Ich seh, ich seh (2014)

Ich seh, ich seh (2014)

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  2. 99 Minuten

Filmkritik: Bist Du es, Mami?

So klein und schon so böse.
So klein und schon so böse. © Praesens Film

Eine abgelegene Villa im österreichischen Niemandsland. Es ist Sommer, und die freie Natur rund um das stattliche Anwesen ist ein idealer Tollplatz für die beiden Zwillinge Lukas und Elias (Lukas und Elias Schwarz). Sie können im See baden, auf dem Trampolin springen oder in den Kornfeldern Versteckis spielen. Nur ihre Mutter (Susanne Wuest) hat etwas dagegen. Die Fernsehmoderatorin erholt sich, das Gesicht komplett einbandagiert, von einer Schönheits-OP, und möchte in erster Linie ihre Ruhe haben.

Rausgehen ist nicht.
Rausgehen ist nicht. © Praesens Film

Dass die Mama Stille im Haus haben möchte, geht ja noch. Sie weigert sich aber auch, mit Lukas zu sprechen und macht nur Elias das Frühstück. Zwischendurch reagiert sich auch sehr harsch auf Provokationen. Wegen diesen verhaltensbedingten Veränderungen hegen Lukas und Elias den Verdacht, dass sie gar nicht ihre Mutter ist. Sie wollen Beweise, und ihre Methoden, etwas aus der Frau herauszukitzeln, werden immer drastischer.

Der Name Ulrich Seidl (Im Keller) ist ein Garant für die Schilderung der dunklen Seiten Österreichs Gesellschaft. Kein Wunder befassen sich auch seine Gattin und der Neffe aus seiner Produktionsfirma mit ähnlichen Themen. Ich seh, ich seh hat ebenso schöne Tableaus zu bieten wie Seidls Paradies-Trilogie, geht im alltäglichen Horror aber einiges weiter. Der Film entwickelt sich zur Gewalt-Orgie, die auch einen Michael Haneke (Funny Games) stolz machen würde.

Veronika Franz und Severin Fiala führen die Tradition der österreichischen Festival-Filme mühelos fort. Mit den zwei sinisteren Wonneproppen-Zwillingen in der Hauptrolle, einem clean-grusligen Traumhaus als idealer Location und dem schlichten Fakt, dass eine Frau, die wie Niki Lauda mumifiziert wurde, einen gewissen Grundgrusel ausstrahlt, ergibt sich schon mal genügend Thrill. Die Szene, in welcher der Verband abkommt, wäre bei weniger Sorgfalt zur lapidaren "Huch, die sieht aber doch genau so aus, wie die Frau auf den Fotos" geworden. Franz und Fiala erschrecken aber den Zuschauer lieber mit einer bedrohlichen Szene im Wald, die als einzige Computer-Effekte anwendet und regelrechtes psychisches Unbehagen auslöst. Denn ob die Mama wirklich die Mama ist, bleibt wie einige andere Geheimnisse des Films bis zum Schluss wohlgehütet.

Wenn Haneke erwähnt wird, muss aber auch klar sein, dass Ich seh, ich seh in Sachen Gewalt-Darstellung an Grenzen geht. Tierquälerei und Folter sind Elemente, denen sich diese Art von Kino nicht verweigert. So auch hier, wobei in diesem Film auch eine surreale Ebene dazukommt, die quasi danach schreit, den Film mehrmals zu gucken. Geht hier wirklich alles auf? Play it again, Mum!

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom blue TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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Trailer Deutsch, 02:05