The Giver (2014)

The Giver (2014)

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  2. 97 Minuten

Filmkritik: Farbe ist immer besser

Pleasantville: Jetzt auch in der Zukunft!
Pleasantville: Jetzt auch in der Zukunft! © Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Jonas (Brenton Twaithes) lebt in einer scheinbar idealen Welt ohne Kriege, Armut, Unglück und Neid. Die Menschen leben in friedlichen, durchorganisierten Gemeinschaften, in denen alle gleich sind und niemand durch ungewöhnliches Aussehen, Verhalten oder starke Gefühle auffällt. Den Frieden wahrt ein Ältestenrat, der das Leben aller Bewohner steuert und ihnen im Alter von 16 offenbart, welchen Beruf sie ausüben sollen. Jonas' Freunde Asher (Cameron Monaghan) und Fiona (Odeya Rush) werden so zum Drohnenpilot beziehungsweise zur Kinderpflegerin. Er hingegen erhält eine ganz besondere Aufgabe: Jonas soll der neue Receiver, der Hüter der Erinnerungen, werden.

Dude! Warst du echt der Dude?!
Dude! Warst du echt der Dude?! © Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Von seinem Vorgänger, dem Giver (Jeff Bridges), erfährt er, dass das Leben einst ganz anders war, dass man Leid und Schmerz kannte, bis man vor vielen Jahren beschloss, eine bessere Welt zu erschaffen. Der Giver kann sich als einziger an diese Zeit der Unvollkommenheit erinnern, denn mit seinem Wissen soll er den Ältesten beratend zur Seite stehen. Doch damals wurden auch Gefühle, Farben, Individualität und Lebensfreude aufgegeben. Mit jeder neuen Erinnerung wird Jonas klarer, dass seine Welt alles andere als perfekt ist. Bald schöpft die Vorsitzende des Ältestenrates (Meryl Streep) Verdacht, dass Jonas ein potenzielles Risiko für die Stabilität der Gesellschaft ist.

Böse Zungen könnten vermuten, The Giver sei schlicht ein Trittbrettfahrer, der nach The Hunger Games auf den Hype um dystopische Jugendbuchverfilmungen aufspringen möchte. Glücklicherweise ist mehr als eine Art Divergent light herausgekommen: kein Actionreisser, sondern erstaunlich "altmodische" Science Fiction der Ideen. Die in schönen Bildern umgesetzte Geschichte berührt auch dank des sympathischen Darstellerduos und stellt wichtige Fragen über Menschlichkeit und Gesellschaft.

Mit The Giver erfüllt sich Jeff Bridges einen lange gehegten Traum, denn er versuchte bereits vor 20 Jahren, Lois Lowrys gleichnamigen Roman auf die Leinwand zu bringen. Damals hätte sein Vater Lloyd Bridges die titelgebende Figur spielen sollen. Geklappt hat es aber erst jetzt, wo sich jedes Filmstudio um dystopische Stoffe für Jugendliche zu reissen scheint.

Dass man sich auf eines der frühen Beispiele eines aktuell boomenden Genres zurückbesinnt, kann auch schief gehen (John Carter oder The Seeker: The Dark is Rising lassen grüssen). Mit Bridges als Produzent und Philip Noyce (Salt) auf dem Regiestuhl hat man den Genreklassiker aber erstaunlich gut adaptiert. Freilich fügte man der Geschichte einige Aspekte hinzu, auf die Hollywoodfilme offenbar nicht verzichten können: einen Protagonisten im Teenageralter, eine Liebesgeschichte, und am Ende muss natürlich auch noch etwas Action her, um die philosophische Story etwas aufzupeppen.

Nicht zufällig werden bei dieser nur auf den ersten Blick idealen Welt Erinnerungen an Pleasantville wach, denn auch hier wird mit dem Gegensatz von Schwarzweiss und Farbe gearbeitet. The Giver weiss so mit schönen Bildern zu überzeugen, wobei gerade die farbenfrohen Rückblenden manchmal wie eine Mischung aus History Channel und Werbebildern wirken; der Gegensatz von farblos-idyllischer Zukunftswelt und Vergangenheit wird so jedoch umso eindrücklicher.

Hauptdarsteller Brenton Thwaites (Maleficent) gibt einen sympathischen Protagonisten, der durch seine zurückhaltende Art nicht als Held inszeniert wird, sondern - fast schon genretypisch - dem Publikum eine überzeugende Jedermann-Identifikationsfigur bietet. Bridges hat als Giver keine spektakuläre Rolle, macht aber das Herz der Geschichte aus und darf am Ende auch ein berührendes Plädoyer für Menschlichkeit und Gefühle halten. Die extra für den Film geschaffene Figur von Meryl Streep scheint ein Zugeständnis ans Hollywoodschema zu sein, das eine repressive Gesellschaft offenbar nicht darstellen kann, ohne dieser ein konkretes Gesicht zu geben. Dies ist es jedoch wert, wenn man Streep und Bridges endlich gemeinsam auf der Leinwand sehen kann.

Die übrigen Darsteller (u.a. Katie Holmes oder Alexander Skarsgård) haben wenig zu tun, und wer auf den Auftritt von Popsternchen Taylor Swift hofft, wird enttäuscht sein, denn ihre Rolle ist sehr klein. Schade, dass man mit solchem Stunt-Casting junge Kinogänger ansprechen will, denn mit den wichtigen Themen wendet sich der Film an ein breites Publikum und wäre so auch für ältere Zuschauer interessant.

Petra Schrackmann [pps]

Petra arbeitet seit 2007 für OutNow und haut auch für Lektorat und Listicles in die Tasten. Als Genrefan verbringt sie ihre Film- und Serienabende lieber mit Zombies, Hobbits oder RVAGs als mit Rom-Coms. Als Leseratte ist sie fasziniert von Comic- und Buchverfilmungen (sogar den schlechten!).

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