Chef (2014)

Chef (2014)

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  2. 114 Minuten

Filmkritik: Twittern macht hungrig

Carl Caspers (Jon Favreau) Leidenschaft ist Kochen. Sei es als Chefkoch in einem Restaurant oder zu Hause für sich oder seinen Sohn Percy (Emjay Anthony). Da seine Passion einiges an Zeit in Anspruch nimmt, verbringt er die meiste Zeit seines Daseins in der Küche und sein Sohnemann muss in den sauren Apfel beissen. Als der geschiedene Feinschmecker erfährt, dass der berühmt berüchtigte Restaurantkritiker Ramsey Michel (Oliver Platt) einen Bericht über seine kulinarischen Künste schreiben möchte, ist er bemüht ein regelrechtes Festmahl auf den Tisch zu zaubern.


Doch der engstirnige Ladenbesitzer (Dustin Hoffman) sieht nicht ein, weshalb die Karte für einen einzelnen Gast umgeschrieben werden sollte und zwingt Carl damit dazu, dem Kritiker die gewöhnlichen Standardmenus zu servieren. Wie erwartet wird Carl in Ramseys Bericht fürchterlich zur Schnecke gemacht und kann sich darüber auch noch Tage danach tierisch aufregen. Als ihn Percy über Twitter aufklärt, fängt er an seinem Kritiker-Nemesis böse Tweets zu senden, die dummerweise nicht nur dieser zu Gesicht bekommt.

Wer mit knurrendem Magen in Jon Favreaus neuste Komödie einsteigt, wird nach kurzer Zeit den Kühlschrank leer räumen. Von diesen genial gefilmten Food-Porn-Passagen einmal abgesehen, ist Chef aber auch ein Film für die ganze Familie und überzeugt mit viel Herz und einer abenteuerlichen Geschichte. Obwohl am Ende vielleicht etwas zu gutmütig mit dem Glückssieb hantiert wird, verbreitet sein Chef doch im hohen Masse gute Laune.

Für den Regieposten für Iron Man hat Marvel ein mutiges, aber durchaus feines Händchen bewiesen. Der etwas andere Superheld, gespielt von Robert Downey Jr., war nicht zuletzt dank der ansehnlichen Inszenierung von Jon Favreau ein Erfolg an den Kassen. Richtig viel Erfahrung brachte der US-Amerikaner aber nicht mit. Made, Buddy, der Weihnachtself und Zathura waren seine einzigen Regiearbeiten. Nach dem Siegeszug mit Tony Stark und Co. kam Cowboys & Aliens, der die Erwartungen leider nicht erfüllen konnte und Favreau als Regisseur auch etwas in Vergessenheit geraten liess. Doch nun ist er wieder da, und zwar mit einer Komödie namens Chef: ein deliziöses und überaus sympathisches Feel-Good-Movie für die ganze Familie.

Im Rampenlicht der ersten halben Stunde des Films stehen ohne Frage die Kochkünste des Hauptcharakters Carl (Jon Favreau). Die Kamera hält mit verlockendem Blick auf die Zubereitung diverser Menüs und lässt den Zuschauern so das Wasser auf der Zunge zergehen. Dieser Food-Porn der Extraklasse wurde wunderbar eingefangen und gibt Aufschluss über die grosse Leidenschaft des Meisterkochs. Erst mit der Zeit lernt man die Familienverhältnisse der Hauptfigur kennen und wird somit auch gleich Zeuge davon, dass eine solche Passion auch seine Schattenseiten mit sich bringt. Der vernachlässigte Sohn Percy, hervorragend gespielt von Emjay Anthony, ist für Carl mehr ein Haar in der Suppe und die Vater-Sohn-Beziehung dementsprechend nahe dem Gefrierpunkt. Doch mit den Entwicklungen der Geschichte erlernt Carl nicht nur das Twittern von seinem erst gerade mal 10 Jahre alten Knirps, sondern beginnt auch seine Vaterrolle ernster zu nehmen.

Diese Prozedur um das Verhältnis dieser beiden ist unglaublich rührend, und der Verlauf der Dinge, der in einem etwas ungewöhnlichen Road-Trip durch die Staaten seinen Höhepunkt findet, wunderschön anzuschauen. Mit einem herrlich überdrehten John Leguizamo bekommt das Vater-Sohn-Gespann Unterstützung der nicht jugendfreien Art. Dieses Trio bringt Witz, Charme und haufenweise gute Sandwiches auf den Tisch, so dass auch der gesättigtste Zuschauer irgendwann einfach Hunger kriegt. Die vielen ebenfalls gelungenen Kurzauftritte, unter anderem von Robert Downey Jr., Scarlett Johansson, Sofia Vergara und Bobby Cannavale gehen dabei fast ein wenig unter. Auch wenn die Story gegen Ende mit etwas gar viel Zuckerguss um sich schmeisst und in jeder Hinsicht einfach plötzlich alles erdenklich Gute vom Himmel fällt, ist Favreaus Chef trotzdem mehr als einen Biss wert.

Yannick Suter [yan]

Yannick arbeitet seit 2010 als Freelancer für OutNow. Sci-Fi-, Horror- und Mindfuck-Filme sind seine Favorites. Wenig anfangen kann er mit Kostümfilmen und allzu prätentiösen Arthouse-Produktionen. Wer aber etwas über äusserst verstörende Filme erfahren möchte, ist bei ihm an der richtigen Adresse.

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Kommentare Total: 2

daw

Netter Film der sich aber vorallem in der ersten Hälfte in die Länge zieht. Hätte ein wenig mehr Humor erwartet, aber alles in allem ein guter Feel-Good-Movie.

yan

Filmkritik: Twittern macht hungrig

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