Das finstere Tal (2014)

Das finstere Tal (2014)

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  2. 115 Minuten

Filmkritik: Der Fleckl-Western

Lagecheck des Bauernschrecks.
Lagecheck des Bauernschrecks.

Kurz bevor der Winter das Dorf von der Aussenwelt abschliesst, kommt in einer abgelegenen Ecke der Tiroler Alpen ein Amerikaner namens Greider (Sam Riley) zu Besuch. Er gibt sich als Fotograf aus, der Landschaftsaufnahmen machen möchte. Die Einheimischen reagieren misstrauisch. Das Sagen haben der alte Patriarch Brenner (Hans-Michael Rehberg) und seine Söhne (u.a. Tobias Moretti). Erst als Greider ihnen Goldmünzen in die Hand drückt, ist zumindest etwas Gastfreundschaft zu spüren. Greider soll während des Aufenthalts bei Luzi (Paula Beer) und ihrer Mutter nächtigen.

Luzi ist fasziniert vom Amerikaner und löchert ihn mit Fragen. Gleichzeitig sorgt sie sich auch um ihre bevorstehende Hochzeit mit Franz (Franz Xavier Brückner). Denn Hochzeiten sind im Dorf mit ungewöhnlichen Traditionen verknüpft. Darüber wachen die Brenners mit ihrem Gewaltmonopol. Als beim Holzen für die langen Winternächte aber einer der Brenner-Söhne zu Tode kommt, wird auch ihnen schnell klar, dass der Geider vielleicht doch nicht nur Fotos schiesst.

Auch Österreich hat seinen Michael Steiner - einen Filmemacher, der sich am ausländischen Genre-Kino orientiert und dessen Mechanismen erfolgreich im Inland umsetzt. Andreas Prochaska überraschte 2006 die Piazza in Locarno mit dem SMS-Slasher In 3 Tagen bist du tot (sein Missen Massaker) und schaffte es danach mit der Dialekt-Komödie Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott (sein Mein Name ist Eugen) in die österreichischen Kino-Jahrescharts. Das finstere Tal wäre in dieser Analogie dann sein Sennentuntschi: archaischer Alpenhorror rund um Hinterwäldler mit Gewaltpotenzial und etwas internationalem Flair beim Cast.

Zugegeben: Ein Sam Riley (Control) strahlt als Name etwas mehr auf dem Poster als das "Sennentuntschi" Roxane Mesquida. Mit seinem in der Wahlheimat Berlin aufgeschnappten Deutsch überzeugt der Brite unter all den Dialekt-Sprechern aber - wenn er denn überhaupt mal etwas sagt. Denn seine Rolle des Greider orientiert sich an den stummen Rächern auf Rössern der Western. Nur dass der einsame Reiter diesmal im Schnee des Südtiroler Schnalstals unterwegs ist. Die Charakterisierung ist auch sonst genre-typisch simpel: mit bitterbösen Schurken und ansehnlichen Fräuleins, die es zu schützen gilt. Prochaska und seine Crew sind aber geübt genug, um vor der kargen Berglandschaft ein ordentliches Spektakel zu inszenieren. Baumstämme als Mordwaffen waren seit Final Destination 2 nicht mehr so effektiv im Einsatz.

Fazit: Das finstere Tal ist ein im 19. Jahrhundert angesiedelter Schnee-Western, der zwar die Konventionen des Genres etwas vorhersehbar durchexerziert, aber mit Alpen-Gruselssaga-Flair und urchigem Dialekt zu punkten weiss.

/ rm

Kommentare Total: 2

VesperLynd89

Einen Alpen-Western. Wie gut kann sowas schon werden? Regisseur Andreas Prochaska verfilmt den gleichnamigen Roman von Thomas Willmann und zeigt, das es möglich ist spannendes Kino made in Austria zu machen. Die Geschichte spielt zu einer düsteren Zeit. Ende des 19. Jahrhunderts taucht in einer abgelegenen Alpengegend ein Fremder bei den Bergbauern auf. Sein Name ist Greider (Sam Riley), angeblich war er eine Weile im fernen Amerika. Er gibt sich als Fotograf aus und möchte bleiben bis der Winter vorbei ist. Dem schweigsamen Beobachter, der bei der Gader-Witwe (Carmen Gratl) und der jungen Luzi (Paula Beer) unterkommt, schlägt das Misstrauen der unfreiwillig verschworenen Gemeinde entgegen. Luzi wird bald heiraten, und obwohl sie ihren Lukas (Thomas Schubert) von Herzen liebt, fürchtet sie nichts mehr als diesen Tag. Als der jüngste Sohn des mächtigen Brenner-Bauern (Hans-Michael Rehberg) beim Holzschlagen tödlich verunglückt und man schon bald darauf seinen Bruder tot im Mühlbach findet, gerät im Tal die alte Ordnung ins Wanken.

Der Fokus des Films liegt eindeutig auf der Gestik und Mimik der handelnden Figuren. Man bekommt förmlich den Eindruck, der Bergwind hätte den Dorfbewohnern jede Sorgenfalte einzeln ins Gesicht geschliffen. Gerade durch die wenige Sprache kommt eine teils unerträgliche Spannung auf, da man nie sicher sein kann, was als Nächstes passiert. Zunächst möchte man meinen, dass Sam Riley als Nicht-Muttersprachler überhaupt nicht in den restlichen Cast passt. Man erkennt aber schnell, dass genau das der Vorteil ist. Greider ist schliesslich ein Zugewanderter, einer von Aussen. Zudem bringt er eine gewisse Ähnlichkeit mit einem 1998 leider verunglückten österreichischen Sänger mit. Irgendwie ist es dann doch erstaunlich stimmig. Ohne die überzeugende schauspielerische Leistung der anderen Darsteller (u. a. Tobias Moretti, Clemens Schick) schmälern zu wollen, muss Sam Riley besonders lobend erwähnt werden. Unabhängig von den fehlenden Deutschkenntnisse bringt er mit einfachen Blicken so viel Leben in seine Figur, das es einem beim Zuschauen richtige Freude macht. Die Musik von Matthias Weber fällt ebenfalls positiv auf. Besonders die Eröffnungs- und Schlusssongs erinnern an die Coolness des Django Unchained-Soundtracks.

Gerade gegen Ende wird es dann richtig blutig. Vorher bekommt einer schon einen Speer ins Gesicht und ein Nagel landet absichtlich in einem Auge, eine Frau wird gezwungen auf Geldstücken herumzukauen - also alles in allem: nichts für schwache Nerven! Ausserdem klärt der Film zu früh auf, wer Greider ist und warum er in das Dorf gekommen ist. Dadurch wird der finale Showdown etwas zäh.

Spannender Western made in Austria (5/6)

rm

Filmkritik: Der Fleckl-Western

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Trailer Deutsch, 02:08