Gloria (2014/II)

Gloria (2014/II)

  1. , ,

Filmkritik: Madonna mia!

Pian-oh-la-la
Pian-oh-la-la © MovieBizFilms

Mexico City, 1984: Die 16-jährige Gloria (Sofía Espinoza) möchte Popsängerin werden und macht Bekanntschaft mit dem Musikproduzenten Sergio Andrade (Marco Pérez), der sie sogleich verführt. So wird sie nicht nur zu seinem Schützling, sondern auch gleich zu seiner Geliebten - zusammen mit einer Gruppe weiterer junger Frauen, die alle von der grossen Musikkarriere träumen. Obwohl Gloria nicht die begnadetste Sängerin ist, hat sie ein ganz spezielles Talent, das Publikum mit ihrer lasziv-frechen Art in ihren Bann zu ziehen. In einer TV-Talentshow gelingt ihr schliesslich der Durchbruch.

She's like a virgin, touched for the very first time...
She's like a virgin, touched for the very first time... © MovieBizFilms

In den kommenden Jahren steigt Gloria auf zu Mexikos populärster Popsängerin, die Konzertsäle und gar Stadien füllt. Ihrem Liebhaber und Manager Sergio Andrade bleibt sie während all dieser Zeit treu ergeben, obwohl dieser weiterhin zahlreiche meist noch minderjährige junge Frauen um sich schart. Ende der Neunzigerjahre heiratet sie ihn sogar. Doch als eine frühere Geliebte gegen Andrade schwere Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs erhebt, gerät auch Gloria ins Zwielicht. Ist sie eine Mittäterin oder ein Opfer?

Die Geschichte vom Aufstieg und Fall der populären mexikanischen Sängerin Gloria Trevi ist schon ein ziemlich bizarres Horrormärchen - und gleichzeitig ein trauriges Zeugnis dessen, wie mit jungen Frauen im mexikanischen Showbusiness umgegangen wird. Der Schweizer Regisseur Christian Keller bemüht sich darum, die spektakuläre Geschichte nicht effekthascherisch auszuweiden, sondern differenziert in Szene zu setzen. Dabei fehlt zuweilen etwas der Drive, und die Figuren wirken unnahbar. Trotz ansprechender Darsteller bleiben den Zuschauern am Ende so viele Fragen wie zu Beginn.

Sie gilt als die "mexikanische Madonna": Gloria Trevi war in den Neunzigerjahren eine der populärsten lateinamerikanischen Sängerinnen, als sie in den Strudel eines Missbrauch-Skandals geriet und infolgedessen mehrere Jahre im Gefängnis verbringen musste. Doch schliesslich wurde die Anklage gegen sie fallengelassen, und sie kehrte aus dem Gefängnis auf die Bühne zurück - und zum Ruhm. Diese Geschichte der gefallenen und wiederauferstandenen Heldin schreit förmlich nach einem Biopic. Gloria ist nun das Resultat. Regisseur dieses Latinovehikels ist kurioserweise ein Schweizer: der erst 30-jährige Christian Keller.

Und dieser hat die Skandalgeschichte erstaunlich wenig skandalträchtig in Szene gesetzt. Der Film spielt parallel auf zwei Zeitebenen, die nicht ganz sauber voneinander getrennt sind, auch deswegen, weil bei Hauptdarstellerin Sofía Espinoza anscheinend beim Make-up gespart worden ist. Auf der ersten Zeitebene wird Glorias Aufstieg zum Star nacherzählt, der verknüpft ist mit dem problematischen Verhältnis zu ihrem Manager Sergio Andrade. Wo genau der Reiz in diesem Mann liegt, vermag der Film nur vage anzudeuten, fehlt dem Co-Hauptdarsteller Marco Pérez doch ein wenig das nötige Charisma für eine solche Rolle.

Auf der zweiten Zeitebene werden die Ereignisse nach Glorias Verhaftung nacherzählt. Diese Zeitebene kommt im Vergleich zur ersten etwas zu kurz, weshalb die entsprechenden Szenen wie ein Fremdkörper im Erzählfluss wirken. Zwar hütet sich der Film vor plakativen Aussagen, dennoch scheint er dabei doch von leiser Sympathie gegenüber seiner Protagonistin getrieben zu sein - und dies, obwohl die echte Gloria Trevi im Vorfeld verlauten liess, dass sie den Film nicht autorisiert habe.

Die undurchsichtige Rolle von Gloria Trevi wurde in der mexikanischen Öffentlichkeit breit diskutiert. In Kellers Film blitzt die Widersprüchlichkeit ihres Charakters zeitweise auf. Doch über weite Strecken verkörpert Sofía Espinoza ihren Charakter als ein nettes, oberflächliches und ein klein wenig einfältiges Latinomädel, das sich erst auf der Bühne zum energiegeladenen Vamp wandelt. Für Zuschauer, die die öffentliche Debatte nicht mitbekommen haben, bleibt ihre Persönlichkeit schwer greifbar - was angesichts dieser seltsamen Geschichte nicht zwingend ein Kritikpunkt am Film sein muss. Dennoch wirkt er in seinem Bemühen, ein differenziertes Bild zu zeichnen, manchmal etwas kraftlos.

/ ebe

Trailer Spanisch, mit deutschen Untertitel, 02:31