The Hunger Games - Mockingjay Part 1 (2014)

The Hunger Games - Mockingjay Part 1 (2014)

Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 1
  1. ,

Filmkritik: Teil 1 vom Rest

Jetzt wird's brenzlig.
Jetzt wird's brenzlig. © Impuls Pictures AG

Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) hat auch ihre zweiten Hunger Games überlebt und konnte mithilfe der Rebellen aus der Arena fliehen. In Distrikt 13, den die Bewohner von Panem bisher für komplett zerstört hielten, finden sie und die restlichen Überlebenden des zerbombten Distrikt 12 Unterschlupf. Doch auch ausserhalb des Einflussgebietes von Präsident Snow (Donald Sutherland) findet Katniss keine Ruhe. Die Erlebnisse in der Arena bereiten ihr ebenso Albträume wie die Ungewissheit, was mit Peeta (Josh Hutcherson) und den anderen ehemaligen Hunger-Games-Siegern geschehen wird, die noch immer in den Händen des Capitols sind.

Auch in Distrikt 13 hat man die Haare schön...
Auch in Distrikt 13 hat man die Haare schön... © Impuls Pictures AG

Da einige der Distrikte inzwischen offen rebellieren, brauchen Alma Coin (Julianne Moore), die Präsidentin von Distrikt 13, und der ehemalige Spielemacher Plutarch Heavensbee (Philip Seymour Hoffman) Katniss' Hilfe: Sie soll das Symbol der Rebellion sein und mit einer Reihe von Propaganda-Spots auch den Rest von Panem für den Kampf gegen das Capitol gewinnen. Katniss willigt ein, fordert dafür aber, dass alles versucht wird, um Peeta zu befreien. So scharen sich in ganz Panem Rebellen im Namen des Mockingjays zusammen, um gegen die Unterdrückung zu kämpfen. Doch die Verluste des Krieges sind hoch, und Snow ist bereit, mit äusserster Härte zurückzuschlagen.

Die Entscheidung, den letzten - immerhin kürzesten Band - der Buchreihe in zwei Filmen umzusetzen, hat sich nicht ausgezahlt. Dies ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass mit mehr Zeit für Details leider auch unnötige Längen aufkommen. Ein wirkliches Finale fehlt, und weil auch emotionale Highlights eher spärlich sind, fällt die Qualität im Vergleich zu den Vorgängerfilmen deutlich ab. Freilich überzeugen die Darsteller wie bisher, und auch der Propaganda-Aspekt ist gut umgesetzt. Auf dem Weg zum eigentlichen Finale der Reihe ist Mockingjay 1 aber kaum mehr als eine Pflichtübung.

Eindrücklich ist der Einstieg, der die Zuschauer ganz unvermittelt und ohne Musikuntermalung mit den neuen Lebensumständen der traumatisierten Titelheldin konfrontiert. Mit dem Wechsel ins unterirdische Rebellenlager in Distrikt 13 wendet man sich deutlich von der bildgewaltigen Capitol-Extravaganz ab: Den dekadenten Fashion Victims werden nun die grauen Einheitsklamotten, Betonwände und die durchstrukturierte Gesellschaftsordnung von Distrikt 13 gegenübergestellt. Diese Tristesse spiegelt auch den psychischen Zustand von Katniss wider; wie schon in Catching Fire bleibt die Thematik von Trauma und den Folgen schrecklicher Erlebnisse stets im Mittelpunkt der Geschehnisse.

Geglückt ist Regisseur Francis Lawrence auch die Propaganda-Maschinerie der Rebellen. Diese ist einerseits als offenkundige Medienkritik umgesetzt, andererseits werden durch die Darstellung verschiedener Meinungen auch die politischen Ereignisse und Entscheidungen der Machthaber sowie die Konsequenzen von Gewalt hinterfragt. Hier treten auch einige interessante neue Figuren auf: Mit Julianne Moore hat man eine zurückhaltende "Eiserne Lady" als Gegenfigur zu Präsident Snow gefunden. Neben dem sympathisch-berechnend spielenden - inzwischen ja leider verstorbenen - Philip Seymour Hoffman hätte man aber auch gerne mehr von den Figuren Boggs (Mahershalalhashbaz Ali), Cressida (Natalie Dormer) und ihrer Kameracrew gesehen, die zwar vielversprechend eingeführt werden, aber nicht genügend Screentime bekommen.

Die Stammdarsteller bewähren sich weiterhin: Jennifer Lawrence weiss die traumatisierte Heldin mit der richtigen Mischung aus Verzweiflung und Aufmüpfigkeit zu verkörpern. Josh Hutcherson nutzt seine wenigen Szenen gut, und Woody Harrelson und Elisabeth Banks (deren Szenen für den Film neu geschrieben wurden) sorgen für einige Lacher. Nicht überzeugend ist hingegen Liam Hemsworth, dem sowohl das Charisma als auch das dramatische Können fehlen, um seinen rebellischen Charakter auf die Leinwand zu bringen; die vereinzelt angedeutete Romance-Handlung will so auch gar nicht zum Rest des Filmes passen.

Die Actionszenen können zwar optisch überzeugen, driften teils aber doch ins Pathetische ab. Wirklich enttäuschend ist jedoch der Schluss, wo auf sehr ungeschickte Weise zwischen zwei Szenen hin- und hergeschnitten wird. Dies ist leider beiden Szenen abträglich, die einzeln oder auf geschicktere Weise kombiniert durchaus eindrücklich gewirkt hätten. So bleibt uns nur, auf die Auflösung zu warten, wo dann endgültig die Post abgehen wird und die Nastüechli gezückt werden sollten.

Petra Schrackmann [pps]

Petra arbeitet seit 2007 für OutNow und haut auch für Lektorat und Listicles in die Tasten. Als Genrefan verbringt sie ihre Film- und Serienabende lieber mit Zombies, Hobbits oder RVAGs als mit Rom-Coms. Als Leseratte ist sie fasziniert von Comic- und Buchverfilmungen (sogar den schlechten!).

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Kommentare Total: 12

sj

Zum Glück haben die Jennifer Lawrence

VesperLynd89

Zugegeben, der Film ist gegen Ende etwas lang, aber insgesamt fand ich den Teil unglaublich gut. Die schauspielerischen Leistungen, insbesondere von Jennifer Lawrence, sind hammermässig gut. Ich hab die Bücher nie gelesen und kann deshalb nur den Film bewerten, aber ich finde, seit Francis Lawrence übernommen hat, haben die Filme und auch die Charaktere mehr Tiefe bekommen.

Reptile

Bei Robin Williams, stellt sich die Sachlage ein wenig anders dar. Er war seit Jahren, schwer Suchtkrank in Form von Alkoholismus, (gefühlte 20x Entzug in Suchtkliniken inbegriffen) er war depressiv, litt an Parkinson und post mortem, wurde ihm bei seiner Obduktion, mit nur knapp 63 Jahren, sogar noch Altersdemenz diagnostiziert. In Anbetracht dieser Umstände, verwundert mich Williams Tod also keineswegs, da sind andere schon für wesentlich weniger "freiwillig" aus dem Leben geschieden.

Das heisst jedoch nicht, dass du mit deiner Meinung falsch liegst - Ich aber auch nicht mit meiner, denn so etwas ist und bleibt eben Ansichtssache und jeder, darf sich darüber seine eigene Meinung bilden.

Allerdings sollte man hier nur "Mockingjay - Part 1" bewerten und nicht über persönliche Betrachtungsweisen punkto Widmungen diskutieren. Also würde ich vorschlagen, wir lassen beide unsere Meinung so stehen und kehren zum eigentlichen Thema, dem Film, zurück.

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