The Grand Budapest Hotel (2014)

The Grand Budapest Hotel (2014)

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  3. 99 Minuten

Filmkritik: Contenance im Puppenhaus

"Keine Angst, wir sind gleich da."
"Keine Angst, wir sind gleich da." © 2014 Twentieth Century Fox Film Corporation. All Rights Reserved.

Anfang des 20. Jahrhunderts in Ungarn: Concierge Monsieur Gustave (Ralph Fiennes) arbeitet im Grand Budapest Hotel und kennt alle Vorlieben und Wünsche seiner weit gereisten und meist exzentrischen Gäste. Insbesondere die Damenwelt weiss den Concierge zu schätzen, kümmert er sich doch um einige mit besonderem Engagement.

T-Rex gesehen?
T-Rex gesehen? © 2014 Twentieth Century Fox Film Corporation. All Rights Reserved.

Die schrullige Madame D. (Tilda Swinton) vermacht ihm aus Dank für seine Zuneigung nach ihrem Tod ein wertvolles Gemälde. Ihr Sohn Dimitri (Adrien Brody) beschuldigt Gustave daraufhin des Mordes an seiner Mutter, und der Concierge landet im Gefängnis. Dank seiner Beziehungen und seines einnehmenden Wesens gelingt ihm der Ausbruch. Fortan geht er mit dem Lobbyboy Zero (Tony Revolori), der im Verlauf der Geschichte sein engster Vertrauter wird, durch harte Zeiten. Neben dem Diebstahl und der Suche des Gemäldes sind sie die Zielscheibe im Kampf um ein grosses Familienvermögen und erleben zudem, wie sich die Gesellschaft um sie herum in der Zwischenkriegszeit verändert.

Ein Gespräch zwischen zwei Gästen führt uns tiefer in die Geschichte eines Hotels, welches seine besten Zeiten hinter sich hat. Regisseur Wes Anderson nutzt nach The Royal Tenenbaums oder Darjeeling Limited diesmal ein grosses Hotel als Schauplatz und Ausgangspunkt für eine gewohnt skurrile Handlung. Der Film, inspiriert durch die Werke Stefan Zweigs, ist in fünf Kapitel unterteilt und führt uns wie in einem Buch nach einer kurzen Einleitung durch die Geschichte.

Das Grand Budapest Hotel ist wie ein Bilderbuch, das uns auf jeder neuen Seite etwas mehr über seine Angestellten, und Gäste sowie im weiteren Verlauf über eine ganze Familie, preisgibt. Es ist zudem wie ein Theater, bei dem der Concierge Gustave in diesem Fall als Regisseur fungiert. Aus dem Hintergrund zieht er die Fäden, lässt das Hotel und seine ganzen Darsteller funktionieren. Aber es geht auch um viel mehr als nur um das Innere des Hotels.

Wes Andersons Film ist eine komödiantische Schnitzeljagd, eine Suche nach einem Mörder, eine Suche nach einem teuren Gemälde, aber auch ein Stück weit ein Flüchtlingsdrama. Im Mittelpunkt steht zwar der Concierge Gustave, aber seine Geschichte wäre nichts ohne die vielen Figuren, die über kurz oder lang seinen Weg kreuzen. Jeder noch so kleine Part ist eine Überraschung in diesem Puppenhaus, bei dem noch die kleinste Rolle mit einem bekannten Gesicht besetzt ist. Herrlich überdreht agieren sie alle in einer erfundenen Welt, die mit vielen schönen Ideen, wie z. B. einem witzigen Gefängnisausbruch, gespickt ist. Während wir den Figuren bei ihrem Spiel zwischen Slapstick, Action und Romantik beiwohnen, darf auch der Einsatz der Kamera nicht unbeachtet bleiben. Zeitraffer, Schwarz-Weiss oder Stop-Motion sorgen für zahlreiche Highlights in perfekten Kulissen.

The Grand Budapest Hotel ist eine wunderbar schräge, originelle und auch warmherzige Komödie mit einem perfekt aufgelegten Cast. Neben dem stets dazugehörenden Bill Murray oder Adrian Brody gibt es als Neuentdeckung diesmal Tony Revolori als Lobby Boy sowie Saoirse Ronan als dessen Verlobte zu sehen.

Julia Stache [jst]

Julia ist seit 2007 Freelancerin bei OutNow und kommt aus Berlin. Seit 2002 ist sie regelmässig bei der Berlinale dabei. In Jane-Austen-Filmen kann sie träumen und mitleiden. Sehr angetan haben es ihr Thriller, Christian Bale und James McAvoy.

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Kommentare Total: 4

El Chupanebrey

Kritik an die Inhaltsangabe: Der Film spielt im fiktiven Zubrowka, nicht in Ungarn.

lafrecciablu

kurzweilige Unterhaltung mit viel Humor (auch schwarzem), Tempo und einer Prise Slapstick. Viele Stars bis in die kleinsten Nebenrollen machen noch keinen guten Film. Die Geschichte vom Grand Budapest Hotel ist okay, die Figuren berühren leider überhaupt nicht. Wie auch, wenn die meisten nur grad eine Leinwandpräsenz von höchstens 3 Minuten haben. Die Liebesbeziehung zwischen Lobbyboy und Zuckerbäckerin lässt ebenfalls kalt. Im Allgemeinen wird kein grosser Wert auf Emotionen gelegt, hauptsache schräg. Das reicht leider nicht aus, um einen nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer zu hinterlassen. Einmal sehen, ist ganz hübsch und schräg, aber das war es auch schon.

VesperLynd89

Zwei Jahre ist es her, dass Wes Anderson mit Moonrise Kingdom das Publikum mit der kindlichen Neugier und fantastischen Darstellern verzauberte. The Grand Budapest Hotel kommt da erheblich erwachsener daher, aber nicht weniger zauberhaft. Unterteilt in fünf Kapitel, die es eigentlich nicht gebraucht hätte, wird eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte erzählt. Die Erste ist die Geschichte des Lobbyboys Zero. Die Zweite ist die Geschichte wie Zero dem Autoren davon erzählt und die Dritte, wie der Autor dem Zuschauer die Geschichte erzählt. Wie eine Roman kommt auch der Film daher. Der Off-Kommentar des Autoren beschreibt häufig genau das, was im nächsten Moment auch auf der Leinwand geschieht. Auch Zeitsprünge werden vollzogen, was allerdings gerade in der Mitte des Films ein heilloses Durcheinander wird. "2 Wochen früher", "3 Tage später" - irgendwann blickt man nicht mehr durch, was wann spielt, aber das macht auch nichts. Irgendwann steigt man wieder ein, was nicht zuletzt an den den fantastischen Leistungen von Ralph Fiennes und Tony Revolori liegt. Aber nicht nur sie sollten hervorgehoben werden. Jeder Schauspieler, und sei er nur für ein paar Minuten zu sehen, sieht wirklich gut aus - auch ohne "Creme aus dem Leichenhaus". Die Figuren bleiben liebenswert und charmant, alle Stärken und Schwächen werden herausgearbeitet. Allerdings sind einige Szenen recht gewalttätig. Finger werden durch einen raschen Türschlag von der Resthand abgetrennt, ein Mönch im Beichtstuhl gekillt, eine Lady vergiftet - all das ist aber immer tarantinoesk und damit ertragbar. Zudem schafft es Anderson auch geschichtliche Fakten zu verdrehen und so zu karikieren, dass man gerade noch erkennt, was gemeint ist. So arbeitet der Bösewicht für die "Zig-Zag-Division", kurz ZZ. Aus dem Blitzkrieg wird der Lutz-Krieg. Die Beispiele sind endlos. Insgesamt bedient sich Anderson an einem Mischmasch aus Deutsch, Französisch und Englisch, dass wunderbar zu seinem Paralleluniversium passt.

Charmant und lustig (5/6)

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