Der Goalie bin ig (2014)

Der Goalie bin ig (2014)

Oder: Irgendeinisch fingt ds Glück eim

The Hobbit: A Journey through Magic-Mushroom-earth.

The Hobbit: A Journey through Magic-Mushroom-earth.

Ernst (Marcus Signer) und Ueli (Pascal Ulli) bewohnen in den 1980er-Jahren das Kaff Schummertau und sind seit Kindesbeinen an beste Freunde. Sie spielen hervorragend Strassenfussball und tauschen leidenschaftlich gerne Panini-Fussballbilder. Als an einem Tag seine Mannschaft gegen Italienerkinder auf den Sack bekommt und wütende Mitspieler ihren eigenen Goalie und "Fliegenfänger" vermöbeln möchten, stellt sich Ernst mutig und "Der Goalie bin ig!" schreiend vor ihn und kriegt dennoch Schläge verpasst. Von nun an nennt ihn jeder respektvoll nur Goalie.

I schänke dir mis Härz, meh han i nöd

I schänke dir mis Härz, meh han i nöd

Jahrzehnte später macht Goalie seinem besten Freund einen Gefallen und holt ein Paket aus Frankreich ab. Zuhause angekommen, wird er aber von der Polizei umstellt, das Heroinpaket sichergestellt und er - ohne jemand zu verraten - ins Gefängnis gesteckt. Nach einem Jahr im Bau möchte Goalie endlich einen geregelten Alltag: keine krummen Deals und keine Drogen mehr, dafür einen Job und eine nette Beziehung. So heuert er bei der nahegelegenen Porzellanfabrik als Lagerist an und wirft auf die hübsche Kellnerin Regula (Sonja Riesen) ein Auge. Doch wird sie ihn, den ehemaligen Drögeler, mögen? Und wieso besuchte ihn der Ueli nie im Gefängnis, verliert zu Hause über den schief gelaufenen Deal kein Wort und bezahlt ihn dennoch mit fünf "Ameisennoten"?


Film-Rating

Der Schriftsteller Pedro Lenz (Das Kleine Lexikon der Provinzliteratur, I bi meh aus eine) sog viele (nachgebesserte) Geschichten von gebrochenen Biographien auf und brachte 2010 dann das Mundartbuch Der Goalie bin ig heraus. Sabine Boss (Undercover, Das Fräuleinwunder) hat nun das Buch mit dem gleichnamigen Film Der Goalie bin ig verfilmt.

Das Buch handelt von einem Laferi und Ex-Drögeler, der sein Leben wieder in geordneten Bahnen versucht zu lotsen und auf Liebe hofft, aber Verrat trifft. Es durchleuchtet durch Goalies Beobachtungen lakonisch das Milieu, das Bünzlitum mit seinen Vorurteilen und die Einsamkeit ("lieber wieder einisch anämä Mitmänsch ä dummi Schnurre aahänke als gar kei Kommmunikation"). Und es ist eine liebevolle und witzige Huldigung an (zu) gutmütige Menschen wie Goalie. Doch durch die betrübte Stimmung hat man manchmal das Gefühl, als suhlen sich die Figuren lieber in ihren Wehwehlis und reihen unaufhörlich Klagelieder und Bemerkungen aneinander. Man wünscht ihnen, dass sie mit einem "gib mer ä fucking break" endlich aufbrechen und weniger schwatzen. Was schwierig, aber glücklicherweise bei einigen dann doch der Fall ist.

Der Film fängt die Stimmung ähnlich und eingängig ein. Er ist gut besetzt mit bewanderten Darstellern wie Markus "Goalie" Signer (der "geile Siech" aus Mary & Johnny) und Sonja Riesen als scheues Reh mit Prinzipien. Und sogar ein Cameo von Pedro Lenz ("Je parle par l'allemend") liegt drin. Ebenso gelungen ist die lässige Musik, unter anderem von Züri West. Nur watet man hier nicht zu tief im Sumpf (wie bei Trainspotting) und übt allzu sehr Sozialkritik. Man zeigt eher Geschichten von Menschen, die - nie einen Spruch zu schade - sich lieb oder weniger haben und im Sinne von "irgendeinisch chunnt mer immer ah" den Tag bewältigen. Eigentlich fehlt es dem Film an "meh Dräck", er dümpelt gelegentlich vor sich hin.

Wer das Buch verschlungen hat und sich an der Geschichte erfreut, wird mit einem (stillen) Lächeln das Kino verlassen. Denn der Film erinnert daran, dass man auch mit guten Absichten das Glück nicht immer so findet, wie man es sich vorstellt - es aber doch findet.


OutNow.CH:

Bewertung: 3.5

 

26.01.2014 / bco

Community:

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