Lucy (2014)

Lucy (2014)

  1. ,
  2. 90 Minuten

Filmkritik: Superwoman?

Gebt mir endlich einen Black-Widow-Film!
Gebt mir endlich einen Black-Widow-Film!

Die US-Amerikanerin Lucy (Scarlett Jonhansson) studiert in Taipei. Nach einer durchzechten Nacht will ihr neuer Freund Richard (Pilou Asbæk) sie dazu überreden, einen Aktenkoffer an einen gewissen Mr. Jang zu übergeben. Lucy ist das Ganze nicht ganz geheuer, doch als er sie mit Handschellen an den Koffer kettet, hat sie keine andere Wahl. Prompt wird sie bei der Übergabe von chinesischen Gangstern gefangengenommen. Mr. Jang (Min-sik Choi) erweist sich als Oberhaupt einer skrupellosen kriminellen Gesellschaft, die mit CHP4, einer neuartigen Droge, handelt. Lucy und drei anderen Gefangenen wird je ein Kilo des mysteriösen blauen Pulvers operativ in den Bauch eingepflanzt, um es nach Europa zu schaffen. Falls einer von den Drogenkurieren nicht spuren sollte, müssen ihre Familien darunter leiden.

Lucy in the skyscraper with handguns
Lucy in the skyscraper with handguns

Doch als Lucy von einem der Gangster verletzt wird, gerät das Pulver in ihren Blutkreislauf. Plötzlich schärfen sich ihre Sinne, und sie ist zu Unglaublichem fähig. Um zu verstehen, was mit ihr passiert, wendet sie sich an den Wissenschaftler Professor Norman (Morgan Freeman), der sich mit dem schlummernden Potenzial des menschlichen Gehirns beschäftigt. Während Norman versucht, mehr über Lucys neue Fähigkeiten zu erfahren, macht sie sich auf die Suche nach den anderen drei Päckchen.

Für Lucy braucht man nicht einmal ein Prozent seiner geistigen Kapazität. Die interessante Grundidee ist voller Logiklöcher, und leider wird auch keine der Nebenfiguren genauer vorgestellt. So hätte beim Pariser Polizisten ein bisschen mehr Charakterisierung gut getan; schade ist es auch um Oldboy-Darsteller Min-sik Choi, der (wie alle asiatischen Figuren) blosses Verbrecher-Stereotyp bleibt und sein Potenzial nie nutzen kann. Aber eigentlich ist das alles egal, denn die Action sitzt. Wer bereit ist, die vielen unlogischen Aspekte zu übersehen, kann sich zurücklehnen und einen irren Trip geniessen.

Nach dem ziemlich lauen Mafia-Comedy-Thriller The Family kehrt Luc Besson zu dem zurück, was er eindeutig am besten kann: Er drückt einer schönen, starken Frau ein paar Knarren in die Hände und lässt sie spektakulär mit der Verbrecherwelt abrechnen. Mit Scarlett Johansson hat er sich dazu auch eine Hauptdarstellerin an Bord geholt, die ihre Action-Sporen bereits im Marvel Cinematic Universe verdient hat. Während sie als Mitglied der Avengers noch ohne Superkräfte auskommen musste, darf sie hier nun aus dem Vollen schöpfen, stehen ihr im Laufe des Filmes doch solch nützliche Fähigkeiten wie Telekinese, Telepathie und natürlich Superintelligenz zur Verfügung.

Freilich handelt es sich um eine recht hanebüchene Prämisse: Wie etwa auch bei Limitless geht man von der - längst überholten - Vorstellung aus, dass die Menschheit nur einen Bruchteil ihrer geistigen Kapazitäten nutzt. Morgan Freemans Professor stellt diese Annahme dann auch noch auf derart simple, wenn nicht sogar plumpe Art vor, dass schnell klar sein sollte, dass es keineswegs darum geht, eine ausgeklügelte Story zu erzählen. Hauptsache, man kann die hübsche Protagonistin zu einer Superheldin, wenn nicht sogar gottgleichen Überfigur machen. Und das funktioniert: Anfangs noch eine normale, von Johansson sympathisch verkörperte Studentin, mit deren unerwartetem Schicksal man durchaus mitleidet, wird die Figur mit steigender Gehirnkapazität kühler, verschlossener, ja, unmenschlicher.

Dass man trotz ihrer immensen Kräfte nicht den Bezug zu Lucy verliert, hat einerseits mit der souverän auftretenden Darstellerin, andererseits mit der Inszenierung zu tun. Denn Besson hat zweifellos den Dreh raus, wie man fesselnde Thriller auf die Beine stellt. So ist die erste Filmhälfte ein spannender Thriller, der sich erst allmählich zum Science-Fiction-Film entwickelt. Zwar werden dabei viele Ideen aufgenommen, die mal an The Matrix, mal an Transcendence erinnern; mit den spektakulären Schiessereien, Explosionen und natürlich den obligaten Verfolgungsjagden bleibt das Ganze aber stets unterhaltsam.

/ pps

Kommentare Total: 16

db

Ähnlich wie Rampage - viel Pseudoscience mit einigen unmotivierten Action Sequencen und einer mehrheitlich unterforderten Scarlett.

Benster

Ich habe das Gefühl, so ein Habakuk kommt dann heraus, wenn die Produzenten dem Drehbuchautor und dem Regisseur dreinquatschen. Ist zumindest mein Eindruck. Interessante Idee, miserabel umgesetzt. Einmal mehr v.a. deshalb, weil es nur um Action geht. Da könnte man auf die Story auch gleich ganz verzichten...

dreammaster

Jaja, ein Film der auf intelligent macht und dabei dümmer nicht sein könnte :) Und ja, ohne Scarlett Johansson hätte ich den film vermutlich nicht mal zu ende geschaut. Besson hat seinen Zenit leider längst überschritten. Schade. Den Stern gibt's übrigens für Scarlett, die einzige die es vermag den Film ein bisschen zusammen zu halten.

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