Filmkritik: Schlag ins Wasser

Kuoni-Prospekt?
Kuoni-Prospekt? © filmcoopi

Auf der japanischen Insel Amami-Oshima entdeckt der 16-jährige Kaito (Nijiro Murakami) eines Tages die Leiche eines Mannes, die im Wasser treibt. Die Polizei ist ratlos, und so versucht Kaito zusammen mit seiner Schulkameradin Kyoko (Jun Yoshinaga), das Rätsel um den Mann mit dem grossen Drachentattoo auf dem Rücken zu lösen. Dabei haben die beiden Kiddies schon genug Sorgen. Kaitos alleinerziehende Mutter ist selten zuhause und scheint mit reihenweise Männern zu schlafen. Kyokos Mutter ist derweil erkrankt und wird wohl nicht mehr gesund werden. Während dieser schwierigen Zeit werden Kaito und Kyoko ein Liebespaar.

Futatsume no mado ist ein Coming-of-Age-Drama im Schlafmantel. Regisseurin Kawase bleibt sich selbst treu und hat einen weiteren Film geschaffen, der nur ihre Fans ansprechen wird und sonst gar niemanden. Nichts gegen anspruchvolle Filme, doch einen gewissen Unterhaltungswert sollten auch diese noch haben. Kulturbanause-Vorwüfe in 3, 2, 1...

Jaja, die Kawase Naomi. Schon drei Jahre zuvor hatten wir unsere liebe Mühe mit ihrem Beitrag zum Cannes-Filmfestival, und nun ist die Regisseurin an gleicher Stätte mit einem neuen Film zurück. Die Geschichte ist diesmal jedoch etwas zugänglicher. Hier gibt es keine verliebten Berge, sondern verliebte Teenies. Eine Coming-of-Age-Story, wie sie im Bilderbuch steht. Na ja, nicht ganz. Mit ihrem Hang zum Spirituellen und ihrem langsamen Erzählfluss schickt Kawase auch hier wieder die Zuschauer reihenweise entweder aus dem Kinosaal oder ins Land der Träume.

Zum Positiven: Die Bilder sind wunderschön und vor allem die Wasseraufnahmen äusserst gelungen. Doch was bringt dies, wenn die eigentliche Handlung nicht vorwärtskommt? Berufskollegen bringen dann gerne Argumente wie "die Geschichte könne sich so langsam entfalten". "Das Gesicht schläft ein" trifft aber eher zu.

Beginnen tut der Film übrigens mit minutelangen Aufnahmen von Wellen, und gleich danach wird einer Ziege in Nahaufnahme den Hals aufgeschlitzt. Wird dann danach eine Leiche im Wasser gefunden, wird es kurz interessant, doch dann kommen wieder viele Naturbilder, während zwischendurch die dünne Lovestory zwischen Kaito und Kyoko auf eine epische Länge ausgewalzt wird. Einen weisen alten Mann gibt es übrigens auch noch, der ach-so-gescheite Sätze zum Besten gibt. Nichts Neues also im Kawase-Land.

Chris Schelb [crs]

Chris arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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Kommentare Total: 2

ebe

Wenn man sich so durch die Cannes-Kritiken durchliest, stösst man bei Kawase immer wieder auf Ausdrücke wie "poetisch" oder "lyrisch". Ich habe dann immer ein wenig den Verdacht, dass das einfach ein Euphemismus ist für den Mangel an Dramaturgie oder einer starken Geschichte.

Gut, was man dem Film lassen muss: Einige Kameraeinstellungen sind wirklich sehr schön. Der Soundtrack ist ebenfalls ganz ok. Aber ansonsten muss auch ich mich dem Generalverdacht des Kulturbanausen aussetzen: Ich finde den Film einfach irre langweilig. Sorry, aber mit Kawase komme ich auch nach dem zweiten geschauten Film auf keinen grünen Zweig.

crs

Filmkritik: Schlag ins Wasser

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Trailer Originalversion, mit französischen Untertitel, 01:30