Foxcatcher (2014)

Foxcatcher (2014)

  1. 130 Minuten

Filmkritik: Sport ist Mord

The 40 Year-Old Wrestler
The 40 Year-Old Wrestler © Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Sie sind Brüder, Trainingspartner und Olympiasieger: Mark Schultz (Channing Tatum) und sein älterer Bruder Dave (Mark Ruffalo) sind die erfolgreichsten Ringer ihrer Zeit. Beide konnten an den Olympischen Spielen 1984 eine Goldmedaille mit nach Hause nehmen. Die Beziehung der beiden ist eng, allerdings auch geprägt von der gegenseitigen Rivalität. Mark leidet darunter, dass er trotz seiner Erfolge noch immer im Schatten seines älteren Bruders steht.

Auch Männer haben Gefühle.
Auch Männer haben Gefühle. © Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Eines Tages erhält Mark vom sportbegeisterten Millionär John du Pont (Steve Carell) ein lukratives Angebot: Dieser will für die Olympischen Spiele 1988 ein Team formen, das Mark zu seiner zweiten Goldmedaille führen soll. Neben einer grosszügigen Entlöhnung winken modernste Trainingsfacilitäten auf du Ponts "Foxcatcher"-Anwesen. Mark nimmt das Angebot an, während sich Bruder Dave entscheidet, vorerst bei seiner Familie zu bleiben. Glücklich darüber, mit du Pont endlich einen Förderer gefunden zu haben, der voll auf ihn setzt, nimmt Mark das Training auf. Einige seltsame Spleens des Millionärs machen ihm keine zu grossen Sorgen - er ahnt noch nicht, dass dies Jahre später zur Tragödie führen wird...

Mehr Psychodrama als Thriller, erzählt der betont langsam und leise inszenierte Film von Bennett Miller die Geschichte einer Sport-Tragödie. Dabei schafft er eine beklemmende Atmosphäre, das nahende Unheil scheint jederzeit greifbar. Steve Carell emanzipiert sich von seinem Komiker-Image, und auch Channing Tatum kann zeigen, dass in ihm mehr steckt als ein sexy Frauenschwarm. Einigen Längen zum Trotz ein gelungener Blick hinter eine klassische Boulevardstory.

Unglücksfälle und Verbrechen, bei denen prominente Namen involviert sind, ziehen immer in den Medien. Die Verfilmungen lassen meist auch nicht lange auf sich warten. In dieser Hinsicht ist die Geschichte der Ringer-Brüder Schultz ein gefundenes Fressen für Hollywood. In Foxcatcher präsentiert Regisseur Bennett Miller nun die Umsetzung dieser Geschichte. Da der Film - im Unterschied zu vergleichbaren Produktionen - das bekannte Ende nicht gleich von Anfang vorwegnimmt, sei hier auf die "True story", auf der der Film basiert, nicht näher eingegangen. Daher nur so viel: Sie endet fatal.

Trotz des eigentlich nach Boulevard schreienden Themas inszeniert Miller seinen Film alles andere als effekthascherisch. Wie schon in seinem letzten Film Moneyball legt er der Geschichte auch hier wieder einen hierzulande eher wenig populären Sport zugrunde. Und er schafft es aufs Neue, dennoch eine Faszination dafür auszulösen. Die eindrückliche Szene zu Beginn, in der Channing Tatum und Mark Ruffalo trainingshalber miteinander ringen, verrät wahrscheinlich mehr über die schwierige Beziehung zwischen den beiden Brüdern, als es lange Dialogszenen getan hätten.

Aber natürlich geht es in Foxcatcher nicht in erster Linie um den Sport. Im Zentrum steht vielmehr die Beziehung zwischen den drei Hauptcharakteren: Es ist denn auch in erster Linie Steve Carells Film. Der vor allem aus komischen Rollen bekannte Schauspieler wurde für diese Rolle im Vorfeld bereits als Oscaranwärter gehandelt, ehe das Startdatum für den Film nach hinten geschoben wurde, was ihn aus dem Oscarrennen für 2014 warf. Auf seine Leistung hat dies aber keinen Einfluss. In seiner Rolle als einsamer Multimillionär mit Mutterkomplex, der sich seine Freunde erkaufen muss, setzt Carell voll auf Understatement. Wildes Herumschreien oder Gestikulieren lässt er grösstenteils sein, stattdessen arbeitet er mit der Mimik und holt so viel mehr aus dieser eigentlich himmeltraurigen Figur heraus. Der lauernde Wahnsinn hinter der ruhigen Fassade ist immer spürbar.

Carells Co-Darsteller Mark Ruffalo und Channing Tatum können ihrem Kollegen die Stirn bieten. Während Ruffalo als Dave Schultz ein weiteres Mal seine Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellt, legt Tatum als Mark Schultz eine starke Präsenz an den Tag. Er mag nicht der begnadetste Schauspieler seiner Generation sein, doch passt er wunderbar in die Rolle des ehrgeizigen Ringers - eine Idealbesetzung.

Regisseur Miller nimmt sich viel Zeit - über zwei Stunden -, um die tragische Geschichte nachzuzeichnen. Ironischerweise wirkt der Film an einigen Stellen aber dennoch etwas überhastet inszeniert. Die subtile Charakterentwicklung von John du Pont hätte gerade in diesen Szenen noch besser ausgearbeitet werden können, während man andere durchaus etwas hätte straffen können. Dem positiven Gesamtbild tut das aber keinen Abbruch.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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Kommentare Total: 4

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Kein einfacher Film zum schauen. Der Streifen lebt nicht von der Spannung sondern von seiner pessimistischen Stimmung, welche durch die langsame Erzählweise noch verstärkt wird. Das Schauspieltrio Carrell/Ruffalo/Tatum spielen auf einem nicht zu toppenden Level. Ein Film der noch mehr einfährt, wenn man die Hintergründe noch besser kennen würde. Abzug gibt es für ein paar Handlungssträngen, die mir zu einfach aufgelöst wurden.

Sackstarke fünf Sterne!

andycolette

Absolut HAMMER sportdrama über Geld Neid Ehrgeiz und Erfolg!!!!!! Extrem beeindruckend super Darsteller Bilder story!!!!! Bennett Miller hätte Oscar für best Director mehr als verdient gewann schon in Cannes!!!!! Genial!!!??????????

muri

Langsamer, leiser aber beängstigender Film mit Klasse-Darstellern. Carrell, Ruffalo (vor allem er) und Tatum sind allesamt wohl so gut, wie noch selten zuvor und verleihen der Geschichte Dramatik und Echtheit. Wer sich ein bisschen für die Hintergründe dieses Ereignisses interessiert, der bekommt hier beklemmende Bilder dazu geliefert. Für alle andern ist Foxcatcher schlichtweg ein starker und imposanter Film geworden, der jede einzelne Nomination für die Oscars verdient.

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