Die Böhms: Architektur einer Familie (2014)

Die Böhms: Architektur einer Familie (2014)

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  3. 88 Minuten

Filmkritik: Ein junger Geist in einem alten Körper

Who's the boss?
Who's the boss? © cineworx

In den Ruinen des vom Zweiten Weltkrieg verwüsteten Köln begann der berufliche Aufstieg von Gottfried Böhm. Heute zählt der Kölner zu den bedeutendsten Architekten Deutschlands. Der Preisträger des angesehenen Pritzker-Preises - so etwas wie der Nobelpreis der Architektur - hat sein Handwerk von seinem Vater Domenikus Böhm gelernt. Mit 94 Jahren ist er längst zum Kopf einer Architektendynastie geworden. In seinem Elternhaus führt er zusammen mit drei seiner Söhne, Stephan, Peter und Paul Böhm ein Architekturbüro und arbeitet trotz seines hohen Alters noch tagtäglich an Projekten mit.

morgendliche Schwimmfreuden
morgendliche Schwimmfreuden © cineworx

Als seine Frau Elisabeth stirbt - ebenfalls eine Architektin - , verliert Gottfried nicht nur seine Partnerin, sondern auch seine Inspirationsquelle und ehrlichste Kritikerin. Erst nach ihrem Tod wird den Böhms bewusst, wie gross Elisabeths Einfluss auf die Familie gewesen ist.

Die Böhms - Architektur einer Familie ist ein intimes und berührendes Porträt über einen faszinierenden Mann und seine Familie im täglichen Miteinander, aber auch Gegeneinander. Regisseur Maurizius Staerkle-Drux gelingt es dabei, eine grosse Nähe zu seinen Protagonisten aufzubauen, so dass man als Zuschauer am Ende des Filmes beinahe das Gefühl hat, die Böhms persönlich zu kennen.

Für seinen Dokumentarfilm Die Böhms - Architektur einer Familie begleitete der 1988 in Köln geborene Regisseur Maurizius Staerkle-Drux die Familie Böhm über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren. Das Resultat ist ein intimes und berührendes Porträt über eine Familie, in der Architektur gelebt wird.

Im Zentrum des Filmes steht der 94-jährige Gottfried, seines Zeichens Träger des angesehenen Pritzker-Preises und Patriarch der Böhmschen Architektendynastie. Es ist ein faszinierender Mann, den Staerkle-Drux den Zuschauern vorstellt. Ein Mann, der getrieben ist von seiner Leidenschaft für Architektur. Der selbst von sich sagt: "Ohne Arbeit kann ich nicht leben". Im hauseigenen Architekturbüro, welches Gottfried mit den drei Söhnen Stephan, Peter und Paul führt, ist er unbestrittener Boss. Er will wissen, was gemacht wird und mischt sich auch ein.

Dieses spannende zwischenmenschliche Gefüge des gemeinsamen Miteinander, aber auch Gegeneinander ist es, was Die Böhms - Architektur einer Familie so faszinierend macht. Natürlich werden aber auch die Bauwerke der Familie, vor allem diejenigen von Gottfried, in Szene gesetzt. Die Kamera von Raphael Beinder fliesst dabei elegant - unterlegt mit klassischer Musik - über oder durch die Gebäudestrukturen und vermag den zeitlosen Geist seiner Architektur wunderschön einzufangen.

Die Interviews, bei denen die Kamera fix auf das Gesicht des jeweiligen Gegenübers gerichtet bleibt, wirken sehr ehrlich und authentisch. So spricht Peter Böhm etwa nicht nur über seine Bewunderung für die kreativen Fähigkeiten seines Vaters, sondern gleichzeitig auch über die Schwierigkeiten, aus seinem gewaltigen Schatten zu treten. Subtil werden so, nach und nach auch Tabus innerhalb der Familie angedeutet; etwa die Kriegsvergangenheit von Gottfried.

Allgemein ist eine gewisse Distanz zwischen dem Vater und seinen Söhnen feststellbar. Für die Erziehung der Kinder war seine Frau Elisabeth zuständig. Sie, die der Familie und Gottfried zuliebe auf ihre eigene Karriere und ihren Traum von einer Zukunft in Paris verzichtet hatte. Erst nach ihrem Tod wird der Familie bewusst, wie stark ihr Zusammenhalt von Elisabeth abhing. Wie stark der Einfluss seiner Frau auf den Patriarchen war, wird am Ende des Filmes noch einmal richtig bewusst, als die Kamera hin zum neuen Hans Otto Theater in Potsdam - Gottfrieds letztem Projekt - gleitet. Die gesamte Dachkonstruktion erstrahlt in einem kräftigen Rot - Elisabeths Lieblingsfarbe.

/ bra

Trailer Deutsch, 02:11