Godzilla (2014)

Godzilla (2014)

  1. , ,
  2. ,
  3. 123 Minuten

Filmkritik: Nuklear-Buffet: Erde

Was für ein Schwanz!
Was für ein Schwanz! © 2013 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

In einem Bergwerk auf den Philippinen untersuchen die Wissenschaftler um Dr. Vivienne Graham (Sally Hawkins) einen eigenartigen Erdeinsturz. An der Unfallstelle finden sie ein riesiges Skelett und eine Hülle eines Eis. Den Spuren zufolge ist das geschlüpfte Etwas ins Meer geflüchtet. Im benachbarten Japan führt der Familienvater Joe Brody (Bryan Cranston) ein am Wasser gelegenes Kernkraftwerk. An seinem Geburtstag kommt es während eines Erdbebens zu einem schrecklichen atomaren Zwischenfall, bei dem seine Frau Sandra (Juliette Binoche) ihr Leben verliert.

Nein, wir kochen hier kein Meth.
Nein, wir kochen hier kein Meth. © 2013 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

15 Jahre später hat sich die Stadt um das Kraftwerk in ein zweites Tschernobyl verwandelt. Joes Sohn Ford (Aaron Taylor-Johnson) hat sich als Soldat bewährt und ist gerade bei seiner Familie in San Francisco angekommen, als bereits wieder das Handy klingelt: Joe wird in Japan festgehalten, weil er beim Herumschnüffeln erwischt wurde. Doch Joe denkt nicht daran, die Suche nach den wahren Umständen der Tragödie aufzugeben. Besessen von einer Theorie überzeugt er Ford, die Geisterstadt zu durchforsten. Dabei stossen sie auf ein aus wissenschaftlicher Ignoranz entstandenes Geheimnis, das nicht schrecklicher sein könnte.

Gareth Edwards' Godzilla ist mehr Katastrophenfilm denn Monster-Sci-Fi-Film. Im Mittelpunkt stehen die Figuren und ihr unerbittlicher Kampf ums Überleben. Dank dem vorzüglichen Cast und der atemberaubend eingefangenen Atmosphäre lohnt sich ein Kinogang alleweil, doch Fans der Riesenechse kommen definitiv zu kurz.

Das berühmteste Filmmonster Japans kehrt im Hollywoodaufzug zurück auf die Kinoleinwand! Nachdem Godzilla, unter den Fittichen von Roland Emmerich, bereits 1998 mehr schlecht als recht durch die Strassen New Yorks trampelte, machte sich nun der noch relativ unerfahrene Regisseur Gareth Edwards (Monsters) an den Stoff. Ein Reboot einer US-Interpretation eines japanischen Klassikers sozusagen. Anders als erwartet spielt die Riesenechse im neuen Godzilla aber nur die zweite Geige. Stattdessen konzentriert sich Edwards auf unseren verwerflichen Umgang mit der Natur und dessen mögliche Folgen. Dies führt dazu, dass nicht etwa Godzilla im Mittelpunkt des Geschehens steht, sondern die Menschen selbst und ein durch ihre Hand entstandenes Unheil, das anscheinend nicht zu stoppen ist. Darum ist der neue Monster-Blockbuster zwar einerseits tiefgründiger und düsterer, andererseits vergisst er dabei etwas zu oft den eigentlichen Star des Films.

Wenn man Edwards in einer Sache ein Lob aussprechen muss, dann in jedem Fall für sein bemerkenswertes Gespür für eine unheilvolle Atmosphäre und atemberaubende Bilder. Nicht vergessen darf man dabei seinen Kameramann Seamus McGarvey (We Need to Talk About Kevin), der mit vielen Nahaufnahmen und einem eher intimen und menschlichen Auge die verschiedenen Szenen hervorragend eingefangen hat und die Emotionalität einer globalen Katastrophe direkt in den Kinosaal transferiert. Rein handwerklich gibt es kaum etwas auszusetzen. Die Effekte sitzen, die Monster wirken gewaltig, und Godzillas Hinterteil ist trotz Aussagen von japanischen Kritikern keinesfalls zu dick geraten.

Auch wenn die Ausgangslage der Geschichte durchaus interessant ist, liegt der Hund dann doch dort begraben. Die etwas sprunghafte Erzählweise hindert die Zuschauer daran, einen näheren Zugang zur Geschichte zu finden. Die vielen menschlichen Beziehungen, die zwar vom gut gewählten Cast auch ansprechend in Szene gesetzt wurden, nehmen zudem zu viel Raum für sich ein, so dass der Monsterfilm zum Katastrophendrama wird. Die Vorgeschichte um die Familie Brody wie auch das später stark auf Brody fixierte Grundgerüst lassen eine Sci-Fi-Stimmung vermissen. So wird man beispielsweise nur über einen Monitor, auf den die Hauptfigur starrt, Zeuge eines gewaltigen Monster-Fights, anstatt live dabei zu sein. Zwar geht einiges in die Brüche, und das Gefühl einer Katastrophe ist allgegenwärtig, doch ein Monsterfeeling wie bei Pacific Rim kommt leider nicht auf. Der erwartete Showdown und Höhepunkt des Films bleibt hinter den Erwartungen zurück und kommt 20 Minuten vor Schluss auch eindeutig zu spät.

Yannick Suter [yan]

Yannick arbeitet seit 2010 als Freelancer für OutNow. Sci-Fi-, Horror- und Mindfuck-Filme sind seine Favorites. Wenig anfangen kann er mit Kostümfilmen und allzu prätentiösen Arthouse-Produktionen. Wer aber etwas über äusserst verstörende Filme erfahren möchte, ist bei ihm an der richtigen Adresse.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. facebook
  4. Instagram
  5. Letterboxd

Kommentare Total: 6

db

Naja, schon länger nicht mehr so etwas Unmotiviertes gesehen. Der Cast ist vom besessenen Vater über den blassen Sohn bis hin zu den vielen gesichtslosen Soldaten durch die Bank unsympathisch und man interessiert sich null für deren Schicksal. Die Handlung dümpelt langfädig dahin und kann nicht mal mit Action oder Humor über die vielen Logiklöcher hinwegtäuschen. Von dem her netter Versuch die Echse nach Emmerich wieder zum unbesiegbaren Gott hochzustilisieren - auch wenn er gegen das Cloverfield-Monster äusserst häufig auf dem Boden liegt - aber ansonsten ein ziemlicher fail, der mich keine Minute gepackt oder gar mitgerissen hat. Zwei Sterne für einige nette CGI-Momente - wenn sie mal nicht in Nebel verschwinden.

Murikov

Nach Emmerich's Versuch konnte ich mir keineswegs vorstellen, dass ein erneutes Reboot ebenso schlecht abschneiden würde. Aber dieser neuste Abklatsch rüttelt schon massiv an meinem alten Weltbild...

Versteht mich nicht falsch: Der neuste CGI-Godzilla ist bestens nach altem Vorbild designt und anständig animiert; sogar sein klassischer 'Atomic Breath' ist ihm geblieben. Die MUTOs machen auch einiges her und die kurzen Kaiju-Kämpfe sind auch recht hübsch anzusehen. Aber genau da liegt das Problem an der 2014er Version: Unsere Lieblingsechse ist während der langwierigen Laufzeit von über 2 Stunden nur für etwa 20 Minuten zu sehen!

Es kann ja nicht sein, dass man als passionierter Filmfan doch tatsächlich über 15 Franken für den Eintritt bezahlen muss, für dass man den echten Protagonisten des Streifens (der sogar noch im Filmtitel steht) kaum zu Augen bekommt! Ich meine, dies macht ja nicht mal vom Konzept her irgendwie Sinn - die Trademark 'Godzilla' steht ja schlechthin für Kaiju-Action und nicht für mässig inszenierte Schnulzen mit langweiligen Schauspielern, tausendmal gesehenen Klischees und einigen Logikfehlern. Denn genau so ist mir dieses Gesamtpaket vorgekommen.

Im Angesicht der Tatsache, dass so viel Geld und Hoffnung in dieses Reboot gesteckt wurde, macht es nur noch schlimmer. Schaut euch lieber wieder 'Pacific Rim' an oder selbstverständlich die originalen Godzillas der Tokusatsu-Ärä. Da bekommt man immerhin geliefert was man wollte.

2/10

muri

Eher Katastrophen- denn Trash/Monsterfilm, aber das darf man ja auch mal probieren. Godzilla kommt ein bisschen wenig vor (respektive hätte für meinen Geschmack mehr Action haben dürfen), aber wenn sie/es/er mal was zu tun kriegt, dann rappelts im Kinosaal. Wenn man aber bedenkt, dass eine Konfrontation schlichtweg ausgeblendet wird, dann hinterlässt das schon einen faden Beigeschmack.

Trotzdem, für Fans sicherlich gut. Monsterfilme sind halt sowieso lässig ;)

Kommentar schreibenAlle Kommentare anzeigen