Late Phases (2014)

Late Phases (2014)

  1. 95 Minuten

Filmkritik: I Was a Senior Werewolf Hunter

Blind, aber mit tollem Sinn für Farben
Blind, aber mit tollem Sinn für Farben © Studio / Produzent

Der blinde Army-Veteran Ambrose McKinley (Nick Damici) hat erst vor kurzem seine Frau verloren. Nun wird er von seinem Sohn Will (Ethan Embry) in eine Reihenhaushälfte in einem überwachten Quartier für Rentner gesteckt, wo er seiner Familie möglichst wenig Aufwand bereiten soll. Doch bereits in der ersten Nacht merkt er, dass das Quartier gar nicht so friedlich ist wie gedacht. Ambrose hört nämlich seltsame Geräusche durch die Wände - seine Nachbarin wird gerade von einem seltsamen Tier zerfleischt. Als es auch ihn angreift, kann er sich nur knapp verteidigen.

Dies war jedoch nicht der erste Todesfall in der Gegend, denn das mysteriöse Wesen schlägt immer wieder bei Vollmond zu. Ambrose ist sich bald einmal sicher, dass hier ein Werwolf am Werk ist. Weil er weiss, dass ihm niemand glauben würde, beginnt er auf eigene Faust nach dem Täter zu suchen. Einzige Hinweise sind ihm die Geräusche jener Nacht und ein starker Geruch nach Zigaretten. In der Zeit bis zum nächsten Vollmond schmiedet er einen ausgeklügelten Plan, wie er das Monster zur Strecke bringen kann.

Wie der blinde Protagonist schlägt Late Phases stellenweise ein eher gemächliches Tempo an. Dank einer tollen darstellerischen Leistung des Hauptdarstellers und dem durchaus vielschichtigen Umgang mit Themen wie Alter und Einsamkeit wird es trotzdem nie langweilig. Das Rätsel, wer denn nun der Werwolf ist, ist zwar nicht besonders schwer zu knacken. Mit dem blinden Ermittler, der sich im Laufe der Spielzeit zu einem unerwarteten Kick-Ass-Helden entpuppt, fiebert man aber nur zu gerne mit.

Wagte sich Bruce Campbell vor ein paar Jahren in Bubba Ho-Tep als Elvis-im-Altersheim in den trashigen Kampf gegen eine Mumie, inszeniert Late Phases nun das Duell zwischen Rentner und Werwolf. Allerdings hören die Parallelen der beiden Filme bereits bei dieser Ausgangssituation wieder auf, erweist sich der von Adrián Garcia Bogliano inszenierte Werwolffilm doch um einiges anspruchsvoller und vielschichtiger, als man es anfangs erwarten könnte.

Freilich sind die Werwölfe, die optisch Erinnerungen an ältere Gattungsvertreter wie in The Howling oder The Company of Wolves aufkommen lassen, nicht das Mass aller Monsterdinge. Kitschig sind sie und eher für Gelächter als für Schreckmomente gut. Trotzdem kann der Film sukzessive Spannung aufbauen und die Zuschauer bald in die Geschehnisse hineinziehen. Dies liegt zum grossen Teil am genreerfahrenen Hauptdarsteller Nick Damici (Stake Land, We Are What We Are), der erneut eine differenzierte schauspielerische Leistung gibt und damit den ganzen Film deutlich aufwertet. Als Grumpy Old Man erinnert er an Figuren, die in einem werwolflosen Film vielleicht ein älterer Clint Eastwood gespielt hätte. Rentner Ambrose ist kratzbürstig, emotional kalt und unverschämt - gleichzeitig aber auch clever, einfallsreich und hat genug Feuer im Hintern, um wenn nötig ein ganzes Werwolfsrudel das Fürchten zu lehren,

Packen kann der Film auch, weil er neben Monstertrash und Kampfaktionen auch die leiseren Momente nicht vergisst. Die Situation des alten Mannes, der sich am Ende seines Lebens nutzlos und allein fühlt und noch immer mit Erlebnissen seine Vergangenheit zu kämpfen hat, wird differenziert dargestellt. Im Grunde genommen handelt es sich um ein Vater-Sohn-Drama, das auch mal fast philosophische Züge annimmt. Natürlich wird das Ganze immer wieder durch freche Einfälle aufgelockert, etwa durch Nachbarschaftszänkereien, Ambroses kaltschnäuzige Art und einfallsreiche Kills.

Petra Schrackmann [pps]

Petra arbeitet seit 2007 für OutNow und haut auch für Lektorat und Listicles in die Tasten. Als Genrefan verbringt sie ihre Film- und Serienabende lieber mit Zombies, Hobbits oder RVAGs als mit Rom-Coms. Als Leseratte ist sie fasziniert von Comic- und Buchverfilmungen (sogar den schlechten!).

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Trailer Englisch, 02:02