Jamie Marks Is Dead (2014)

Jamie Marks Is Dead (2014)

  1. 101 Minuten

Filmkritik: Harry Potter riecht nach nassem Hund

Harry Potter in der Fortress of Solitude?
Harry Potter in der Fortress of Solitude? © Studio / Produzent

Eines Morgens wird am Flussufer in einer verschlafenen Kleinstadt die Leiche des 15-jährigen Jamie Marks (Noah Silver) von der Mitschülerin Gracie (Morgan Saylor) aufgefunden. Adam (Cameron Monaghan), welcher ebenfalls in die gleiche Schule geht, erinnert sich nur vage an Jamie. Der mysteriöse Tod führt dazu, dass Adam ein schlechtes Gewissen hat, denn Jamie ist von seinen Mitschülern stets gehänselt worden. Adam und auch Gracie steigern sich dermassen in das tragische Schicksal rein, dass ihnen der Geist von Jamie erscheint.

Planking für Anfänger
Planking für Anfänger © Studio / Produzent

Während Gracie sich davon distanzieren will, beginnt zwischen Adam und dem Geist von Jamie eine fragile Freundschaft. Es scheint, als wolle Jamie im Tod endlich das haben, was ihm zu Lebzeiten nie vergönnt war: Freundschaft und Liebe. Dadurch kapselt sich Adam immer mehr von seiner Mutter (Liv Tyler) ab und will herausfinden, wie er Jamie erlösen kann. Gracie hingegen kümmert sich mehr um das Wohl von Adam und traut Jamie nicht. Werden die zwei herausfinden, wie ihr Mitschüler schlussendlich zu Tode gekommen ist?

Jamie Marks Is Dead - und das beweist uns schon der Titel - ist wiedermal so ein typischer Indieflick, welcher mehr Wert auf eine unbehagliche Atmosphäre legt als auf eine spannende und ausgeklügelte Story. Die eingängigen Charaktere vermögen aber über die fehlende Substanz hinwegzutrösten, damit man locker bis zum Schluss durchhalten kann.

Jamie Marks Is Dead basiert auf dem Roman "One For Sorrow" des Autors Christopher Barzak. Regisseur Carter Smith fokussiert sich ebenfalls auf Themen wie Freundschaft und Beziehung und versucht gar nicht erst, aus der Coming-Of-Age-Geschichte einen klassischen Krimi zu fabrizieren. Das Indiedrama wurde am Sundance Festival uraufgeführt und erhielt positives Feedback.

Die Fährte für eine klassische "Whodunnit"-Story wären eigentlich von Anfang an gelegt gewesen: Wie einst Laura Palmer in Twin Peaks wird die Leiche des Schülers am Flussufer gefunden; vom Täter keine Spur. Sofort macht Jamie Marks Is Dead aber eine Kehrtwende und nimmt Adam ins Visier. Cameron Monaghan spielt den introvertierten Schüler überzeugend und passt sich dem doch eher dialogarmen Drehbuch sehr gut an. Zu unserer Verblüffung sieht Jamie aufs Haar genauso aus wie Harry Potter. Es fehlt nur noch die Blitznarbe an der Stirn. Dies wirkt am Anfang tatsächlich befremdlich.

Die Erzählung belässt es dann auf der Dreieckbeziehung zwischen Adam, dem toten Jamie und der absolut schrägen Gracie. Obwohl Liv Tyler als Mutter und Judy Greer als trunksüchtige Nachbarin ebenfalls auftauchen, wirken diese wie belanglose Lückenfüller. Und das ist irgendwie schade. Da Smith sich dermassen auf die fragile Freundschaft zwischen Adam und Jamie konzentriert, wird das Drama von Minute zu Minute mehr zum Kammerspiel und erhält schon fast einen Theatercharakter. Der Plot wird träger und der Konflikt gipfelt sich dann in einem Finale, welches zwar offensichtlich ist, die Erwartungen aber nur teilweise erfüllen kann.

Christian Wolf [woc]

Christian arbeitet seit 2009 als Freelancer bei OutNow. Er mag ultradüstere Filmperlen und süffige Survival Horror Games. Animationsfilme sind ihm ein Gräuel. Christian vertritt als Einziger den smoothen Berner Dialekt im Team.

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