The Fool - Durak (2014/II)

The Fool - Durak (2014/II)

  1. 116 Minuten

Filmkritik: Einer für alle - Alle gegen einen

Good night and good luck.
Good night and good luck. © trigon-film

Dima Nikitin (Artem Bystrov) ist schockiert, als er dem Riesengebäude entlang nach oben blickt: Ein Riss in der Fassade vom Boden bis ganz hinauf zum Dach! Mitten in der Nacht wurde der in ärmlichen Verhältnissen lebende Sanitärinstallateur zu den Sozialwohnungen gerufen, um sich um einen Rohrbruch zu kümmern. Die Zustände, die er in dem Gebäude vorfindet, sind miserabel: Heruntergekommene Einrichtungen, ein Mann, der seine Frau verprügelt, Drogenabhängige, Alkoholsüchtige.

Wodka! Dann wird das schon...
Wodka! Dann wird das schon... © trigon-film

Dima kehrt nach Hause zurück und berechnet anhand von Messungen, die er vorgenommen hat, die Lebenszeit des Hauses. Das erschreckende Resultat: 24 Stunden, bis dem Haus der Zusammensturz droht. Der aufrechte und ehrliche Mann muss etwas unternehmen. Er begibt sich umgehend an die Geburtstagsparty von Bürgermeisterin Anna Galaganova (Natalya Surkova), an welcher sämtliche hohen städtischen Amtsvertreter anwesend sind. Dima verlangt die sofortige Evakuation der 800 Bewohner des Hauses. Doch so einfach funktiert das nicht, denn das korrupte bürokratische System bereitet ihm mehr Schwierigkeiten, als er sich je hätte vorstellen können...

Ein Jahr nach Major meldet sich Regisseur Yuri Bykov mit Durak zurück. Die Ausgangslage ist eine ähnliche: Ein ehrlicher Mann kämpft auf sich allein gestellt gegen ein korruptes System. Anders als im Vorgänger findet hier der Kampf hingegen nicht nur innerhalb einer einzelnen Institution statt, sondern zwischen einem einfachen Bürger und den gesamten hohen Amtsvertretern einer Stadt. Durak schockiert, verblüfft und wirft moralische Fragen auf. Ein Meisterwerk aus Russland!

Bereits ein Jahr zuvor sorgte Regisseur und Drehbuchautor Yuri Bykov mit seinem Werk Major für Aufsehen. Der Film feierte seine Premiere am Cannes-Filmfestival 2013 und erzählt die Geschichte eines Polizisten, der auf sich allein gestellt gegen seine korrupten Kollegen und Vorgesetzten anzukämpfen versucht, um Gerechtigkeit zu schaffen.

In seinem neuen Film Durak, Wettbewerbsteilnehmer in Locarno, wählt Bykov eine ähnliche Ausgangslage für seinen Protagonisten. Ein Mann widersetzt sich dem korrupten System und setzt alles daran, um sein Ziel zu erreichen. Hingegen handelt es sich in diesem Fall nicht um einen angesehenen, respektierten Polizisten, sondern um den einfachen Klempner Dima, grossartig gespielt von Artem Bystrov. Dies macht die Situation umso spannender. Ein einfacher Mann aus ärmlichen Verhältnissen dringt vor bis zu den höchsten institutionellen Vertretern und fordert diese zu verantwortungsbewusstem Handeln auf. Dima verhält sich korrekt, erntet dafür aber nur Spott und Abneigung, sogar von seiner Mutter und seiner Frau. Der ehrliche Mann wird als "Durak", als Idiot, beschimpft. Der einzige, der Dima versteht, ist dessen Vater, weil er selbst genauso denkt und handelt.

Bystrov ist in dieser Rolle die tragende Kraft des Filmes. Trotz seiner niedrigeren sozialen Stellung tritt Dima den Mächtigen der Stadt mit Überzeugung und Mut gegenüber und Bystrov bringt dies mit seinem fokussierten Blick stark zum Ausdruck. Nichts kann seinen unbändigen Willen aufhalten, verraten diese Augen.

Die ganze Geschichte des Films findet in einer einzigen winterlichen Nacht statt. Mit der dunklen und kühl wirkenden Lichtgestaltung schafft Bykov damit das perfekte Setting für eine Erzählung voller Intrigen und korrupten Machenschaften.

Bei der Darstellung der korrupten Bürokratie landet Bykov einen weiteren Volltreffer. Bis ins kleinste Detail sind die Absichten und Beweggründe für die Handlungen jeder einzelnen Figur durchdacht. Auch wenn sie noch so amoralisch und grausam sind - irgendwodurch sind sie trotzdem nachvollziehbar. Jeder und Jede schaut schliesslich für sich selbst. Ausser Dima: Er beweist Zivilcourage und Mitgefühl und handelt menschlich. Dankbar ist ihm dafür jedoch niemand.

Regisseur Bykov selbst ist in einer ähnlichen Realität aufgewachsen, wie sie sein Film darstellt. Auch wenn er seine Zuschauer schockiert und etwas hilflos zurücklässt, bleibt die hoffnungsvolle Aussage: Man muss an das glauben, was man macht. Sein Protagonist ist ein Gewinner... unabhängig davon, ob er sein Ziel erreicht oder nicht. Sondern, weil er alles Menschenmögliche unternimmt, um sein Ziel zu erreichen.

/ gli

Kommentare Total: 2

Murikov

Einer der besten Filme aus dem modernen Russland - unbedingt anschauen! Ist wie ein Schlag in die Magengrube.

gli

Filmkritik: Einer für alle - Alle gegen einen

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Trailer Originalversion, mit deutschen Untertitel, 02:23