Schlossers gewinnen. Und auf Pacino ist Verlass. Er spielt seine Figur als verletzlichen, aber zugleich auch abweisenden Mann, dem man den Verlust seiner grossen Liebe jederzeit ansieht. Manglehorn haust in seinem zugemüllten Häuschen, als würde er gar nicht erwarten, dass ihn einmal jemand besuchen kommt. Und er legt auch keinen Wert auf den Kontakt nach aussen. Als er eines Tages an einer grossen Unfallstelle mit vielen Schwerverletzten vorbeikommt, spaziert er einfach daran vorbei, als würde er nichts bemerken.

Dem gegenüber steht die reizende Holly Hunter, deren Rehblick die Gutmütigkeit aber auch Verletzlichkeit Dawns preisgibt. Hunters Bankangestellte präsentiert sich den Zuschauern so liebenswert, man hat direkt Angst, dass Manglehorn ihr das Herz brechen wird. Es sind vor allem die Szenen zwischen Hunter und Pacino, die Manglehorn interessant machen. Jeden Freitag schlendert Manglehorn in die Bankfiliale und geht an Dawns Schalter. Dort tauschen sie sich über ihren Hund und seine Katze aus. Die Gespräche scheinen banal, aber sie haben etwas Vertrautes in der sonst so distanzierten Welt Manglehorns. Diese zeigt sich in der gestörten Beziehung zu seinem Sohn Jacob, der seinem Vater die gescheiterte Ehe mit seiner Mutter nicht verzeihen kann. Chris Messina spielt Jacob als ehrgeizigen Mann, der nicht die gleichen Fehler wie sein Vater machen will und sich dadurch von ihm entfremdet hat.

Die darstellerischen Leistungen können jedoch nicht über die sonst matte Geschichte hinwegtäuschen. Hat Regisseur Green noch mit Prince Avalanche bewiesen, dass man aus einer scheinbar banalen Geschichte einen guten Film machen kann, gelingt ihm dies mit Manglehorn nicht. Leider gibt es hier kaum erheiternde Momente für die Zuschauer, die den Ton des Films aufhellen könnten. Der Film versinkt fast gänzlich in Trostlosigkeit. Eine der wenigen einprägsamen Szenen spielt sich allerdings zwischen Manglehorn und seiner Enkeltochter ab. Dabei erklärt das Mädchen ihrem Grossvater, dass die Blätter im Herbst gelb werden, weil Feen diese einfärben, um sie schliesslich als Trampoline zu nutzen. In dieser Szene zeigt sich Manglehorn ungewohnt offen und ausgelassen. Die Fantasie eines Kindes ist eben unschlagbar.

Swantje Oppermann [swo]

Swantje ist seit 2013 Teil der OutNow-Crew. Zu ihren Lieblingen gehören «Jurassic Park», «When Harry Met Sally» und «Se7en». Bei «Titanic» muss sie noch heute heulen. Das Filmfestival Venedig liebt sie nicht nur wegen der Filme, sondern auch, weil dort der Aperol Spritz in rauen Mengen fliesst.

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