The Guest (2014/I)

The Guest (2014/I)

  1. 99 Minuten

Filmkritik: Because I love you

Don't look back in anger
Don't look back in anger

Eines schönen Tages klingelt's bei Laura Peterson (Sheila Kelley) an der Türe: Ein höflicher junger Mann (Dan Stevens) stellt sich vor als David, Armee-Kumpel ihres Sohnes Caleb, der im Afghanistan-Krieg gefallen ist. In dessen Auftrag soll er ihr und ihrer Familie eine letzte Nachricht überbringen. Gerührt und überwältigt von den Erinnerungen an ihren toten Sohn, bietet Laura dem jungen Mann an, im Gästezimmer zu übernachten. Diese Einladung nimmt David gerne an - und bleibt gleich noch einige Nächte mehr.

Während Lauras Ehemann Spencer (Leland Orser) dem neuen Gast gegenüber zunächst skeptisch bleibt, freuen sich die 20-jährige Tochter Anna (Maika Monroe) und ihr jüngerer Bruder Luke (Brendan Meyer) über die unverhoffte Gesellschaft. Während Anna heimlich ein Auge auf den attraktiven Ex-Soldaten geworfen hat, findet der eigenbrötlerische Aussenseiter Luke in David endlich einen Freund, der ihn zu verstehen scheint. Doch seltsamerweise häufen sich seit der Ankunft des Kriegsveteranen plötzlich die Todesfälle im verschlafenen Nest in New Mexiko. Ob etwa der nette Hausgast der Petersons etwas damit zu tun hat?

Anspruch? Logik? Tiefgang? Braucht's alles nicht, wenn man einen Film so cool inszenieren kann. Ein herrlich böser Dan Stevens löst sich von seinem Saubermann-Image aus Downton Abbey und zeigt eine erinnerungswürdige Leistung als doch nicht so ganz perfekter Schwiegersohn. Das Werk von Simon Barrett und Adam Wingard ist ein prima Partyfilm, den vor allem der tolle Soundtrack aus dem Mittelmass hervorhebt. Nichts für die Ewigkeit, aber viel Spass für den Moment.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Natürlich ist The Guest ein B-Film, wie er im Buche steht. Er hat einen simplen, an den Haaren herbeigezogenen Plot, lachhaft überzogene Action-Szenen und einen Protagonisten, dessen Handlungsmotive völlig im Dunklen bleiben. Aber das macht in diesem Fall überhaupt nichts. Denn glücklicherweise nimmt sich der Film von Simon Barrett und Adam Wingard selbst nie allzu ernst und ist auf diese Weise durchwegs unterhaltsam.

Interessant ist er insbesondere auch für Downton Abbey-Fans, denn der Protagonist wird von "Robert Crawley" Dan Stevens verkörpert. Und dieser zeigt hier sozusagen die dunkle Seite seines herzensguten Charakters aus der englischen Serie. Doch er ist dabei dermassen cool, dass man ihm seine Taten nur zu gerne verzeiht. Denn wie gesagt, allzu ernst nehmen sollte man den Film wahrlich nicht. Dies gilt vor allem für die letzten paar Minuten, in denen doch noch etwas wie eine erklärende Hintergrundstory zu etablieren versucht wird. Dies geht dann allerdings vollauf in die Hose, denn diese Hintergrundstory ist dermassen hanebüchen, dass man dabei am besten lieber gar nicht recht hinhört. Es verdirbt nur den Spass.

Stattdessen geniesse man lieber die stylische Inszenierung mit dem coolen Electronica-Soundtrack aus der Feder von Steve Moore. Dieser wird angereichert durch einige alte, halbvergessene Popklassiker wie beispielsweise "Because I love you (The Postman Song)" von Stevie B. aus dem Jahr 1990; einen Song, den man, soviel sei verraten, nach diesem Film nicht mehr mit den gleichen Ohren hört wie zuvor. Wenn auch als Thriller etikettiert, ist The Guest eher eine makabere schwarze Komödie. Und dementsprechend verlässt man den Kinosaal auch mit einem breiten Grinsen auf den Lippen.

/ ebe

Kommentare Total: 3

yan

Ohne Frage einer der coolsten Filme seit Drive und auch der grossartige Soundtrack steht dem Werk von Winding Refn in Nichts nach.

th

What the f... 😎

ebe

Filmkritik: Because I love you

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