Eden (2014)

Eden (2014)

  1. 131 Minuten

Filmkritik: Utz, Utz, Utz

Ein Film zum Einschlafen
Ein Film zum Einschlafen © Praesens Film

Paul (Félix de Givry) möchte seit Teenagerjahren eigentlich nur eines werden: DJ. Er beginnt mit Elektromusik zu experimentieren und findet sich bald in der Musikrichtung "Garage-House" wieder. Während der Neunzigerjahre feiert er mit seinem besten Freund Stan (Hugo Conzelmann) als DJ-Duo "Cheers" einige Erfolge. Doch der ganz grosse Durchbruch bleibt aus. Anstatt etwas an seiner Musik zu ändern, versucht Paul weiterhin verbissen mit dem Garage-House den Erfolg zu suchen.

Währenddessen feiern zwei Kumpels von ihm, Thomas Bangalter (Vincent Lacoste) und Guy-Manuel de Homem-Christo (Arnaud Azoulay), mit "Daft Punk" grosse Erfolge. Paul fällt so um die Jahrtausendwende immer mehr in eine Depression und entwickelt auch eine Kokainsucht. Wird er aus ihr wieder herausfinden, oder werden ihn seine Verbissenheit und die Drogen zerstören?"

Anstatt sich auf die interessanten Aspekte der Geschichte zu fokussieren, zeigt Regisseurin Mia Hansen-Løve in ihrer DJ-Ballade fast nur Dinge, die zwischen den spannenden Stellen einer solchen Story stattfinden. Dies langweilt schnell, sodass eigentlich nur noch der Elektro-Soundtrack für etwas Stimmung sorgt. Doch dafür geht man in einem Club und nicht ins Kino.

Die französische Regisseurin Mia Hansen-Løve ist eine kleine Wundertüte. Einmal haut sie mit Le père de mes enfants ein aufwühlendes Drama raus, dann eine kaltlassende Coming-of-Age-Lovestory mit dem Titel Un amour de jeunesse. Mit Eden zeichnet die Frau nun zwei Jahrzehnte im Leben eines DJs nach, dessen fiktive Geschichte von jener wahren ihres Bruders Sven inspiriert wurde. Zugegeben, die Regisseurin traut sich was und probiert mit ihrem vierten Film zum vierten Mal was Neues aus. Doch vom Gefühl her haben wir es auch hier wieder mit einem Film zu tun, der, ehrlich gesagt, recht am Arsch vorbeigeht.

131 Minuten dauert Eden, und dabei schafft es Hansen-Løve fast schon meisterhaft, alle interessanten Stellen vom Aufstieg und vom Fall eines DJs auszulassen. Was sehen wir in diesem Film? Wir sehen, wie der DJ alle 15 Minuten eine neue Gespielin im Bett hat, wie er mit seinen Freunden abhängt und etwas Musik mixt. Die Höhen und Tiefen des fiktiven Elektro-Duos "Cheers" werden viel zu wenig beleuchtet, und stattdessen verbringen wir die meiste Zeit mit dem nicht sehr sympathischen Paul, der einfach nicht aus einer Lethargie erwachen will und stattdessen seinem Traum immer mehr schlafwandlerisch nachjagt.

Dies ist jedoch kein bisschen interessant, sondern vor allem langweilig. Wenn man hier ein positives Erlebnis haben möchte, schliesst man am besten die Augen und versucht die Elektromusik zu geniessen, von der im Film zu Genüge zu hören ist. Die Frage, wen dieses Werk ansprechen soll, kann mit einer einzigen Gegenfrage beantwortet werden: Wer hat schon mal was von "Garage House" gehört? Wer hier "ja" antwortet, ist klar im Vorteil und wird sich wohl auch für die entsprechende Musikrichtung interessieren. Alle, welche jedoch noch nie was davon gehört haben, sind aufgeschmissen und hangeln sich einfach sprunghaft von Szene zu Szene, bis der Abspann dann die Erlösung bringt.

Chris Schelb [crs]

Chris arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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Trailer Deutsch, 01:53