Children of the Arctic (2014)

Children of the Arctic (2014)

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  2. 92 Minuten

Filmkritik: Save the Whales - ...for Dinner

eusä Spiilplatz
eusä Spiilplatz © Studio / Produzent

Ganz nördlich in Alaska, dem nördlichsten Staat Amerikas, liegt Barrow. Wo man hinschaut, ist Eis - noch. Hier gehören der Walfang und das Jagen noch zum Alltag der Inupiat, der indigenen Urbevölkerung Alaskas. Doch nicht nur die Natur und das Klima erfahren grosse Veränderungen in der heutigen Zeit, auch die Bewohner Barrows, insbesondere die jungen Leute, und ihre Kultur werden von der modernen Welt eingeholt.

"Scho widr zchalt zum Bade."
"Scho widr zchalt zum Bade." © Studio / Produzent

Die Schweizer Dokumentation begleitet fünf indigene Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren auf ihrem Weg zu sich selbst und ins Erwachsenenleben. Sie sind hin- und hergerissen zwischen lang gehegten Traditionen und den unzähligen Möglichkeiten, welche die heutige Zeit für sie bereithält. Sollen sie bei ihrer Familie bleiben und möglichst viel über das Land und die eigene Herkunft lernen, oder sollen sie an eine Uni gehen und ein neues Leben beginnen?

Children of the Arctic ist ein nicht allzu gelungenes Porträt indigener Jugendlicher in Alaska. Die Schweizer Dokumentation hat beeindruckene Naturaufnahmen zu bieten. Unästhetische Texteinblendungen und künstlich wirkende Gespräche der Protagonisten lassen die Dokumentation allerdings gestellt wirken. Was dem Zürcher Regisseur Nick Brandestini mit Darwin so treffend gelang - nämlich eine Gemeinschaft unauffällig zu begleiten und sie so sehr natürlich zu porträtieren - misslingt ihm hier. Was bleibt, sind einige tolle Aufnahmen von Naturphänomenen, Eislandschaften und Tieren, die wir lieber anschauen als essen würden.

Ein vierzehnjähriger Junge liegt konzentriert in einer idyllischen Schneelandschaft auf dem eisigen Boden und visiert mit seinem Gewehr ein Rentier, das sich leicht von seiner Herde entfernt hat. Ein gezielter Schuss und das Tier fällt. Gekonnt trennt Samuel den Kopf des Tieres ab und nimmt auch den Rest des Tieres aus. Das Bild der romantisierten Idylle wird in Children of the Arctic schon nach wenigen Minuten von einem realistischeren abgelöst: Tiere sind zum Essen da, hier geht es ums Überleben. "Save the Whales - ... for Dinner" heisst es auf einem Schild treffend.

Nick Brandestini, Regisseur aus Zürich, versucht in seiner Dokumentation festzuhalten, wie sich eine Gemeinschaft verändert und allmählich vom modernen Zeitgeist eingeholt wird. Leider wird man nicht so wirklich warm mit den Protagonisten dieses Films. Unnatürlich wirkt es, wie die Teenager spätabends im Auto plötzlich darüber philosophieren, dass sie ihre eigene Sprache zugunsten des Englischs vergessen hätten. Und dass die Jugendlichen nicht von Barrow wegkommen, scheint mehr aus Faulheit anstatt dem Festhalten an alten Traditionen zu geschehen. Vielleicht wollte der Regisseur den Leuten einen Konflikt aufdrücken, denn es so für sie gar nicht gibt.

Zudem schafft es die Schweizer Dokumentation nicht, die Geschichte allein in Bildern, Interviews und spontanen Szenen zu erzählen. Daher erscheint alle drei Minuten ein Lesetext auf schwarzem Grund, damit der Zuschauer doch noch mitbekommt, was eigentlich so geschieht. Dies ist nicht nur unästhetisch, sondern auch einfach nur lästig. Ein Erzähler wäre da die bessere Lösung gewesen, da die Vorgänge so viel zu stark unterbrochen werden und die Erklärungen einen aus dem Film rauswerfen.

/ stb

Kommentare Total: 2

edgarme

Ein grossartiger Film mit vielen Zwischentönen über das Aufwachsen am Dach unserer Welt. Am nördlichsten Ort des Amerikanischen Kontinents aufzuwachsen scheint schwieriger, als wir uns das vorstellen können. Was nach Freiheit und Abenteuer aussieht, kann gleichzeitig beengen und erdrücken. Die herben Lebensbedingungen werden eindrücklich und sehr subtil durch den neuen Film von Nick Brandestini einsehbar. Es gelingt dem jungen Schweizer Filmemacher, die Jugendlichen so darzustellen, wie sie sind: Unsicher und suchend, bewusst und gläubig, verletzlich und emphatisch. Dem Film gelingt es die Ambivalenz zwischen traditionellem, und westlichter Jugendkultur an einem der aussergewöhnlichsten Orten der Welt unaufdringlich darzustellen. Die Landschaft wird dabei grossartig eingefangen, unerbittlich und herb.

stb

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