Escobar: Paradise Lost (2014)

Escobar: Paradise Lost (2014)

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  3. 120 Minuten

Filmkritik: Mein nicht so cooler Onkel Pablo

"Sorry, the Odds are not in your favour."
"Sorry, the Odds are not in your favour." © Pathé Films AG

Der Kanadier Nick (Josh Hutcherson) glaubt zusammen mit seinem Bruder Dylan (Brady Corbet) in Kolumbien das Paradies gefunden zu haben. An einem wunderschönen Strand wollen sie eine Surferschule eröffnen und dort das sonnige Leben geniessen. Als Nick sich dann auch noch in die örtliche Schönheit Maria (Claudia Traisac) verliebt, scheint er am Ziel seiner Träume zu sein. Doch diese Liebelei bringt jede Menge Gefahren mit sich.

"Schnäuze sind voll cool"
"Schnäuze sind voll cool" © Pathé Films AG

Marias Onkel ist nämlich niemand Geringeres als der Drogenbaron Pablo Escobar (Benicio del Toro). Vorerst scheint dies Nick nicht viel auszumachen, selbst nicht, als er Maria heiratet und noch tiefere Einblicke in die Geschäfte Escobars erhält. Doch als "El Patron" sich den Behörden ergibt, soll Nick vor der Verhaftung einen Laster mit wertvollem Inhalt zu einem Versteck bringen. Dort angekommen wird der junge Mann vor eine schlimme Entscheidung gestellt.

Escobar: Paradise Lost ist ein Thriller-Drama, welches mit wunderschönen Bildern und starken Performances - allen voran Josh Hutcherson und Benicio Del Toro - packend umgesetzt wurde. Alle, welche ein Escobar-Biopic erwarten, werden enttäuscht sein. Aber all jene, die spannende Unterhaltung suchen, werden hier fündig.

Nach Che Guevara porträtiert Benicio del Toro erneut eine der bekanntesten Figuren der amerikanischen Geschichte des vergangenen Jahrhunderts. Der Oscarpreisträger spielt den gefürchteten Drogenbaron Pablo Escobar, welcher während den Achtzigern und anfangs der Neunziger Kolumbien in Atem hielt. Doch Escobar: Paradise Lost von Regiedebütant Andrea Di Stefano erzählt nicht die Geschichte von Escobar, sondern die eines fiktiven jungen Mannes, welcher zuerst einen Inside Look erhält und danach droht, selbst zu den Opfern zu werden.

Einen ähnlichen Ansatz wählte auch schon Kevin Macdonald für seinen grossartigen The Last King of Scotland über den ugandischen Diktator Idi Amin, und diese Herangehensweise funktioniert auch hier wieder. Anstatt den Zuschauer mit zu vielen politischen und gesellschaftlichen Infos zu bombardieren, reichen hier ein paar Sätze aus, um die Situation wiederzugeben. "Escobar exportiert Drogen, damit er mit dem Geld die arme Bevölkerung unterstützen kann", ist einer davon und reicht auch aus, um vieles, was in der zweiten Hälfte passiert, zu kapieren.

Diese ist dann nervenzerfetzend spannend. Aus dem netten Onkel Pablo wird der böse Onkel Pablo, und der von Josh Hutcherson mit einer Karrierebestleistung gespielte Surfer Boy wird vor schwere Entscheidungen gestellt, die ihn selbst das Leben kosten können. Wie die Wolken über dieses Paradies ziehen, wird in hitzigen und wunderschönen Bildern zum Ausdruck gebracht und ist mit einem wunderbaren Score von Max Richter (Waltz with Bashir) unterlegt. Es ist erstaunlich, wie wunderbar alles in Di Stefanos erstem Film schon ineinandergreift. Dem Bruderzwist zwischen Dylan und Nick hätte der Regisseur aber etwas mehr Gewicht geben können. Brady Corbets Dylan wäre dazu prädestiniert, um weitere dramatische Punches spürbar zu machen, doch aus dieser Situation wird leider etwas wenig gemacht. Neben dem bereits gelobten Hutcherson zeigt auch Del Toro eine überzeugende Performance. Er spielt Escobar als charismatischen Mann, hinter dessen Freundlichkeit sich jedoch etwas Schlimmeres verbirgt. Dieses Schlimme wird von Di Stefano nur angedeutet, wirklich brutale Bilder gibt es fast keine zu sehen, doch diejenigen im Kopf reichen völlig aus.

/ crs

Kommentare Total: 3

daw

Echt super stark von den zwei Hauptdarstellern gespielt! Spannend bis zum Schluss und somit äusserst unterhaltsam.

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Toller Gangsterstreifen mit genügend Tiefe, einer tollen Atmosphäre, und einem sehr guten Del Toro. Einziger Kritikpunkt gehört Josh Hutcherson, der meiner Meinung nach eine Fehlbesetzung ist. Ausser einem Gesichtsausdruck kommt da nicht viel.

crs

Filmkritik: Mein nicht so cooler Onkel Pablo

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